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Aktiv oder passiv investieren: Welche Strategie bringt mehr?


Autor: Elisabeth von Sydow

Deutschland, Dienstag, 25. August 2026

Aktiv oder passiv investieren? Welche Strategie bei Investition, Finanzen und Geld langfristig Vorteile bringen kann – und wo Risiken lauern.
Aktiv oder passiv investieren? Es gibt nicht die eine allgemeingültige Antwort.


  • Was unterscheidet aktives von passivem Investieren?
  • Warum schneiden passive Anlagen häufig besser ab?
  • Welche Vor- und Nachteile haben beide Strategien?
  • Welche Strategie passt zu dir?

Ob aktives oder passives Investieren langfristig mehr Rendite bringt, lässt sich nicht mit einem einzigen Satz beantworten. Für viele Privatanleger spielen hier verschiedene Faktoren mit rein. Entscheidend sind der Anlagehorizont, die Risikobereitschaft, das Wissen des Anlegers sowie der mögliche Zeitaufwand. Die beste Strategie ist deshalb nicht unbedingt diejenige mit der theoretisch höchsten Renditechance, sondern diejenige, die du diszipliniert und langfristig durchhalten kannst.

Was unterscheidet aktives von passivem Investieren?

Beim aktiven Investieren versuchst du, durch die gezielte Auswahl einzelner Aktien, Anleihen oder Fonds eine höhere Rendite als der Gesamtmarkt zu erzielen. Du analysierst Unternehmen, Branchen und wirtschaftliche Entwicklungen oder überlässt diese Aufgabe dem Management eines aktiv verwalteten Fonds. Dabei kannst du auf unterbewertete Wertpapiere setzen, Risiken gezielt reduzieren oder dein Portfolio an veränderte Marktbedingungen anpassen.

Beim passiven Investieren bildest du dagegen einen Markt möglichst vollständig ab. Ein ETF folgt beispielsweise einem Aktienindex und investiert dadurch automatisch in zahlreiche Unternehmen. Du versuchst nicht, die besten Einzeltitel oder den idealen Einstiegszeitpunkt zu finden, sondern setzt auf eine langfristige Entwicklung des gesamten Marktes.

Ein ETF ist allerdings nicht automatisch eine sichere Geldanlage. Das Risiko hängt davon ab, welcher Index oder welche Anlageklasse enthalten ist. Ein breit gestreuter Welt-ETF verteilt laut der Finanzaufsicht BaFin dein Geld auf viele Unternehmen, bleibt aber von allgemeinen Börsenrückgängen betroffen. Die BaFin weist deshalb darauf hin, dass ETFs zwar kostengünstig und flexibel sein können, aber dennoch dem jeweiligen Marktpreisrisiko unterliegen.

Warum schneiden passive Anlagen häufig besser ab?

Der wichtigste Vorteil passiver Anlagen sind die niedrigeren Kosten. Aktive Fonds müssen unter anderem Fondsmanager, Analysten und häufige Umschichtungen finanzieren. Diese Ausgaben werden aus dem Fondsvermögen bezahlt und schmälern deine Rendite jedes Jahr. Ein passiver ETF benötigt für die Nachbildung eines Index meist weniger laufenden Verwaltungsaufwand.

Untersuchungen zeigen laut dem US-Marktanalysten S&P Global, dass viele aktive Fonds ihre Vergleichsindizes langfristig nicht schlagen. Laut dem SPIVA-Europe-Bericht blieben bis Juni 2025 in zahlreichen europäischen Kategorien mehr als die Hälfte der aktiven Fonds hinter ihren Vergleichsmaßstäben zurück. In mehreren großen Aktienkategorien lag die langfristige Unterperformance über zehn Jahre sogar bei mehr als 90 Prozent.

Auch Morningstar kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Im europäischen Active/Passive Barometer für das erste Halbjahr 2025 lag die Erfolgsquote aktiver Aktienfonds in den untersuchten Kategorien bei rund 29 Prozent. Das bedeutet nicht, dass aktive Fonds grundsätzlich keine Chance haben, zeigt aber, wie schwierig es ist, den Markt nach Kosten dauerhaft zu übertreffen.

Welche Vor- und Nachteile haben beide Strategien?

Passives Investieren gilt als besonders einfach, kostengünstig und zeitsparend. Mit einem breit gestreuten ETF kannst du dich bereits mit kleinen Beträgen an vielen Unternehmen beteiligen und regelmäßig per Sparplan investieren. Du musst keine einzelnen Aktien auswählen und bist weniger versucht, auf kurzfristige Nachrichten oder fallende Kurse emotional zu reagieren. Die Deutsche Bundesbank nennt die kosteneffiziente Diversifikation als einen wichtigen Vorteil von ETFs, weist aber zugleich auf deren spezifische Risiken hin.

Aktives Investieren bietet dir mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Du kannst Unternehmen gezielt auswählen, bestimmte Branchen meiden oder versuchen, in schwachen Marktphasen Verluste zu begrenzen. Der Preis dafür sind jedoch mehr Zeitaufwand, höhere Kosten und ein größeres Risiko, mit einer falschen Entscheidung deutlich schlechter abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Bei Einzelaktien kommt außerdem das Unternehmensrisiko hinzu.

Passive Anlagen sind nicht in jeder Situation überlegen. In weniger beachteten Märkten, bei kleineren Unternehmen oder in bestimmten Anleihekategorien können aktive Fondsmanager eher Informationsvorteile nutzen. Morningstar sieht beispielsweise bei einigen Anleihe- und Schwellenländer-Kategorien bessere Chancen für aktive Fonds als bei großen Aktienmärkten. Eine erfolgreiche Auswahl bleibt jedoch schwierig und erfordert eine genaue Prüfung von Strategie, Kosten und langfristiger Leistung.

Welche Strategie passt zu dir?

Für viele Privatanleger ist ein passiver Ansatz die sinnvollere Grundlage, wenn sie langfristig Vermögen aufbauen und wenig Zeit für Marktanalysen aufbringen möchten. Ein breit gestreuter ETF kann dabei als Kern des Depots dienen. Wichtig sind ein langer Anlagehorizont, regelmäßiges Investieren und die Bereitschaft, vorübergehende Kursverluste auszuhalten.

Aktives Investieren kann zu dir passen, wenn du dich intensiv mit Unternehmen und Märkten beschäftigst, deine Entscheidungen nachvollziehbar begründen kannst und bereit bist, Anlagefehler zu akzeptieren. Kaufe einen aktiven Fonds jedoch nicht nur wegen seiner vergangenen Spitzenrendite. Prüfe auch die laufenden Kosten, den Vergleichsindex, das Risiko und die Beständigkeit der Ergebnisse.

Eine Kombination aus beiden Ansätzen kann ein guter Mittelweg sein. Du könntest den größten Teil deines Vermögens passiv und breit gestreut investieren und einen kleineren Anteil für ausgewählte Aktien oder aktive Fonds verwenden. Für die meisten langfristig orientierten Anleger lautet die pragmatische Antwort daher: passiv investieren als Basis, aktiv investieren als bewusste Ergänzung.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Wertpapierinvestments können zu Verlusten führen.