• Häufigkeit von Lungenkrebs
  • Bisherige Forschungslage
  • Untersuchung der Forscher*innen
  • Zentrale Ergebnisse
  • Fazit

Lungenkrebs gehört zu einer der häufigsten Krebsarten. In der Medizin spricht man hier auch von einem Bronchialkarzinom. Ein Forscherteam hat sich genauer auf die Ursachen der Krebserkrankung fokussiert und neue Erkenntnisse erlangen können.

Daten rund um Lungenkrebs und die bisherige Forschung

Lungenkrebs ist keine Seltenheit. Jährlich erkranken in Deutschland rund 57.500 Menschen Lungenkrebs, davon rund 21.500 Frauen und 36.000 Männer. Lungenkrebs zählt bei Männern zur häufigsten Krebs-Todesursache: etwa 29.300 Männer sterben jedes Jahr daran. Bei Frauen sind es 16.500 Verstorbene jährlich, wodurch er hier zur zweithäufigste Krebs-Todesursache wird.

Es wird davon ausgegangen, dass Krebs da entstehen kann, wo es genetische Schäden in den Zellen gibt, die der Körper nicht mehr reparieren kann. Durch die Veränderung des Erbguts, auch Mutation genannt, teilen sich die Zellen des betroffenen Organs oder Gewebes unkontrolliert. Im Fall des Lungenkrebses ist das Gewebe an der Lunge betroffen. Daraus entsteht dann ein Tumor. Grundsätzlich können Tumore auch gutartig sein. In dem Fall zerstören sie das umliegende Gewebe nicht. Gutartige Tumore sind in der Lunge jedoch eher selten. Deutlich häufiger kommen bösartige Tumore vor, die in umliegendes Gewebe und Organe hineinwachsen und sie zerstören. Die Auslöser für die Erbgutveränderung können divers sein.

Einige Risikofaktoren sind bereits bekannt. Als die wichtigste Ursache für die Entstehung eines Lungenkrebses gilt das Rauchen. Doch nicht nur das aktive Rauchen, sondern auch das Passivrauchen steigert das Erkrankungsrisiko. Darüber hinaus könnten beispielsweise auf dem Arbeitsplatz krebserregende Substanzen wie Asbest, Arsen, Chrom, Nickel, Beryllium, Cadmium, aromatische Kohlenwasserstoffe oder Dieselabgase eingeatmet werden. Dieses Risiko betrifft dich insbesondere dann, wenn du in der metallverarbeitenden Industrie, der Kohlegasherstellung, in einer Gießerei oder der Gummiherstellung arbeitest. Als weitere Risikofaktoren werden eine hohe Schadstoffkonzentration in der Außenluft sowie chronische und langwierige Infektionen vermutet. Rauchen kann alle weiteren Risikofaktoren zusätzlich verstärken.

Forschungsziel und Methodik

Bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Benzin entstehen Abgase. Diese sind nicht nur schädlich für das Klima, sondern erhöhen das Lungenkrebsrisiko auch bei Nichtraucher*innen. An dem Punkt setzten Wissenschaftler*innen des Francis Crick Institute und des University College London an. Ziel der Untersuchungen war herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und der Luftverschmutzung durch Abgase, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen, besteht. Die Studie ist bisher noch nicht in einem Magazin erschienen, jedoch wurde sie bereits bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie vorgestellt.

Wie zuvor erläutert wird bisher angenommen, dass es durch den Risikofaktor entstehende Erbgutsmutationen sind, welche Krebs hervorrufen. Die Forscher*innen konnten jedoch anderes beobachten: Erstens können DNA-Mutationen auftreten, ohne, dass Krebs entsteht. Zweitens muss der Kontakt mit krebserregenden Stoffen aus Zigarettenrauch oder Abgasen keine Mutationen verursachen.

In ihrer Studie untersuchten die Forscher*innen Patientenakten, führten Tierversuche durch und entnahmen Proben. Insgesamt wurden die Akten von mehr als 460.000 Patient*innen aus England, Südkorea und Taiwan ausgewertet und analysiert. Das Ergebnis: Menschen, die einer Luftverschmutzung mit Feinstaub der Größe PM2,5 vermehrt ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko für die Mutation des Gens EGFR.

Erkenntnisse der Studie und eine neue Präventionsmaßnahme

Die Vermutung wurde in einem Versuch an Mäusen weiter untersucht. Im Labor konnte ebenfalls nachgewiesen werden, dass ein Kontakt mit Feinstaubpartikeln der Größe PM2,5 Veränderungen der Gene EGFR sowie KRAS bewirkt. Diese beiden Gene werden mit Lungenkrebs in Verbindung gebracht.

Anschließend wurden Proben bei gesunden Menschen genommen: Keiner der Probanden war einer Luftverschmutzung oder Tabakrauch ausgesetzt gewesen. Obwohl die Lunge gesund zu sein schien, lag bei 18 Prozent der Proben eine Mutation am EGFR-Gen und bei 33 Prozent eine am KRAS-Gen vor. Der Studienautor äußerte dazu, dass die Veränderungen einfach da seien und mit dem Alter zunehmen. Für sich genommen, würden sie aber noch keinen Krebs verursachen. Erst, wenn die von einer Mutation betroffenen Zelle nun einer Luftverschmutzung ausgesetzt ist, kann sich dort Krebs ausbilden.

Der neue Erklärungsansatz für die Entstehung von Lungenkrebs geht nicht ohne einen Ansatz für die Vermeidung der Erkrankung einher. Wie im Zuge des Mäuse-Experiments herausgefunden werden konnte, kann ein Antikörper den Krebs auslösenden Botenstoff Interleukin 1 beta stoppen. Nimmt man jetzt, etwa in Form einer Tablette, einen Antikörper ein, könnte man Krebs-Vorsorge leisten. Ein entsprechendes Medikament wurde jedoch noch nicht entwickelt und muss noch weiter erforscht werden.

Fazit

Zusammengefasst hat das Forschungsteam neue Erkenntnisse in die bisherige Krebsforschung gebracht. Für die Wissenschaft und die Gesellschaft ist dies ein großer Schritt hin zum Verstehen der komplexen Erkrankung.

Dabei liefern die Forscher*innen nicht nur einen Erklärungsansatz für die Entstehung des Lungenkrebses bei Nichtraucher*innen, sondern auch einen neuen Weg für die Prävention. Um die Erkenntnisse final zu bestätigen und ein Medikament zur Präventionsmaßnahme zu entwickeln, sind weitere Untersuchungen notwendig.

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