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Bakterien

Legionellen-Gefahr: Darf man die Warmwasser-Temperatur wirklich von 60 auf 50 Grad senken?

Um Gas und Energie zu sparen, senken einige Hausbesitzer*innen die Warmwassertemperatur von 60 Grad auf 50 Grad Celsius. Expertinnen und Experten raten davon jedoch dringend ab.
Legionellen
Legionellenkeime sterben erst ab 60 Grad Celsius ab.
  • Um sich selbst vor Legionellen zu schützen, muss Warmwasser mindestens auf 60 Grad Celsius erhitzt werden
  • Vereinzelt senken Menschen die Temperatur ihres Warmwassers, um Energie zu sparen – entgegen der Empfehlung des Umweltbundesamtes.
  • Der Wasserdurchlauf hat ebenfalls Einfluss auf die Vermehrung der Legionellen

In Deutschland gilt die zweite Alarmstufe des Notfallplans Gas. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am 23. Juni 2022 mit. Die Versorgungssicherheit sei zwar weiterhin gewährleistet, die Lage jedoch angespannt. Sollte es zu einem Lieferstopp Russlands oder einer weiteren Verknappung der Energie kommen, könnte sogar die Notfallstufe ausgerufen werden. Daher sind Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Suche, ihren eigenen Energiebedarf an Gas zu reduzieren. Eine Möglichkeit: Die Temperatur des Warmwassers von 60 Grad auf 50 Grad zu senken. Expertinnen und Experten raten davon jedoch dringend ab. Das begünstige Legionellen-Wachstum.

Was sind Legionellen? 

Laut dem Umweltbundesamt handelt es sich bei Legionellen um „Bakterien, die natürlicherweise im Süßwasser vorkommen und sich in Warmwasser-Leitungen vermehren können“.

Der Name der Bakterien geht auf eine Serie von Erkrankungen in den USA in den späten 70er-Jahren zurück. Damals infizierten sich im Jahr 1976 in Philadelphia (USA) ehemalige Legionäre im Rahmen eines Veteranentreffens in einem Hotel mit den Bakterien. Sie atmeten Luft, die stark mit Legionellen belastet war, ein. Möglich machten dies Aerosole, also kleine Wassertropfen, die unter anderem beim Duschen entstehen. Gelangen die Bakterien so in die Lunge, führen sie zu Entzündungen.

Laut Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) fallen der Legionellose fünf bis neun Prozent aller Infizierten zum Opfer. Das entspricht mehreren Tausend Menschen jährlich. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Raucherinnen und Raucher.

Legionellen-Infektion am wahrscheinlichsten durch heiße Dusche oder Bad

Das Umweltbundesamt erklärt, dass im Gegensatz zu der Kontamination mit Aerosolen das Trinken von IegioneIIenhaItigem Wasser kein Grund für eine Infektion mit der sogenannten „Legionärskrankheit“ sein kann. Dies könne „ausgeschlossen“ werden. Auch eine Infektion durch andere Menschen sei bislang nicht beobachtet worden. Die größte Gefahr stellt also das Duschen oder Baden dar, sollten sich bereits Legionellen gebildet haben.

Laut RKI herrschen zwischen 25 und 45 Grad Celsius ideale Wachstumsbedingungen für Legionellen.  Befindet sich die Wassertemperatur jenseits der 55 Grad Celsius-Marke, ist das Legionellenwachstum gehemmt. Jenseits der 60 Grad-Marke sterben die Keime ab. Es sei zwar möglich, dass Legionellen auch in kaltem Wasser auftreten, jedoch könnten sie sich „bei Temperaturen unter 20 Grad nicht nennenswert vermehren“, heißt es seitens des RKI. Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (BLfU) bewegt sich die Durchschnittstemperatur des Grundwassers zwischen 10 und 15 Grad.

Das Umweltbundesamt warnt davor, die Temperatur von 60 Grad auf 55 Grad oder gar 50 Grad zu senken. „Sparen Sie nicht am falschen Ende. Sorgen Sie dafür, dass das warme Wasser überall im Leitungssystem immer eine Temperatur von mindestens 55 Grad Celsius hat. Nur so kann Legionellenwachstum sicher vermieden werden. Gesundheitlich riskant wäre es, hier Energie zu sparen“, heißt es in einer Mitteilung. Dem schließen sich das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Bayern (LGL), sowie der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) an. Alle halten fest: Wasser sollte, wenn es warm aus dem Hahn kommen sollte, mindestens auf 60 Grad Celsius erhitzt worden sein.

"Großanlagen" gesetzlich zur Überprüfung auf Legionellen verpflichtet

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt, auch tatsächlich eine Temperatur von 60 Grad Celsius hat. Standardmäßig hätten viele Haushalte einen „Verbrühschutz“. Damit werde automatisch Kaltwasser zugeführt, damit man sich nicht versehentlich verbrüht. Ob das Wasser auf 60 Grad Celsius erhitzt werde, müsse durch den Wohnungseigentümer überprüft werden. Bei sogenannten „Großanlagen“, also Gebäuden, die mehr als drei Familien beherbergen, herrschen im Gegensatz zu Ein- oder Zweifamilienhäusern verpflichtende Überprüfungsintervalle auf Legionellen.

Zum Teil gibt es gesetzliche Vorgaben. Laut Trinkwasserverordnung des Bundes muss die "Konzentrationen von Mikroorganismen, die das Trinkwasser verunreinigen oder seine Beschaffenheit nachteilig beeinflussen können. Sie müssen so niedrig gehalten werden, wie dies nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik mit vertretbarem Aufwand unter Berücksichtigung von Einzelfällen möglich ist".

Doch nicht nur die Temperatur ist für die Entstehung von Legionellen verantwortlich. Entschließt man sich Wasser zu sparen und an bestimmten Orten den Wasserhahn erst gar nicht mehr aufzudrehen, steigt das Keimrisiko ebenfalls. Sollte man tatsächlich einen Wasseranschluss nicht mehr benutzen wollen, müsse dieser zunächst fachkundig vom Wassersystem getrennt werden. Gebe es einen Wasseranschluss, der nicht genutzt werde, könne dies zur Folge haben, dass das Wasser dort längere Zeit „steht“ und so das Wassersystem des gesamten Hauses verunreinigt.