Politikern gefällt die Entwicklung zu mehr Teilzeitarbeit nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fordern, die Deutschen müssten mehr arbeiten. Konkret pro Woche: "Eine Stunde mehr würde uns allen helfen", sagt Söder.
Fehlende Aufträge und dennoch Mehrarbeit?
Sebastian Schenk, Geschäftsführer des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt, sagte dem MDR: "In anderen Bereichen, wie aktuell im Automobilbereich, wo die Firmen zu kämpfen haben, überhaupt Aufträge reinzukriegen, die Absatzzahlen einzuhalten und teilweise schon Richtung Kurzarbeit gehen oder zumindest schauen, wie sie ihre Leute beschäftigt kriegen – da hilft eine Stunde mehr dann am Ende des Tages auch nicht."
Unterstützt wird diese Position durch DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel: "Wir haben Arbeitgeber, die konsequent nur Minijobs anbieten, und wir haben Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, die im Moment tatsächlich eine Verkürzung der Arbeitszeiten planen, um Beschäftigung zu sichern."
Was sagt die Wissenschaft? "Wenn wir mehr arbeiten, dann produzieren wir auch mehr Waren und Dienstleistungen und dann haben wir halt insgesamt auch mehr Einkommen zur Verfügung. Dieser Zusammenhang ist selbstverständlich gegeben", so der Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Holger Schäfer gegenüber dem MDR. Das entscheidende Mittel für eine Konjunkturbelebung sei das aber wohl nicht. Klar ist, und da sind sich alle einig, ungenutzte Potenziale sind auf dem Arbeitsmarkt zu heben, und dazu gehört ungewollte Teilzeitarbeit. Arbeitsmarktexperten sprechen sogar von der "Teilzeitfalle", die den Wiedereinstieg in Vollzeit erschwert.
Was musst du bei Teilzeitarbeit bedenken?
Es gibt eine Reihe von Punkten, die bei Teilzeitarbeit zu bedenken sind. Der offensichtlichste Nachteil ist das geringere Gehalt im Vergleich zu einer Vollzeittätigkeit. Wer in Teilzeit arbeitet, bekommt in der Regel zwar auch Urlaubs-und Weihnachtsgeld, allerdings weniger als die Vollzeitbeschäftigten, darauf weist der DGB hin.
Das niedrigere Einkommen bedeutet, dass du und der Arbeitgeber weniger Beiträge in die Rentenkasse einzahlt. Das führt im Ergebnis zu einer geringeren Rente im Alter und unter Umständen zu Altersarmut, besonders wenn du lange in Teilzeit arbeitest. Teilzeitarbeit ist auch ein Karrierekiller, da Arbeitnehmer sie als Zeichen von weniger Engagement wahrnehmen oder du von wichtigen Projekten und Führungspositionen ausgeschlossen bist.
"Grundsätzlich kann man sagen, dass Teilzeitarbeit bei Karrierefaktoren wie Verantwortung im Job, Beförderungsmöglichkeiten oder Führungspositionen zu schlechteren Ergebnissen führt", erklärt Soziologie-Professorin Katja Möhring von der Universität Bamberg. "Viele glauben, dass Jobs mit Führungsverantwortung nur von Personen gemacht werden können, die in Vollzeit präsent sind und Kontrolle vor Ort ausüben."
Welche arbeitsrechtliche Grundlagen gibt es für Teilzeitarbeit?
Der gesetzliche Anspruch kann helfen, doch nicht jeder hat ihn: In Betrieben mit bis zu 15 Beschäftigten hängt die Entscheidung vom Wohlwollen des Chefs oder der Chefin ab. Erst ab 16 Mitarbeitenden besteht ein Rechtsanspruch – vorausgesetzt, der Arbeitnehmer ist seit mindestens sechs Monaten im Unternehmen (Rechtsgrundlage: Teilzeit- und Befristungsgesetz TzBfG). "Sind beide Bedingungen erfüllt, können Beschäftigte eine dauerhafte Reduzierung der Arbeitszeit beantragen", erklärt Arbeitsrechtler Volker Görzel aus Köln gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
In Betrieben mit 46 bis 200 Mitarbeitern greift eine Quotenregelung: Pro 15 Beschäftigten muss der Arbeitgeber nur einen Antrag auf Brückenteilzeit genehmigen, also zum Beispiel vier Anträge in einem Betrieb mit 60 Angestellten (§ 8 TzBfG).
Der Arbeitgeber kann deinen Antrag auch ablehnen (§ 8 TzBfG). Allerdings nur bei schwerwiegenden betrieblichen Gründen, wenn die Organisation und der Arbeitsablauf im Betrieb dies nicht zulassen oder wesentlich beeinträchtigt werden. Entstehen der Firma unverhältnismäßig hohe Kosten, ist das auch ein Ablehnungsgrund. Reagiert der Arbeitgeber nicht innerhalb eines Monats, gilt der Antrag automatisch als genehmigt.
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