In den meisten Fällen verläuft eine Grippeerkrankung harmlos und ist oft innerhalt einiger Tage ohne ärztliche Hilfe überstanden. Trotzdem kann auch eine Grippe zum Tod führen. Das liegt meistens jedoch nicht am Influenzavirus selbst, sondern an einer sogenannten sekundären bakteriellen Lungenentzündung.

Bisher war es weitgehend unbekannt, warum Influenza-Infektionen zu einem erhöhten Risiko für eine bakterielle Lungenentzündung beitragen. Schwedische Forscher des Karolinska Instituts in Stockholm haben nun wichtige Erkenntnisse beschrieben, die zu sogenannten Superinfektionen führen. Die Studie, die erst vergangene Woche in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlicht wurde, kann auch zur Erforschung von Covid-19 beitragen.

Pneumokokken-Infektionen als weltweit führende Todesursache

Pneumokokken-Infektionen gelten als die häufigste Ursache für ambulant erworbene Lungenentzündungen - das berichtet das Karolinska Institut in einer Mitteilung. Somit sind sie eine der weltweit führenden Todesursachen.

Die Forscher identifizierten Influenza-induzierte Veränderungen in den unteren Atemwegen, die das Wachstum von Pneumokokken in der Lunge beeinflussen. Mithilfe eines Tiermodells konnten sie feststellen, dass dabei verschiedene Nährstoffe und Antioxidantien wie Vitamin C und andere normalerweise zellschützende Substanzen aus dem Blut austreten und so eine Umgebung in der Lunge schaffen, die das Wachstum der Bakterien begünstigt.

Die Bakterien erhöhen schließlich die Produktion des bakteriellen Enzyms HtrA und können sich so an die entzündliche Umgebung anpassen. HtrA schwächt das Immunsystem und fördert das Bakterienwachstum in den mit Influenza infizierten Atemwegen.

Neue Therapieansätze möglich

Die Ergebnisse der Studie können nun dazu verwendet werden, neue Therapien für Doppelinfektionen zwischen dem Influenzavirus und den Pneumokokken-Bakterien zu finden. Eine denkbar mögliche Strategie wäre beispielsweise die Verwendung von Proteaseinhibitoren, um das Wachstum von Pneumokokken in der Lunge zu verhindern.

Ob Corona-Erkrankte auch für solche sekundären bakteriellen Infektionen empfindlich sind, ist noch nicht belegt. Die schwedischen Forscher glauben jedoch, dass ähnliche Mechanismen bei schwerkranken Patienten gefunden werden könnten.