Kaiserslautern
Krebs-Forschung

Zuversicht in der Krebsforschung: Schwachstelle bei Krebszellen entdeckt

Wissenschaftler sind auf einen Mechanismus gestoßen, welcher die Ausbreitung von Krebszellen im menschlichen Körper verhindern kann. Damit rückt ein vielseitig einsetzbares Krebs-Medikament ein Stück näher.
 
Schwachstelle von Krebstumoren entdeckt
Ein Protein könnte die Schwachstelle zahlreicher Krebstumoren sein. Symbolbild: National Cancer Institute
  • Krebsforscher finden Schwachstelle
  • Protein soll Ausbreitung von Krebszellen stoppen
  • Entdeckung könnte großer Schritt in Richtung eines universellen Krebs-Medikaments sein

Forscher sind auf eine Schwachstelle gestoßen, die beinahe alle Krebsarten gemeinsam haben. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Technischen Universität 67653-Kaiserslautern (TUK) berichtet von einem universellen Schwachpunkt, der die Krebsforschung weit nach vorne bringen könnte. Im Fachmagazin nature veröffentlichten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse.

Krebsforschung: Protein soll Zellteilung verhindern

Zellen sind die Bausteine des menschlichen Körpers. Sie formen unser Gewebe und unsere Organe. Sie sorgen für Wachstum und Regeneration. Im Mittelpunkt steht dabei die Zellteilung. Doch auch bösartige Krebszellen benötigen die Zellteilung, um sich im menschlichen Körper auszubreiten.

Krebszellen unterscheiden sich von anderen Zellen durch eine auffällig hohe Chromosomenzahl. Während gesunde Körperzellen 46 Chromosomen enthalten, liegt die Chromosomenzahl bei Krebszellen zwischen 60 und 90. "Wir haben bei Krebszellen mit abnormaler Chromosomenzahl eine verwundbare Stelle gefunden", schreibt Studien-Co-Autorin Professorin Dr. Zuzana Storchová von der TUK.

Bei ihren Untersuchungen seien die Wissenschaftler nun auf ein Protein gestoßen, welches Krebszellen für bereits erwähnte Zellteilung benötigen. Fehlt dieses Protein, würden die Krebszellen größtenteils absterben. Mehr als 90 Prozent aller bekannten Tumorarten seien auf dieses Protein angewiesen, heißt es in der Studie.

Protein KIF18A: Der "heilige Gral" der Krebsforschung?

Das Forscherteam begann mit einem umfangreichen Experiment und untersuchte rund 1000 Zelllinien von Krebsbetroffenen sowie mehrere im Labor gezüchtete Modellkrebszellen. Dabei stach den Wissenschaftlern immer wieder das Protein KIF18A ins Auge. Es ist für Krebszellen von essenzieller Bedeutung und ist wichtiger Bestandteil der Mitose (Zellteilung), die bei der sogenannten Chromosomensegregation durchlaufen wird. Wird KIF18A blockiert, so bestünde eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Krebszellen bei der Zellteilung sterben würden. Warum genau dieser Effekt eintritt, ist bisher noch unklar. Die Forschenden vermuten, dass das Protein der teilenden Krebszelle dabei hilft, die überschüssigen Chromosomen unterzubringen.

Sollte der Mechanismus hinter dem Protein besser verstanden werden, könnte ein Molekül entwickelt werden, welches KIF18A von selbst oder die damit verbundenen Prozesse angreift. Damit wäre es eine Art "heiliger Gral" der Krebsforschung, schreibt der medizinische Diplom-Fachredakteur Volker Blasek. Man wäre der Entwicklung eines universellen Krebs-Medikaments einen großen Schritt näher. Weitere Erkenntnisse sollen in kommenden Studien folgen. 

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aa