• Was passiert nach einem Schlaganfall?
  • Wo finden Betroffene Rat und Hilfe?
  • Wie reagiert man als Angehöriger oder Freund?
  • Was kann das Umfeld tun?

Nach einem Schlaganfall ist das Leben meist komplett anders, als es vorher war. Je nachdem, wie stark die Einschränkungen und die Folgen sind, kann es das komplette Leben auf den Kopf stellen. Wie kannst du als Angehöriger oder Freund helfen oder unterstützen? Und wie sind die einzelnen Schritte nach dem Schlaganfall?

Wie geht es nach dem Schlaganfall weiter?

Generell gilt auch hier: Je früher die Versorgung erfolgt, desto höher ist die Chance, die möglichen Folgen zu minimieren. Denn jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Um die akute lebensbedrohliche Situation zu stabilisieren und zu verbessern, muss möglicherweise eine intensivmedizinische Versorgung erfolgen. Durchblutung und Stoffwechsel müssen stabil bleiben, dazu werden unter anderem die Herzfrequenz, der Blutdruck, die Körpertemperatur, Atmung, Blutzucker sowie die Nierenfunktion überwacht. Konkret heißt das: Man wird an diverse Überwachungsgeräte angeschlossen, die laufend Messungen vornehmen und vom Personal überwacht werden. Wurde ein Blutgerinnsel in einer Hirnarterie festgestellt, muss dieses so schnell wie möglich aufgelöst werden. Dies kann durch Infusionen geschehen, hierbei muss die Therapie innerhalb von 4,5 Stunden nach Auftreten der Symptome beginnen. Zuvor muss allerdings sichergestellt werden, dass keine Hirnblutung vorliegt. Eine andere Möglichkeit ist eine endovaskuläre Behandlung, bei der über einen Katheter eine Sonde zur verstopften Arterie geführt wird, dann wird das Medikament unverdünnt eingeleitet. Neuere Methoden entfernen das Gerinnsel mit speziellen Instrumenten. Ist eine Hirnblutung die Ursache, wird das umliegende Nervengewebe durch das zusätzliche Blutvolumen geschädigt. Hier ist eine Operation meist unumgänglich, um das zusätzliche Blut zu entfernen und den Riss in der Arterie zu verschließen.

Ist die lebensbedrohliche Situation abgewendet, beginnt schon die Planung der nun folgenden Reha-Maßnahmen. Nach einem Schlaganfall, egal wie schwer er war, bleiben die betroffenen Bereiche im Hirn dauerhaft geschädigt. Die Auswirkungen können dabei unterschiedlich sein. Häufig sind Lähmungen, Bewegungsstörungen, Sprachstörungen oder der Verlust von Merkfähigkeit die Folge.

Unter Umständen können aber andere Bereiche des Gehirns die Funktion der beschädigten Areale übernehmen und die verloren gegangenen Fähigkeiten können teilweise wieder hergestellt werden. Doch dazu ist ein intensives Training mit speziell dafür ausgebildeten Therapeuten notwendig. Hier ist es wichtig, dass der oder die Betroffene aktiv mitarbeitet. Im Normalfall werden solche Maßnahmen in einer Reha-Klinik begonnen. Auch hier gilt: Je eher damit begonnen wird, umso besser und umso höher die Chancen auf eine Besserung des Zustandes. Aber um es gleich zu sagen: Dieser Weg ist schwer. Und ein solches Training kann sich über Monate oder Jahre hinwegziehen. Doch die Rehabilitation ist ein essenzieller Bestandteil der Therapie. 

Was geschieht bei der Reha?

In der Regel wird zuerst eine stationäre Reha erfolgen. Im Allgemeinen wird sie zunächst vom Kostenträger für die Dauer von drei Wochen bewilligt, kann jedoch auf Antrag, sofern die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen dies befürworten, verlängert werden. Zu unterscheiden ist die neurologische und die geriatrische Rehabilitation. Die geriatrische Reha wird meist dann empfohlen, wenn der Gesundheitszustand sehr schlecht ist und/oder Vorerkrankungen vorliegen.

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Bei der neurologischen Reha erhalten Schlaganfallpatienten zumeist mehr Therapie-Einheiten, und sie ist in mehrere Phasen eingeteilt. Dazu zählt bereits die

  • Akutversorgung

im Krankenhaus. Daran schließt sich die

  • Frührehabilitation

an, mit ärztlichen und therapeutischen Schwerpunkten, zusätzlich mit aktivierender und stimulierender Pflege. Nach der Eingangsuntersuchung werden die Therapieziele definiert und ein Plan erstellt. Im Regelfall besteht der Plan aus:

  • Physiotherapie,
  • Ergotherapie,
  • Logopädie,
  • Diätberatung und
  • Neuropsychologie

In der nächsten Phase, der weiterführenden

  • Rehabilitation,

wird darauf hingearbeitet, dass die Betroffenen wieder mehr Selbstständigkeit erlangen. Ziel ist es, verloren gegangene Funktionen wiederherzustellen oder aber zu kompensieren. Ein Beispiel: Sollte die rechte Hand nicht mehr die normale Motorik aufweisen, wird die linke Hand trainiert, mehr Aufgaben zu übernehmen. Die weiteren Ziele richten sich nach den Maßgaben der Deutschen Rentenversicherung. Bestehende Behinderungen sollen gemindert werden, um den Betroffenen wieder den

  • Einstieg ins Berufsleben

zu ermöglichen. Dies soll in der nächsten Phase ermöglicht werden. Eine letzte Phase ist für all jene vorgesehen, die trotz intensiver Behandlung und Rehabilitation einen andauernden und hohen Pflegebedarf haben, also beispielsweise Komapatienten oder -patientinnen. 

Bei leichteren Fällen oder nach einer stationären Reha kann eine ambulante Reha infrage kommen. Diese findet in Reha-Einrichtungen oder Praxen mit entsprechender Zulassung statt. Hier werden Einzeltherapien vorgenommen, um die vorher festgelegten Ziele zu erreichen oder aber um eine Verschlimmerung bestimmter Funktionsausfälle zu vermeiden. 

Was bedeutet ein Schlaganfall für Familie und Freunde?

Denn mit einem Schlag ist alles anders. Nicht nur das Leben der Betroffenen ändert sich nach einem Schlaganfall. Auch für die Familien ändert sich womöglich viel. Doch wie kann man helfen oder unterstützen? Und wo findet man als Angehöriger Hilfe? Im schlimmsten Fall ist der oder die Betroffene ein Pflegefall und braucht Betreuung. Hier gilt es, so früh wie möglich Informationen einzuholen. Doch das ist ohne professionelle Hilfe im Paragrafendschungel des Gesundheitssystems oft kaum möglich. Es gilt, Fragen zu beantworten, die das gesamte Lebensumfeld betreffen. Hat der oder die Angehörige Anspruch auf einen Pflegegrad und einen Behindertenausweis? Ist es möglich, selber eine berufliche Auszeit zu nehmen? Müssen eventuell Umbauten an Wohnung oder Haus vorgenommen werden und woher kommt das Geld dafür? Wo ist ein guter Pflegedienst zu finden? Hier sind die Beratungsstellen der Städte, Gemeinden oder Wohlfahrtsverbände die ersten Ansprechpartner. Eventuell unterstützen dich auch Selbsthilfegruppen in sozialen Netzwerken, in denen sich über Erfahrungen ausgetauscht wird. Wichtig ist vor allen Dingen: Niemals abwimmeln lassen! Oft werden Anträge beim ersten Versuch abgelehnt. Oft werden die Umstände des Lebensumfeldes von Mitarbeitenden des Medizinischen Dienstes in Augenschein genommen. Hier werden sehr häufig aus falscher Scham Defizite oder Schwächen nicht so dargestellt, wie sie es in Wahrheit sind. Das führt möglicherweise zu einer falschen Einschätzung der Mitarbeitenden. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, einen Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen oder einen Rechtsbeistand einzuschalten. Eines ist aber mit Sicherheit zu sagen: Bis alles genehmigt ist, wird es eine Weile dauern. Und das kann durchaus an den Kräften zehren.

Nach Angaben der Hans-Böckler Stiftung wenden Angehörige bis zu 50 Stunden pro Woche für die Pflege auf.  Je nach Grad der Einschränkung kann dies auch noch mehr sein. Das ist eine enorme Belastung für die Pflegenden. Hier sind Auszeiten und Freiräume wichtig. Wie diese aussehen, das muss jede*r für sich ermitteln. Für die einen mag ein Kinobesuch ausreichen, andere ziehen einen Spieleabend vor oder Sport. Auch ein gelegentlicher Kurztrip kann hilfreich sein, doch dazu muss die Versorgung geklärt sein, eventuell mittels einer Kurzzeitpflege. 

Es ist durchaus legitim und nicht verwerflich, zuzugeben, wenn die Kräfte nicht mehr reichen. Vor allem dann, wenn keine Fortschritte erzielt werden. Hier ist es wichtig, sich dies selber einzugestehen und um Hilfe zu bitten. Wie diese aussieht, ist im Einzelfall zu entscheiden. Viele schämen sich, weil sie glauben, sie lassen die Betroffenen im Stich. Doch sollte hier eine Überlegung nicht außer Acht gelassen werden: Durch die Belastung mit Pflege, Beruf und eventuell noch Kindern ist die Gefahr gegeben, entweder einen Burn-out oder sogar selber einen Schlaganfall zu erleiden. Da hilft nur, früh genug gegenzusteuern.

Eigentherapie und Unterstützung durch Freunde

Die Reha ist beendet, die betroffene Person ist wieder zu Hause. Doch es gibt weiterhin Defizite. Diese können den Bewegungsapparat betroffen, sensorische oder motorische Fähigkeiten oder aber im geistigen Bereich liegen, hier zum Beispiel kann die Merkfähigkeit vermindert sein. Oft sind auch sprachliche Defizite bemerkbar. Zunächst einmal muss der betroffenen Person, aber auch dem Umfeld, klar sein, mit dem Ende der Reha ist die Arbeit also noch lange nicht zu Ende. Wichtig ist hier, dass der oder die Betroffene selber aktiv mitarbeitet. Dazu bedarf es allerdings häufig einer starken Motivation, die auch von außen erfolgen muss. Es ist für jemanden, der beispielsweise oft Wortfindungsstörungen hat, frustrierend, wenn er oder sie ein Wort nicht findet. Oder wenn die Hand nicht das tut, was sie tun soll. Hier helfen nur Training und Geduld. Und da kann jede*r mithelfen. Oft sind es einfache Dinge, die unterstützen und auf Dauer auch Erfolg zeigen:

  • Scrabble: Worte legen, nach Synonymen fragen. Dazu muss man nicht ein teures Spiel kaufen, es genügen auch selbst beschriftete Karten.
  • Memory-Spiele: Am Anfang mit einigen wenigen Karten beginnen, langsam steigern. Das hilft, die Merkfähigkeit wieder zu erhöhen. Es genügen hier oft einige Minuten, immer wieder über den Tag verteilt. So ist es für die Betroffenen nicht zu anstrengend und es stellen sich langsam Erfolge ein.
  • Puzzle legen: Mit einfachen Motiven und relativ wenigen Teilen beginnen. Dann langsam steigern. Mit der Zeit erhöht sich die Merkfähigkeit (wo liegt welches Teil, wohin gehört es), aber auch die Hand-Auge Koordination. Alternativ auch Malen nach Zahlen.
  • Kreuzworträtsel: Mit leichteren beginnen, dann steigern. Erhöht die Konzentrationsfähigkeit und die Wortfindung. Später dann vielleicht Sudoku oder Logik-Trainer. 
  • Übungen für das Gleichgewicht: Bei einem Spaziergang einen Kreidestrich aufzeichnen und darauf balancieren lassen. Aber dabei durchaus auch Hilfestellung geben. 
  • Fordern und Fördern: Egal, was man tut, es ist wichtig, den oder die Betroffenen zu fördern, aber auch zu fordern. Langsame Steigerung der Aufgaben, dabei ruhig Zeit lassen.
  • Treppen laufen: Dabei die Stufen zählen lassen und nach der Anzahl fragen.
  • Physiotherapeuten einbinden: Diese können wertvolle Tipps geben, um bei einer Störung der Motorik der Hand zu helfen, beispielsweise Knetgummifiguren erstellen usw.

Es gibt beinahe unendlich viele Möglichkeiten, hier Hilfe und Unterstützung zu leisten. 

Es wird allerdings immer wieder Tage geben, die scheinbar einen Rückschritt zeigen. Da ist das Frustpotenzial bei den Betroffenen, aber auch bei den Helfern, oft groß. Manchmal hilft bereits eine Auszeit oder eine andere Herangehensweise. Auch sind die aufgezeigten Möglichkeiten nicht auf jeden übertragbar. Da hilft nur ausprobieren, testen, nachfragen. Ein Schlaganfall verändert das Leben aller, die damit direkt oder indirekt in Berührung kommen. Das Leben wird in diesem Fall nach den Betroffenen neu ausgerichtet. Und jeder noch so kleine Erfolg ist ein Schritt nach vorne in eine neue Normalität. 

Hinweis: Die vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Eigentherapie basieren auf persönlichen Erfahrungen des Autors und erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit, noch basieren sie auf medizinischen oder physiotherapeutischen Therapien.

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