• Wissenswertes rund um den Menstruationsurlaub
  • Gründe für eine Einführung
  • Bedenkliche Aspekte des Menstruationsurlaubs

Was für uns vielleicht im ersten Moment unrealistisch wirkt, ist in anderen Ländern bereits umgesetzt worden: Ein gesetzlich festgelegter Urlaub, der Frauen, die unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, zusteht. In Deutschland ist ein solcher Urlaub noch nicht in Planung; dennoch ist es interessant, zu wissen, welche Vor- und Nachteile eine Rolle spielen.

Das steckt hinter dem Menstruationsurlaub

Grundsätzlich geht es beim Menstruationsurlaub um eine bezahlte oder unbezahlte Auszeit, welche die Frau rechtmäßig einmal im Monat für einen oder mehrere Tage in Anspruch nehmen darf. Es geht also nicht im klassischen Sinne um einen "Urlaub", sondern eher um Krankenstandstage, die einer Frau bei starken Regelschmerzen zustehen.

Viele Länder haben den sogenannten Menstruationsurlaub schon eingeführt. Allen voran ging Japan, wo bereits 1947 gesetzlich festgelegt wurde, dass Frauen bei Periodenschmerzen ganz ohne Beschämung Urlaub in Anspruch nehmen können. Konkrete Festlegungen der Dauer und der Bezahlung gibt es jedoch nicht. Weiter ging die Destigmatisierung in Indonesien, Taiwan, Südkorea und auch Spanien, wo der Menstruationsurlaub schon weitgehend eingeführt wurde. Auch in Italien liegt laut Washington Post bereits ein Entwurf für ein entsprechendes Gesetz vor, der es Frauen mit starken Menstruationsschmerzen ermöglicht, drei Tage im Monat freizunehmen; bisher wurde der Gesetzesentwurf jedoch noch nicht umgesetzt. In manchen privatwirtschaftlichen Unternehmen gibt es ebenfalls die Möglichkeit, bei Menstruationsschmerzen daheim zu bleiben. Ein globales Vorbild ist hierbei die Marke Nike: Seit 2007 ist eine rechtmäßige Freistellung für Frauen während ihrer Menstruation in den Richtlinien festgelegt.

Bisher gibt es in Deutschland noch keine größeren Diskussionen oder Initiativen. Ein "Menstruationsurlaub" ist in Deutschland also noch in weiter Ferne. Einen Schritt in diese Richtung machte die  Bundestagsabgeordnete  und Politikerin der Grünen Kirsten Kappert-Gonther: Sie fordert einen "Regel-Urlaub" für Frauen, die während ihrer Menstruation von starken Beschwerden geplagt werden und kaum arbeitsfähig sind. Wichtig ist für sie dabei, dass die Freistellung möglichst flexibel ist und für diejenigen eine Entlastung ist, welche direkt betroffen sind. Die Menstruation sollte kein Tabu-Thema sein, sondern ernst genommen werden.

Gründe für die Einführung des Menstruationsurlaubs

Viele Frauen leiden vor und während Ihrer Periode an einer Vielzahl an Beschwerden: Dazu gehören beispielsweise Bauchkrämpfe, Migräne, Rückenschmerzen oder auch Durchfall. Betroffen sind etwa 80 % der Frauen. Der Hormonhaushalt wird in dieser Zeit stark gefordert, was bedeutet, dass meist auch eine körperliche und geistige Erschöpfung mit einhergeht. Für viele Frauen ist es dann nur schwer möglich, sich zu konzentrieren und so leistungsfähig wie gewohnt zu sein, da sie sich vor Schmerzen kaum aufrichten können oder keine klaren Gedanken fassen können.

Auch das Krankheitsbild der Endometriose muss in diesem Zuge angesprochen werden, denn Betroffenen ist es während der Periode kaum möglich, einen normalen Alltag zu führen. Bei der Endometriose handelt es sich um eine Unterleibs-Erkrankung, die zu sehr starken Schmerzen führt: Sogenannte Endometriose-Herden wachsen in der ersten Hälfte des Monatszyklus heran und werden am Ende wieder abgestoßen. In manchen Fällen kann es aufgrund von Resten des abgelösten Gewebes im Körper sogar zu einer Bildung von Zysten oder Entzündungen kommen.

Für die Einführung des Menstruationsurlaubs spräche außerdem, dass die Produktivität gesteigert werden könnte: Die Auszeit sorgt dafür, dass die Frau sich erholen kann, und anschließend wieder wie gewohnt oder sogar noch motivierter an die Arbeit gehen kann. Eine Idee wäre zudem, es ähnlich wie in Spanien umzusetzen: Wird der Urlaub in Anspruch genommen, muss die verpasste Arbeitszeit aufgeholt werden; so entsteht auf beiden Seiten kein Nachteil.

Zuletzt sollten Regelschmerzen kein Anlass dafür sein, sich diverse Ausreden wie eine Magen-Darm-Grippe ausdenken zu müssen: Es ist wichtig, dass auch auf dem Arbeitsmarkt eine gewisse Toleranz und ein allgemeines Verständnis für die Problematik vorhanden ist. Ist dies nicht der Fall, kann es zu Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen kommen. Eine entsprechende Unterstützung und Akzeptanz kann hingegen sehr hilfreich sein.

Um arbeitsfähig zu sein, greifen Frauen oftmals während ihrer Tage auf Schmerzmittel zurück. Dürfen sie jedoch die Zeit nutzen, um sich zu regenerieren und sich zu entspannen, kann möglicherweise auf Schmerzmittel verzichtet werden und Stress reduziert werden. 

Kontra Menstruationsurlaub: Das spricht dagegen

Ein Thema hat selten nur eine gute Seite. Ebenso verhält es sich mit dem Menstruationsurlaub: Auch, wenn die Vorteile im ersten Moment zu überwiegen scheinen, sollten auch die Gegenargumente beleuchtet werden.

Es kann kritisiert werden, dass über die Arbeitsfähigkeit der Frauen überhaupt diskutiert wird. Der Vorwurf, dass Frauen grundlegend während der Periode unkonzentriert, impulsiv und emotional seien, ist im Sinne der Emanzipation verwerflich und kann als sexistisch ausgelegt werden. Inwiefern der "Sonderurlaub" mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu vereinbaren ist, ist fraglich. Das Gesetz fordert, dass niemand wegen seines Geschlechtes diskriminiert werden dürfe; für Männer könnte dies nun Anlass sein, sich ungerecht behandelt zu fühlen, wenn ihnen nicht derselbe Anspruch zusteht.

Ein weiterer Vorwurf ist, dass Frauen den Urlaub auch "ausnutzen" könnten; immerhin sei nur schlecht nachweisbar, dass sie sich wirklich aufgrund der Periodenschmerzen freinimmt. Aus Sicht des Arbeitgebers könnte der Menstruationsurlaub ein Grund sein, Frauen nicht so gerne einzustellen. Immerhin hätten diese dann Anspruch auf mehr freie Tage, sodass Frauen im Fazit höhere Lohnzahlungskosten bedeuten würden. Arbeitsrechtler argumentieren zudem, dass es sich in dem Sinne um keine "Erkrankung" handele; es sei also schwierig, den Fall rechtlich im Arbeitsgesetz durchzusetzen.

Wie genau sich das Thema des Menstruationsurlaubs in Deutschland weiter entwickeln wird, ist derzeit unklar; vermutet werden kann jedoch, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis Deutschland diesen Schritt in Angriff nimmt.

Interessant sein kann in diesem Zuge außerdem, ob und wie die Covid-Impfung den Menstruationszyklus beeinflusst.