Die meisten Menschen schlafen nachts ruhig in ihrem Bett. Es gibt aber auch Menschen, die nachts auf Wanderschaft gehen - mit offenen Augen, einem leeren Blick, aber trotzdem fest schlafend tun Schlafwandler oft unkontrollierte Dinge. Einige bleiben im Bett liegen, nesteln an der Bettdecke oder richten sich auf und reden, rufen oder schreien. Andere aber geistern durch die Wohnung, kochen oder putzen sogar. Das nächtliche Treiben kann dann auch sehr gefährlich werden, wenn die Betroffenen zum Beispiel versuchen, aus dem Fenster zu klettern, auf dem Hausdach spazieren gehen oder in ein Auto steigen.

In den meisten Fällen ist das Schlafwandeln nach wenigen Minuten auch wieder vorbei und die Betroffenen können sich am nächsten Morgen nicht mehr an die nächtlichen Aktivitäten erinnern. Doch warum schlafwandeln Menschen und was passiert dabei eigentlich?

Schlafwandeln zählt zu den Schlafstörungen

Schlafwandeln, Mondsüchtigkeit, Lunatismus, Nachtwandeln oder auch Somnambulismus - in der Schlafmedizin zählt das Schlafwandeln zu den Schlafstörungen - genauer gesagt zu den sogenannten "Parasomnien".

Laut dem medizinischen Nachschlagewerk MSD Manual werden unter den "Parasomnien" alle Auffälligkeiten im Verhalten oder im Befinden einer Person zusammengefasst, die beim Einschlafen, während des Schlafes oder beim Aufwachen auftreten. Das können zum Beispiel Zuckungen beim Einschlafen, Albträume, aber auch Aufwachstörungen sein.

Das Schlafwandeln gehört zu den Aufwachstörungen, bei der die Betroffenen nur halb erwachen und daraufhin für längere Zeit verwirrt sind und unkontrollierte Dinge tun.

Was passiert beim Schlafwandeln im Körper?

Man weiß bislang nur sehr wenig darüber, was genau im Körper beim Schlafwandeln passiert. Man kann aber davon ausgehen, dass eine fehlende Balance zwischen den verschiedenen Gehirnarealen, die für Schlafen, Wach-Sein und Motorik verantwortlich sind, besteht. 

Den Thriller 'Der Nachtwandler' von Sebastian Fitzek direkt auf Amazon bestellen

Des Vereins Psychotherapie e.V. zufolge findet das nächtliche Geistern etwa ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, also in der ersten Tiefschlafphase statt. In dieser Schlafphase besteht sowohl nur sehr wenig Gehirnaktivität, als auch eine sehr geringe Muskelspannung. Die geringe Hirnaktivität ist wohl verantwortlich für die meist automatisierten, gewohnten Bewegungen während des Schlafwandelns.

Es genügt ein simpler Reiz wie ein lautes Geräusch oder auch eine volle Blase, dass der oder die Betroffene nur halb oder teilweise auf dem Tiefschlaf erwacht. Dabei werden Schaltkreise des Gehirns aktiviert, die bestimmte Bewegungsabläufe steuern. Da aber das Großhirn, also das Zentrum des Bewusstseins, weiterhin ruht, führen die Schlafwandler deshalb ihre Handlungen unbewusst, unkontrolliert und automatisiert aus. Sie spüren dabei keine Reize, wie Schmerz oder Kälte und erkennen trotz geöffneter Augen keine Menschen um sie herum. 

Darum sollte man Schlafwandler nicht aufwecken

Ein Schlafwandler sollte auf keinen Fall aufgeweckt werden. Auch Augenkontakt sollte vermieden werden. Viele könnten nämlich verwirrt sein, aggressiv reagieren oder sich sehr erschrecken. Stattdessen sollte der Schlafwandler nicht angesprochen werden und vorsichtig in Richtung Bett begleitet werden, um die Unfallgefahr zu reduzieren.

Lesen Sie auch: Unnötige Wachmacher: Diese Lebensmitteln verhindern, dass Sie schlafen können

Da beim Nachtwandern das Bewusstsein und somit auch die Orientierung fehlt, kann es auch zu gefährlichen Situationen kommen. Deshalb sollten in der Wohnung bestimmte Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, damit sich Betroffene nicht verletzen.

Beispielsweise können Fenster und Türen vor dem Schlafengehen abgeschlossen werden. Auch Stolperfallen wie Teppiche sollten aus dem Weg geräumt werden und auch scharfe Kanten gepolstert und Glasgegenstände entfernt werden.

Die meisten Schlafwandler sind Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche sind am häufigsten vom Schlafwandeln betroffen. Focus Gesundheit berichtet, dass Schätzungen zufolge, etwa 30 Prozent aller Kinder - vor allem Jungen - zwischen vier und sechs Jahren schon einmal schlafgewandelt sind. Bis zur Pubertät sind 17 Prozent der Kinder Schlafwandler und unter Erwachsenen nur etwa 4 Prozent.

Einschlafhilfe 'White Noise' direkt auf Amazon bestellen

Der wahrscheinlichste Grund für das häufigere Auftreten im Kindesalter liegt wahrscheinlich im Reifezustand des zentralen Nervensystems. In den meisten Fällen verschwindet das Schlafwandeln nämlich im Erwachsenenalter von selbst.

Außerdem gibt es in etwa 50 Prozent der Fälle Hinweise auf eine Verbindung zwischen bestimmten Genen und dem Schlafwandeln. Auch eine familiäre Veranlagung für das nächtliche Wandern lässt sich beobachten. In Familien mit mindestens einem Schlafwandler, ist die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Fall um das Zehnfache höher, als in Familien ohne einen Schlafwandler. Das kindliche Risiko ebenfalls Schlafwandler zu werden, wenn beide Eltern betroffen sind, liegt bei rund 60 Prozent.

Die Mondsüchtigen

Im Volksmund wird das Schlafwandeln oft auch als "Mondsüchtigkeit" bezeichnet. Woher kommt dieser Begriff? Netdoktor.de zufolge bewegen sich die Schlafwandler in die Richtung einer Lichtquelle. Da früher lange Zeit der Mond in der Nacht die einzige Lichtquelle darstellte, glaubten die Menschen, dass sich die Schlafwandler dem Mond zuwenden - vor allem bei Vollmond. Daher stammt das gängige Bild von Schlafwandlern, die mit ausgestreckten Armen auf dem Dach balancieren und dem Mond entgegengehen.

Das könnte Sie auch interessieren: Diese Tipps helfen Ihnen bei Schlafstörungen

Tatsache ist aber auch, dass es sehr selten vorkommt, dass ein Schlafwandler auf ein Dach klettert, denn die sprichwörtliche "schlafwandlerische Sicherheit" trifft nicht auf das Balancieren zu. Schlafwandler bewegen sich in der Regel immer geradeaus, selbst dann, wenn der Weg zu Ende ist.

* Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach tollen Angeboten und nützlichen Produkten für unsere Leser – nach Dingen, die uns selbst begeistern und Schnäppchen, die zu gut sind, um sie links liegen zu lassen. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis.