Nikotin und Alkohol - warum das zusammen passt:

Es gibt sie auf jeder Feier - die Partyraucher. Wer nicht sowieso zur dampfenden Balkon- und Terrassenfraktion gehört, ist häufig trotzdem dem sozialen Druck der "Partyzigarette" ausgeliefert, wenn er Alkohol getrunken hat. Doch ist das wirklich nur ein gesellschaftliches Phänomen oder handelt es sich dabei um einen körperlichen Prozess? inFranken.de schaut sich die Sache genauer an.

Zigaretten rauchen: Was steckt hinter der Party-Kippe?

Zuallererst: Rauchen schadet der Gesundheit! Das ist nichts Neues und verwundert kaum. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte erst im Sommer 2018 vor den Folgen des Tabakkonsums. Tabak verursache nicht nur Krebs, sonder breche auch buchstäblich Herzen, so WHO-Generaldirektor Adhanom Ghebreyesus gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur. Unabhängig von den Warnungen vor gesundheitlichen Schäden, raucht fast jeder dritte Mann und jede vierte Frau in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Deutschen Ärzteblatts.

Die Zahlen zeigen zwar das Ausmaß an Rauchern in Deutschland, können allerdings nicht aufschlüsseln, wer regelmäßig raucht und wer nur sporadisch zur Zigarette greift - beispielsweise auf Partys. Selbst bei Minusgraden versammeln sich Menschen auf den Balkonen und Terrassen der Republik, um ihre Atemwege mit nikotinhaltigem Rauch durchdringen zu lassen. Aber warum eigentlich?

Zum Einen handelt es sich bei der "Partyzigarette" um ein soziales Phänomen. Denn: Kaum jemand geht alleine raus zum Rauchen. In der qualmenden Runde werden Themen besprochen, die persönlicher Natur sind. In der Gruppe entwickelt sich ein Gemeinschaftsgefühl, der positiv im Gehirn gespeichert wird. Unter dem Einfluss von Alkohol kommt es zusätzlich zu heiterer Stimmung, Partygäste lachen zusammen und haben Spaß - das Glückshormon Dopamin wird ausgeschüttet.

Doch das Glückshormon spielt nicht nur im Zusammenhang mit Gruppendynamik eine entscheidende Rolle. Hinter der Partyzigarette steckt auch ein körperlicher Kontext. Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania haben Forschungen dazu angestellt. Herausgefunden haben sie Erstaunliches: Trinkt ein Partygast Alkohol, wird wie beim Rauchen das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet.

"Das Gehirn sendet ein belohnendes Signal, wenn wir etwas tun, dass unser Wohlsein fördert." - Dr. John A. Dani (Neurowissenschaftler, University of Pennsylvania)

Unser Gehirn erinnert sich, dass es noch weitere Aktivitäten gibt, die zur Ausschüttung führen und ebenfalls glücklich machen - Rauchen zum Beispiel. Und siehe da: Plötzlich steht man auf der Terrasse und hat eine Zigarette zwischen den Lippen. So ergibt sich, dass auch Menschen, die sonst nie zu Zigaretten greifen, im an- oder betrunkenen Zustand rauchen.

Zigaretten und Alkohol: Ein Glücksgefühl ohne Ende?

Die Dopamin-Kombination aus Zigaretten und Alkohol führt allerdings nicht zu einem endlosen Ausschütten von Glückshormonen. Das zeigen die Forschungsergebnisse aus den USA. Genau das Gegenteil ist der Fall: Auf das nächste Seidla oder Glas Wein folgt demnach die nächste Zigarette - und das Spiel geht von vorne los. Diesem Teufelskreis ist schwer zu entkommen. Diverse Forscher haben Suchterkrankungen bereits untersucht. Die Erkenntnisse werden auch von Wissenschaftlern der Universität Durham (Großbritannien) geteilt: Die Forscher fanden heraus, dass rund 90 Prozent aller Alkoholkranken ebenfalls nikotinsüchtig sind. Somit endet das Glückskarussell irgendwann - der Teufelskreis hingegen nicht!

Lesen Sie zusätzlich auf inFranken.de: Ein 33-jähriger Mann macht eine Zigarettenpause am Bahnhof. Plötzlich merkt er, dass sein Zug abfährt. Dann passiert etwas Kurioses: Zigarettenpause - Mann (33) fährt auf Zug-Kupplung durch NRW