• Was passiert im Magen bei der Verdauung?
  • Mögliche Auslöser einer Magenschleimhautentzündung
  • Ernährungstipps bei Magenschleimhautentzündung

Vielleicht ist dir auch schon einmal etwas auf den Magen geschlagen und du hast Magenschmerzen, Sodbrennen oder ein Völlegefühl verspürt. Besonders Stress oder eine ungünstige Ernährung können eine Magenschleimhautentzündung hervorrufen und zu diesen Symptomen führen. Allerdings gibt es neben der akuten Gastritis, so der medizinische Begriff, auch drei verschiedene Formen der Magenschleimhautentzündung, die chronisch sind. Es gibt unterschiedliche Ursachen, aber auch Möglichkeiten, einer Magenschleimhautentzündung vorzubeugen oder die Symptome zu lindern

Was passiert im Magen?

Nachdem wir die Nahrung im Mund zerkleinert und eingespeichelt haben, rutscht der Speisebrei durch die Speiseröhre in den Magen und legt hier einen ersten Zwischenstopp ein. Dort angekommen werden die Nahrungsbestandteile weiter zerkleinert, hin- und herbewegt und kommen mit der aggressiven Magensäure und verschiedenen Enzymen in Kontakt. Dadurch wird Nahrungsbrei weiter verflüssigt. Die Magensäure setzt sich aus Wasser, Salzsäure, Enzymen, Muzinen (Schleimstoffe) und Bikarbonat zusammen. Insbesondere die Eiweiße (Proteine) werden im Magen durch das Verdauungsenzym Pepsin weiter aufgespalten, während Kohlenhydrate und Fette den Magen nahezu ungehindert passieren. Zusammengefasst sorgt die Magensäure für

  • ein saures Milieu im Magen (pH-Wert 1,0 bis 1,5 im nüchternen Zustand),
  • die Aktivierung des Enzym Pepsin aus der Vorstufe Pepsinogen für die Eiweißspaltung,
  • die Freisetzung von Eisen, Kalzium und Vitamin B12 aus der Nahrung und
  • die Abwehr von Krankheitserregern.

So wie der gesamte Verdauungstrakt ist auch der Magen mit einer Schleimhaut ausgestattet. Sie schützt die Magenwand vor der ätzenden Magensäure, von der die Magendrüsen täglich etwa drei bis vier Liter produzieren. Allerdings werden Salzsäure und die Enzymvorstufe Pepsinogen in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme gebildet, wohingegen Bikarbonat und Schleimstoffe kontinuierlich ausgeschüttet werden. Zum Schutz der Magenwand ist die Produktion der Schleimstoffe besonders wichtig, die zudem noch viel basisches Bikarbonat enthalten. Dieses neutralisiert die Magensäure, damit der Magen sich nicht "selbst verdaut". Daher ist es wichtig, dass die Magenschleimhaut intakt bleibt. 

Magenschleimhautentzündung - verschiedene Formen und Ursachen

Bei Schäden der Magenschleimhaut oder bei zu viel vorhandener Magensäure kann sich die Magenschleimhaut entzünden. Neben der akuten Magenschleimhautentzündung oder akuten Gastritis sind drei verschiedene Formen der chronischen Magenschleimhautentzündung oder chronischen Gastritis bekannt. Mögliche Auslöser einer akuten Gastritis können sein:

  • Nikotin, Alkohol, Kaffee, scharfes Essen im Übermaß
  • Lebensmittelvergiftungen durch Bakterien wie Staphylokokken oder Salmonellen 
  • Infektionen mit Bakterien, Viren, Schimmelpilzen
  • psychische oder physische Belastungen wie Angst, Stress, Unfälle, Depression, Angst
  • Medikamente, insbesondere Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen, vor allem in Kombination mit Kortison, außerdem nichtsteroidale Antirheumatika oder Immunsuppressiva
  • Reizungen durch mechanische Objekte wie eine Magensonde oder andere Fremdkörper
  • Verätzungen durch Laugen oder Säuren
  • "Läufer-Magen" oder "runners stomach" durch kohlehydratreiche Ernährung von Leistungssportlern in Verbindung mit großer körperlicher Anstrengung, die eine Übersäuerung des Magens hervorrufen kann
  • Strahlentherapie oder Chemotherapie

Chronische Typ-A-Gastritis (Autoimmun-Gastritis)

Hierbei handelt es sich um eine autoimmune chronische Magenschleimhautentzündung, bei der Antikörper des Immunsystems körpereigene Strukturen angreifen. Ziel der Attacke sind die Belegzellen des Magens, die in der Folge weniger Magensäure ausschütten. Als Gegenreaktion produziert der Körper mehr vom Hormon Gastrin, um die Magensäureproduktion wieder anzuregen. Dies fördert allerdings die Entstehung bestimmter Tumoren des Magen-Darm-Bereichs, die als Karzinoide bezeichnet werden. Andere Antikörper wiederum richten sich gegen ein bestimmtes Protein, den sogenannten Intrinsic Factor, der für die Aufnahme von Vitamin B12 wichtig ist und auch im Magen gebildet wird. Somit kann eine Vitamin-B12-Mangel-Anämie entstehen. Diese Form der Magenschleimhautentzündung tritt eher selten auf (etwa 5 % der Fälle), kann aber vererbt werden. 

Chronische Gastritis Typ B (Helicobacter-pylori-Gastritis)

Wesentlich häufiger (ca. 85 % der Fälle) tritt die chronische Typ-B-Gastritis auf. Auslöser ist der Magenkeim Helicobacter pylori, der sich aufgrund seiner spiraligen Form in die obersten Schichten der Magenschleimhaut einnisten kann. Hier kann der Keim jahrelang überleben, sich vermehren und die Magensäure in seiner direkten Umgebung neutralisieren. Dies kann zu Schäden in der Schleimschicht führen und Entzündungen begünstigen. Helicobacter pylori kann von Mund zu Mund oder fäkal-oral (Aufnahme verunreinigter Stoffe mit dem Mund) übertragen werden. 

Chronische Gastritis Typ C (chemisch bedingte Gastritis)

Die Aufnahme von chemischen Substanzen, zum Beispiel durch langfristige Einnahme bestimmter Medikamente (nichtsteroidaler Antirheumatika) sowie ein krankhafter Rückfluss von Gallenflüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm in den Magen können diese dritte Form der Magenschleimhautentzündung begünstigen. Diese macht etwa 10 bis 30 % der Fälle aus. 

Neben diesen sogenannten ABC-Magenschleimhautentzündungen sind weitere Sonderformen bekannt. Hierzu zählen die Crohn-Gastritis oder die seltene Riesenfaltengastritis (Morbus Mènètrier).

Symptome einer Magenschleimhautentzündung

Während eine akute Magenschleimhautentzündung teilweise starke Symptome auslösen kann, bleibt eine chronische Form meist unbemerkt und wird häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Aber auch bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung können die Symptome einer akuten Form auftreten. Bei einer Typ-A-Gastritis kann es zudem zu Müdigkeit, Schwäche und Kurzatmigkeit infolge einer Anämie kommen. Eine akute Gastritis kann zu folgenden Beschwerden führen:

  • Magenschmerzen, Sodbrennen, Aufstoßen
  • Völlegefühl, Druckgefühl im Oberbauch, Blähungen
  • Übelkeit, teilweise mit Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Blähbauch

Wichtig: Lass dich ärztlich untersuchen, wenn deine Beschwerden über längere Zeit anhalten und sich auch durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht verbessern. Insbesondere eine chronische Gastritis könnte zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen oder Mangelerscheinungen führen. Fachärzte und Fachärztinnen für Gastroenterologie sind hier die richtigen Ansprechpartner. 

Behandlung bei Magenschleimhautentzündung

Wurde eine Magenschleimhautentzündung festgestellt, zum Beispiel durch eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung oder eine Magenspiegelung, kommen je nach Ursache und Entzündungsgrad verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Betracht:

  • Bei einer akuten Gastritis wird häufig zu Schonkost, zum Beispiel mit Haferschleim und zum Verzicht auf Kaffee sowie fetthaltige und scharfe Speisen geraten. Es kann auch hilfreich sein, ein bis zwei Tage zu fasten oder nur sehr kleine Portionen zu essen. Sehr wichtig ist die Vermeidung von Stress und mehr Entspannung.
  • Halten die Beschwerden länger an oder sind sehr stark ausgeprägt, werden meist säurehemmende Medikamente verschrieben. Dazu zählen sogenannte Antazida, die die Magensäure neutralisieren oder Protonenpumpenhemmer (PPI) sowie H2-Rezeptor-Antagonisten, die die Magensäurebildung hemmen. 
  • Wurde die Entzündung durch das Bakterium Helicobacter-pylori-Infektion hervorgerufen, kommt eine Kombinationstherapie zum Einsatz, bei der Protonenpumpenhemmer mit zwei oder drei Antibiotika kombiniert werden. 
  • Sollten Schmerzmittel für die Beschwerden verantwortlich sein, sollte in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt auf andere Medikamente ausgewichen werden

Ernährungstipps bei Magenschleimhautentzündung

Zu den vorbeugenden Maßnahmen zählen:

  • Vermeide extremen psychischen und körperlichen Stress.
  • Sorge stattdessen für Entspannungspausen im Alltag und nutze Methoden wie Yoga oder Meditation. 
  • Verteile deine Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen, da sie die Magensäureproduktion weniger stark anregen.
  • Nimm dir Zeit für deine Mahlzeiten, iss langsam und kaue gründlich, damit die Verdauung für den weiteren Verdauungsprozess gut vorbereitet und der Magen dadurch entlastet wird.
  • Verzehre deine Mahlzeiten weder zu heiß noch zu kalt 

Achte bei deiner Ernährung hierauf:

  • Verfeinere deine Speisen mit frischen oder getrockneten Kräutern.
  • Vermeide scharfe Gewürze, sowie zu viel Salz und Zucker.
  • Verzichte auf sehr fettige, saure oder scharfe Speisen sowie stark Angebratenes, Geröstetes oder Frittiertes. 
  • Bevorzuge fettarme, eiweiß- und ballaststoffreiche Lebensmittel.
  • Trinke ausreichend, mindestens 1,5 Liter pro Tag.
  • Vermeide säurehaltige Fruchtsäfte, Kaffee und Alkohol.

Tipp: Auch nach Abklingen der Beschwerden, solltest du gut darauf achten, welche Lebensmittel bei dir zu einer Reizung der Magenschleimhaut führen. Auf diese solltest du dann dauerhaft verzichten oder sie nur selten verzehren. Das Fasten eignet sich sehr gut, um nach und nach wieder Lebensmittel "auszutesten" und auf Verträglichkeit zu prüfen.

Fazit

  • Eine Magenschleimhautentzündung, besonders die akute Form, kann starke Beschwerden hervorrufen. Die chronischen Gastritiden werden hingegen häufig nur durch Zufall entdeckt und rufen in den meisten Fällen nur wenige bis kaum Symptome hervor.
  • Treten die typischen Entzündungsschmerzen bei dir auf, kannst du zunächst mit der Umstellung deiner Lebens- und Ernährungsgewohnheiten oder mit ein paar Fastentagen versuchen, die Beschwerden zu lindern.
  • Wichtig ist, dass du auch nach Besserung der Beschwerden darauf achtest, ob Stress oder bestimmte Lebensmittel bei dir die Schmerzen erneut hervorrufen. Dann solltest du diese Lebensmittel dauerhaft von deinem Ernährungsplan streichen und für mehr Entspannung sorgen.
  • Halten die Schmerzen jedoch trotz der Umstellung an oder nehmen an Intensität zu, solltest du dich unbedingt fachärztlich untersuchen lassen, um Folgeerkrankungen und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Eine Magenschleimhautentzündung ist einfach zu diagnostizieren und meist gut behandelbar