Wie hat sie reagiert?
Sie war klug genug, um zu verstehen: So wie es Tag und Nacht oder auch hell und dunkel gibt, existieren auch arm und reich. Wirklich frei ist man aber nur, wenn man mit beiden Ausprägungen friedvoll leben kann. Dazu muss man diese zunächst unliebsame Seite bewusst konfrontieren, also kennen lernen und somit schließlich lieben lernen. Die Klientin hat sich nun zur Aufgabe gemacht, das Saturn-Prinzip bewusst in ihr Leben zu integrieren, in dem sie sich die Chance gab, die Facetten wie Ernsthaftigkeit und Konzentration bewusst zu erfahren. So lernte sie auch die Vorzüge der Stille kennen und konnte ihre Umwelt nun viel wacher wahrnehmen. Ungeahnte Welten erschlossen sich ihr. Die Vorzüge von Reichtum und Überfluss kannte sie ja bereits.
Sie betonen immer den Begriff "bewusst".
Bei der Einlösung von Urprinzipien ist es egal, auf welche Ebene sie erfolgt. Wichtig ist allein das „wie“ im Sinne von „wie bewusst“. Die Prinzipien treten ohnehin in unser Leben ein und werden für uns erfahrbar. Lösen wir sie bewusst ein, wird daraus eine Erfahrung. Anderenfalls widerfährt uns nur etwas, es wird aber nicht zur Erfahrung und schwelt als Konflikt in uns weiter – mit allen unliebsamen Konsequenzen. Das ist wie mit einem Kollegen, den man zunächst nicht mochte. Hat man aber erst seine bislang unbekannten guten Seiten kennengelernt, freut man sich sogar auf ihn. Der Lohn ist echte Freiheit – statt Abhängigkeit von sogenannten äußeren Umständen.
Was sind das eigentlich für Leute, die eine Beratung in Anspruch nehmen?
Meine Klienten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, vom Studenten bis zum Unternehmer. Und der Anteil der Männer nimmt dabei weiter zu. Überhaupt öffnen sich immer mehr Menschen der Astrologie. Oftmals, weil sie auf allen anderen Wegen keine befriedigenden Resultate erzielt haben. Immerhin kann sich die seriöse Astrologie auf Jahrtausende altes, aus der Beobachtung gewonnenes Wissen berufen.
Welche Fragen werden Ihnen am häufigsten gestellt?
Die Liebe ist immer das Thema Nummer eins. Wann kommt endlich der Richtige, der mich wirklich liebt und versteht? Dazu kann ich natürlich Zeiten benennen, in denen ein Klient sehr wahrscheinlich einen Partner kennenlernt. Kurios ist: Selbst Frauen in offenbar harmonischen Beziehungen können der Frage nicht widerstehen, ob denn nicht doch noch mal ein anderer kommt. Geld und Beruf stehen an zweiter Stelle. Und dann gibt es die ewig junge Frage nach dem Lottogewinn.
Können Sie denn vorhersagen, wann gewonnen wird?
Natürlich ist es überhaupt kein Problem, Zeiten zu benennen, zu denen plötzliche Zugewinne im Glücksspiel begünstigt sind. Nur: Man muss auch in seiner Persönlichkeit den inneren Boden dafür bereiten, sonst würde man sein gewonnenes Geld schnell wieder verlieren. Es ist wie in der Landwirtschaft: Das beste Saatgut wird keine Ernte einbringen, wenn der Bauer den Acker zuvor nicht pflügt, wässert und düngt.
Ist Astrologie Wissenschaft?
Klares nein! Auch wenn mancher Astrologe mit diesem Begriff wirbt, weil er sich davon eine höhere Akzeptanz verspricht. Astrologie arbeitet mit Analogien und unterscheidet sich damit fundamental von der Wissenschaft, die kausal argumentiert. Doch beide Sichtweisen haben, ganz im Sinne der Polarität und zum Unbehagen der Wissenschaftler, ihre Berechtigung.
Lesen Sie eigentlich die typischen Horoskope in der Zeitung?
Selten. Und dann auch nur zur Unterhaltung. Diese Horoskope sind aber, sofern sie ein Astrologe geschrieben hat, meistens nicht falsch. Nur eben zu kurz, denn sie greifen nur das Sonnenzeichen eines Menschen auf. Doch niemand ist z.B. ein Steinbock in Reinkultur.
Wie reagieren Sie, wenn man Sie wegen Ihrer Tätigkeit als Spinner bezeichnet?
Gar nicht.
Wie meinen Sie das?
Kenntnisfreie Verunglimpfungen sind, genau wie liebevolle Dankesschreiben, Ausdruck der Polorität des Lebens. Beides gehört, wie z.B. Ebbe und Flut, untrennbar zusammen. Anders gesagt: Man kann das eine nicht ohne das andere haben.
Konnten Sie schon Kritiker überzeugen?
Ich dränge mich niemals auf. Seriöse Astrologie findet ganz von selbst ihre aufgeklärte Klientel. Wer aber grundsätzlich offen ist für eine andere Sichtweise auf das Leben, ist mir immer willkommen. Er muss jedoch damit rechnen, dass er sein Weltbild anschließend komplett überdenkt. Aber Leben bedeutet nun mal Bewegung. Und wahre Stärke zeigt sich durch Offenheit für Neues. Verschlossenheit hingegen deutet auf Unsicherheit hin.
Können Sie uns skizzieren, was uns in den nächsten Jahren erwartet?
Seit 2008, dem Beginn der Finanzkrise, befindet sich Pluto im Steinbock. Was wir seitdem erleben, ist ein Wandel in unserem Verhältnis zum Staat. Wir können immer weniger vom Staat erwarten, der sich zusehends mit seinen Leistungen zurückzieht. Zudem unterliegen vertraute Staats-Strukturen einem tiefgreifenden Wandel, denken Sie nur an die Europäische Union. Im Jahr 2023 trat Pluto ins Zeichen Wassermann. Wir werden dann mehr auf uns zurückgeworfen sein. Bestimmt organisieren wir uns stärker in kleinen Gruppen und agieren selbstständiger. In jedem Fall werden wir dann als Individuen stärker gefordert sein. Die persönliche Freiheit gepaart mit ausgeprägtem Sozialverhalten wird dann der Schlüssel zum Glück sein – und nicht mehr der fürsorgliche Staat.
Hat Deutschland eigentlich auch ein Horoskop?
Ja, und zwar ein sehr beachtliches. Zunächst ist festzustellen, dass die Gründerväter kaum einen besseren Zeitpunkt hätten festlegen können. Die ideale Verbindung von Sonne und Jupiter im Horoskop der Bundesrepublik Deutschland zeigt sowohl die große Wirtschaftskraft als auch das große Ansehen unseres Landes in der Welt an, welches der Aszendent mit Neptun und Venus in einer auf Ausgleich und Humanität gerichteten Außenpolitik zum Ausdruck bringt. Die Einbindung in werteorientierte und zugleich moderne Bündnisse ist ein Wesenszug unseres Landes. Der starke Außenhandel ist dabei ein Wesensmerkmal. Der Mond in Verbindung mit Venus und Merkur zeigt das arbeitssame, gebildete und wohlhabende Volk an.
Das klingt ja sehr gut. Gibt es denn auch Gefahren?
Ja, denn die Deutschen sind nach wie vor politisch verführbar. Auch ist der Militarismus latenter Bestandteil der deutschen Seele. Hinzu kommt die Neigung, sich im Kontext mit Partnern zu verschulden.
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