• Blaulichtfilter werden benutzt, um die Augen vor Ermüdungen zu schützen, doch was bringen die Filter? 
  • Blaues Licht beeinflusst uns stärker als angenommen
  • Experten sind sich über die Auswirkungen von Blaulicht auf die Netzhaut einig

Im Alltag lässt sich der Kontakt mit sogenanntem "blauen Licht" so gut wie nicht mehr vermeiden. Egal ob Smartphones, Computerbildschirme, Laptops oder Fernseher, sie alle senden die blauen Lichtstrahlen aus. Das "blaue Licht" ist dabei so bekannt, dass zahlreiche Hersteller Produkte anbieten, die unsere Augen vor den Strahlen schützen sollen. Auch Smartphone-Hersteller liefern ihre Geräte seit mehreren Jahren mit einem integrierten "Blaulichtfilter" aus. 

Display: Der Blaulichtfilter hat keinen Effekt, laut aktueller Studie

Welche Auswirkungen das Licht tatsächlich auf unsere Augen hat, das haben nun Forschende der "Brigham-Young-Universität" in einer Studie untersucht. Damit konnten sie herausfinden, inwieweit Funktionen zur Reduzierung des blauen Lichts wie beispielsweise der von Apple groß angekündigte "Night Shift"-Modus die Schlafqualität verbessern, oder gar die Augen schonen kann. Das Ergebnis der Studie kam für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einigermaßen überraschend. Denn tatsächlich war etwa die "Night Shift"-Funktion überhaupt nicht hilfreich. Das Ergebnis der Studie bekräftigen auch die Expertinnen und Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). 

In der Studie der Forschenden aus der Brigham-Young-Universität konnte lediglich eine leichte Verbesserung der Schlafqualität bei denjenigen festgeststellt werden, die ihr Smartphone überhaupt nicht benutzten. Die Night-Shift-Funktion von Apple hatte jedoch keine signifikante Auswirkung. Zudem gab es bei einer Schlafdauer von weniger als 6,8 Stunden pro Nacht keinen Unterschied zwischen denjenigen, die ihr Smartphone benutzten, und denjenigen, die es nicht benutzten.

"Das deutet darauf hin, dass man, wenn man sehr müde ist, einschläft, egal was man kurz vor dem Schlafengehen gemacht hat. Der Schlafdruck ist dann so hoch, dass es keinen Einfluss darauf hat, was vor dem Schlafengehen passiert", sagte Chad Jensen, der bei der Studie mitgearbeitet hatte. 

Kognitive Funktionen wichtiger als blaues Licht für einen erholsamen Schlaf

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen dafür einem ganz anderen Phänomen auf die Spur. Laut der Untersuchung spiele es eine deutlich größere Rolle, wie stark die geistige Stimulation vor dem Schlafengehen sei. Teilnehmende der Studie, die vor dem Schlafengehen stärker in einer Aktivität mit dem Smartphone investiert waren, etwa einem Chat mit dem Partner oder der Partnerin, hatten danach größere Probleme einzuschlafen. Die Forschenden schließen daraus, dass es sinnvoller sei, auf die Smartphone-Nutzung vor dem zu Bett gehen zu verzichten. So könne die Schlafqualität verbessert werden.

Jensen erklärt die Auswirkungen von blauem Licht und möglichen anderen Gründen für Schlaflosigkeit: "Es gibt zwar viele Hinweise darauf, dass blaues Licht den Nutzenden wachhält und das Einschlafen erschwert, aber es ist wichtig, darüber nachzudenken, welchen Anteil daran tatsächlich das blaue Licht, und welchen Anteil kognitive und psychologische Reize haben." Außerdem konnten die Forschenden auch feststellen, dass Kontaktlinsen, die Blaulicht blockieren, nicht vor der Ermüdung der Augen bei der Bildschirmarbeit als Standardkontaktlinsen helfen können.

Trotz der Forschungsergebnisse halten es die Expertinnen und Experten für sinnvoll, die Helligkeit elektronischer Geräte vor dem zu Bett gehen zu reduzieren. Der Grund dafür liege in der Natur des blauen Lichts. Denn: Das blaue Licht ist Teil des sichtbaren Lichtspektrums – also das, was das menschliche Auge sehen kann. Das Licht schwingt im Bereich von 380 bis 500 Nanometern und hat die kürzeste Wellenlänge und die höchste Energie. Etwa ein Drittel des gesamten sichtbaren Lichts wird als hochenergetisches sichtbares oder "blaues" Licht bezeichnet. 

"Das Licht von Displays ist nicht stark genug, um Augen zu schädigen", so der Experte

Das Sonnenlicht ist die wichtigste Quelle für blaues Licht. Zu den künstlichen Quellen blauen Lichts gehören etwa Leuchtstoffröhren, Kompaktleuchtstofflampen, LEDs, LED-Flachbildfernseher, Computermonitore, Smartphones und Tablet-Bildschirme. Blaues Licht fördert die Konzentration, macht wach, unterstützt das Gedächtnis und die kognitiven Funktionen, hebt die Stimmung und kann helfen, den natürlichen Wach- und Schlafzyklus des Körpers, zu regulieren.

"Die Lichtstärke bei der Nutzung elektronischer Geräte ist jedoch viel zu gering, um Netzhautschäden an den Augen hervorzurufen", sagt Professor Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiburg. Das sei bereits an einem einfachen Vergleich wie den natürlichen Beleuchtungsstärken abzulesen. Das Licht unter freiem Himmel beträgt an bewölkten Tagen bei uns etwa 5.000 lux, an einem Sonnentag bis zu 100.000 lux. Ein Computerbildschirm, sehr hell eingestellt, bleibt in 50 cm Abstand jedoch unter 500 lux. "Auch wenn Kinder durch Corona-bedingten Fernunterricht stundenlang vor Bildschirmen sitzen, sind zumindest Blaulicht Augenschäden dadurch nicht zu befürchten", stellt der Sehforscher fest.

Wer aber trotzdem nicht auf die abendliche Lektüre auf dem Smartphone oder Tablet verzichten möchte, für den hat der Wissenschaftler einen einfachen, aber effektiven Tipp: "Wer vor dem Einschlafen auf einem elektronischen Gerät lesen möchte, sollte die maximale Helligkeit vermeiden – diese Empfehlung klingt trivial, ist aber sehr wichtig."

Fazit: Blaulichtfilter ohne Effekt - Stattdessen empfehlen die Experten und Expertinnen einen einfachen Trick, um die Schlafqualität zu verbessern

DOG-Präsident Professor Dr. med. Hagen Thieme findet es wichtig, die Forschungserkenntnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in die Öffentlichkeit zu tragen. "Sie dienen der Aufklärung und schützen Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführender Werbung und verunsichernden Falschmeldungen, die rein kommerzielle Interessen verfolgen", sagt der Direktor der Universitätsaugenklinik Magdeburg. Für einen guten Schlaf eignet sich also der Blaulichtfilter nicht wirklich. Stattdessen ist der Verzicht auf elektronische Geräte vor dem Einschlafen am effektivsten. Und wer doch nicht auf Tablet oder Smartphone verzichten kann, der solle die Helligkeit deutlich verringern