Gewerkschaften laufen Sturm: Bundesregierung will 8-Stunden-Tag abschaffen

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In Deutschland wird eine Debatte um Arbeitszeit und den klassischen 8-Stunden-Tag geführt. Gewerkschaften und Politik vertreten dazu unterschiedliche Positionen.

Der Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union, den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu begrenzen, wird sich aus der Perspektive von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nicht durchsetzen. "Ich glaube nicht, dass daraus ein politisches Programm wird", sagte der CSU-Politiker in der ntv-Talkshow "Pinar Atalay", wie die Deutsche-Presse Agentur berichtet.

"Mein Maßstab ist eher Flexibilisierung der Arbeitszeit. Ich glaube, dass wir wegmüssen von diesem reinen 8-Stunden-Tag und hin zu einer Wochenarbeitszeit." Das komme dem Lebensgefühl der Menschen näher. "Wenn man im Rahmen der Flexibilisierung zu dem Ergebnis kommt, man kann auch ein bisschen mehr arbeiten, fände ich es nicht ganz falsch", sagte Dobrindt. Insgesamt sollte in Deutschland mehr gearbeitet werden, um wettbewerbsfähiger zu sein: "Das würde ich zwingend unterstützen." 

Gewerkschaften laufen Sturm: "Kämpfen für Arbeitszeitgesetz"

Gegen die Abschaffung beziehungsweise "Flexibilisierung" des 8-Stunden-Tages sind diverse Gewerkschaften. Sie stemmen sich mit deutlichen Worten gegen die Reformpläne der Bundesregierung, die "flexiblere Arbeitszeiten" durchaus als Hebel sehen, damit in Deutschland mehr gearbeitet wird. Unter dem Motto "Mit Macht für die 8!" wollen Gewerkschaften auf die Straße gehen und planen Protestaktionen, wie unter anderem die Bild am Donnerstag (29. Januar 2026) berichtet.

Besonders in der Tourismus-Branche will das Wirtschaftsministerium das "starre Modell des 8-Stunden-Tages lockern". Arbeitnehmer sollen so länger am Stück arbeiten können. Aus der Politik heißt es, dass dies einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf diene. 

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, erläuterte auf Anfrage der Bild, dass durch die Pläne der Regierung Arbeitgebern "ein Freibrief ausgestellt" würde, um aus überlasteten Arbeitnehmer noch das "Letzte rauszuholen".

Forderung der NGG: Arbeitsbedingungen verbessern, nicht die Stunden erhöhen

"Wir sind bereit, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen – in den Betrieben und auf der Straße", so Werneke. Eine ähnliche Stellung beziehen auch die IG Bau, die IG Metall und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler betont hier: "Wer den Personalmangel ernsthaft bekämpfen will, muss Arbeitsbedingungen verbessern, statt Arbeitstage auf bis zu 13 Stunden auszudehnen."

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