• Wie wirken Magensäureblocker?
  • Wann werden Magensäureblocker eingesetzt?
  • Warum stehen Magensäureblocker so oft in der Kritik?
  • Hilfreiche Tipps gegen Sodbrennen 

Es gibt kaum ein Medikament, das in Deutschland so oft verschrieben wird wie Magensäureblocker. Eine Analyse der BARMER Krankenkasse zeigte, dass im Jahr 2019 Ärztinnen und Ärzte 12,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern mindestens einmal Magensäureblocker verordneten. Darunter waren 42.500 Kinder und Jugendliche. Doch ist das wirklich notwendig? Außerdem sind Magensäureblocker umstritten, weil sie mit verschiedenen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden. Eine Studie entdeckte zudem unlängst einen bisher unbekannten Zusammenhang.

Wie wirken Magensäureblocker?

Magensäureblocker werden fachsprachlich als Protonenpumpenhemmer oder Protonenpumpeninhibitoren (PPI) bezeichnet. Ihre Funktion ist, die Ausschüttung von Magensäure zu blockieren. Die komplizierte Bezeichnung erklärt sich, wenn man den Vorgang der Magensäureproduktion näher betrachtet.

In unserer Magenschleimhaut befinden sich bestimmte Zellen, die sogenannten Belegzellen. Ihre Aufgabe ist es, Protonen in den Magen zu pumpen. Im Gegenzug wird ein Kaliumion in die Zellen geschleust. Dieses System wird als Protonen-Kalium-Pumpe bezeichnet. Ein Proton ist ein positiv geladenes Teilchen (H+), welches sich im Magen zusammen mit Chlorid zu Salzsäure - unserer Magensäure - verbindet. Hier wird deutlich, dass ohne Protonen keine Magensäurebildung möglich wäre. Tritt vermehrt Sodbrennen auf und wird als Ursache ein Zuviel an Magensäure vermutet, kommen Protonenpumpeninhibitoren zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, das Pumpsystem zu blockieren, indem sie ein bestimmtes Enzym (H+/K+-ATPase) hemmen. Dadurch gelangen wesentlich weniger Protonen in den Magen und die Bildung von Salzsäure nimmt ab

Magensäureblocker wirken nicht direkt nach der Einnahme auf den Magen, sondern müssen erst einen Umweg nehmen. Über den Darm gelangen sie in den Blutkreislauf und werden hier zu den Belegzellen des Magens transportiert, wo sie ihre Wirkung als Blockade der Protonenpumpen entfalten. 

Wann werden Magensäureblocker eingesetzt?

Magensäureblocker gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Deutschland und kommen bei verschiedenen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zum Einsatz:

Daneben dienen Magensäureblocker auch als sogenannter "Magenschutz" bei der Einnahme bestimmter Medikamente, wie bei magenschädigenden Schmerzmitteln, den sogenannten Nichtsteroidalen Antirheumatika.

Kleinere Mengen sind nicht rezeptpflichtig

Magensäureblocker sind rezeptpflichtige Medikamente. Omeprazol und Pantoprazol sind jedoch in kleinen Mengen (7-14 Tabletten à 20 mg) zur Selbstmedikation in Apotheken erhältlich. Alle Substanzen haben ein ähnliches Wirkprinzip, sie wirken jedoch unterschiedlich lang und werden je nach Ursache der Beschwerden eingesetzt. Hier sollte vorab eine ärztliche Beratung erfolgen. 

Folgende Wirkstoffe werden häufig verwendet:

  • Omeprazol
  • Rabeprazol
  • Pantoprazol
  • Lansoprazol
  • Esomeprazol

So nimmst du Magensäureblocker richtig ein:

  • Nimm Magensäureblocker auf nüchternen Magen zu dir, weil dann die Wirkung am größten ist.
  • Wenn du eher tagsüber Beschwerden hast, solltest du die Medikamente am besten morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück einnehmen. Verlege die Einnahme auf den Abend - etwa eine halbe Stunde von dem Abendessen -, wenn du nachts Sodbrennen oder Magenschmerzen hast. 
  • Informiere dich vorab über mögliche Wechselwirkungen, wenn du noch weitere Medikamente einnimmst, da deren Wirkung herabgesetzt sein könnte.
  • Wenn du Magensäureblocker über einen längeren Zeitraum eingenommen hast, nimm eine ärztliche Beratung in Anspruch, da eine dauerhafte Reduktion der Magensäure auf Dauer viele Körperprozesse beeinträchtigen kann. Generell solltest du Magensäureblocker ohne ärztliche Beratung nicht länger als 14 Tage einnehmen. 
  • Setze Magensäureblocker nicht von einem Tag auf den anderen ab, sondern reduziere die Dosis nach und nach. Ansonsten kann es zu Sodbrennen und anderen säurebedingten Beschwerden kommen. Medizinisch wird dies als Säure-Rebound bezeichnet. Wichtig ist, die Tabletten nicht zu teilen, da viele Produkte mit einem säureresistenten Überzug ausgestattet sind. Diese würde sonst zerstört. Nutze stattdessen niedriger dosierte Tabletten.

Warum stehen Magensäureblocker so oft in der Kritik?

In der Regel werden Magensäureblocker gut vertragen und sind in der Akuttherapie bei säurebedingten Erkrankungen hilfreiche Medikamente. Sie können in manchen Fällen aber auch Nebenwirkungen hervorrufen. Hierzu zählen zum Beispiel Beschwerden im Magen-Darmbereich wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Vollegfühl. Aber auch Schwindel und Kopfschmerzen können auftreten. 

Bei einer langfristigen Einnahme kann der Magnesiumspiegel im Blut absinken (Hypomagnesiämie) und die Calciumaufnahme gestört sein. Letzteres kann eine Osteoporose verursachen. Daneben wurde in einer großen deutschen Studie ein um 44 % erhöhtes Demenzrisiko festgestellt. Entzündliche Nierenerkrankungen und ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 gehören zu den sehr seltenen Nebenwirkungen. Zudem bringt eine langfristige Unterdrückung der Magensäure weitere Probleme mit sich, da die wichtigen Funktionen der Magensäure nur in reduzierter Form stattfinden können. Es kann somit zu folgenden Begleiterscheinungen kommen:

  • Eisenmangel, da die Umwandlung von dreiwertigem Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln in zweiwertiges bioverfügbares Eisen beeinträchtigt ist.
  • Vitamin-B12-Mangel, da die Aufnahme von Vitamin B12 durch den Säuremangel behindert wird. Die Blutspiegel sollten aus dem Grund regelmäßig kontrolliert werden.
  • Erhöhte Gefahr für Magen-Darm-Infektionen, da Krankheitserregern nicht mehr effektiv vernichtet werden können.
  • Förderung von Nahrungsmittelallergien, da die Eiweißspaltung unvollständig abläuft. Die aktuelle Studie wird nachfolgend vorgestellt.

Zu diesem Schluss kommt eine wissenschaftliche Untersuchung aus Österreich. Die Forschenden werteten dazu Krankenkassen-Daten von über 8,2 Millionen Patient*innen aus, denen Magensäureblocker verschrieben wurden. Es stellte sich heraus, dass sie in den Folgejahren häufiger Medikamente gegen Allergien benötigten. Im Schnitt erhielten Patient*innen, die vorab Magensäureblocker erhielten, zweimal so oft Allergiemedikamente wie andere. Dabei waren Frauen und ältere Menschen häufiger betroffen. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass säureabhängige Enzyme nicht mehr so gut wirken können, wenn die Magensäure dauerhaft niedrig ist. Zudem fungiert die Magensäure auch als Barriere gegen Bakterien und andere Krankheitserreger. So könnten Allergene unverarbeitet in den Darm gelangen und dort Allergien auslösen. 

Hilfreiche Tipps gegen Sodbrennen 

Achte auf deine Ernährung und meide Genussgifte

  • Teile die tägliche Essensmenge auf fünf bis sechs Mahlzeiten auf. So wird weniger Druck auf den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre ausgeübt. Iss zudem langsam und kaue gut.
  • Achte darauf, welche Lebensmittel bei dir zu Sodbrennen führen und meide sie. Häufige "Säurelocker" sind zum Beispiel Schokolade, fettiges, frittiertes oder scharfes Essen, säurehaltige Lebensmittel, Zitrusfrüchte und Säfte, Tomaten oder kohlensäurehaltige Getränke.
  • Nimm keine großen Mahlzeiten kurz vor dem Schlafengehen ein.
  • Versuche, das Rauchen aufzugeben und
  • reduziere deinen Alkohol- und Koffeinkonsum, denn dadurch entspannt sich der Schließmuskel, der normalerweise die Magensäure am Zurückfließen hindert.

Reduziere Druck und Stress

  • Achte auf ein gesundes Gewicht, denn Übergewicht übt mehr Druck auf den Magenbereich aus.
  • Vermeide das Tragen von eng anliegender Kleidung oder Gürteln, denn auch hier wird zusätzlich Druck erzeugt.
  • Reduziere Stressauslöser, denn dadurch wird die Verdauungstätigkeit herabgesetzt, sodass sich auch der Magen weniger bewegt und die Magensäure sich auf dem Speisebrei absetzt. Von hier kann die Säure durch den leicht gärenden Mageninhalt in die Speiseröhre zurückgedrängt werden.

Passe deine Schlafposition an

Fazit

Magensäureblocker gehören zu den wirksamsten Medikamenten in der Therapie von säurebedingten Erkrankungen und stellen zum Beispiel bei der Refluxkrankheit und bei Magenenschleimhautentzündungen eine sehr hilfreiche Therapie dar. Wegen möglicher Nebenwirkungen sollten Magensäureblocker jedoch nicht inflationär eingesetzt werden. Das gilt zum Beispiel für Beschwerden wie Völlegefühl oder Übelkeit. Hier können Veränderungen im Ernährungsverhalten sowie das Anstreben eines gesunden Körpergewichts ebenfalls mögliche Optionen sein, die Beschwerden zu lindern. 

Magensäureblocker sind zwar in geringer Menge und Dosis in Apotheken rezeptfrei erhältlich, du solltest diese Medikamente jedoch nicht eigenmächtig über einen längeren Zeitraum einnehmen. Die dauerhafte Reduktion der Magensäure kann sonst schwerwiegende Mängel hervorrufen. Besprich die Symptome zuvor mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, insbesondere wenn du noch weitere Medikamente einnimmst oder an anderen Erkrankungen leidest.