Foggia
Ärzte rätseln

Frau wachsen Haare im Mund und auf Zähnen: Ärzte stehen vor Rätsel

Viele Menschen haben Angst vor einem Besuch beim Zahnarzt. Schmerzende Zähne oder entzündetes Zahnfleisch waren für eine junge Frau jedoch nicht das Problem: Ihr wuchsen Haare im Mundraum und auf den Zähnen.
 
Der Fall einer jungen Frau stellte die Mediziner zunächst vor ein Rätsel. Jahre später war klar, um was es sich handelte. Symbolfoto: Vanessafrazao/pixabay.com
Der Fall einer jungen Frau stellte die Mediziner zunächst vor ein Rätsel. Jahre später war klar, um was es sich handelte. Symbolfoto: Vanessafrazao/pixabay.com

Dieser Fall stellt Mediziner vor ein Rätsel: Eine 19-jährige Frau bemerkt, dass ihr Haare im Mundraum wachsen. Sie sind wimperngroß und spitz. Sie lässt sich von Ärzten beraten, die Mediziner entfernen die Haare, die unter anderem auf den Zähnen zu finden sind. Ihr wird ein Hormonpräparat verschrieben: Dabei handelt es sich um eine Anti-Babypille, die den hormonellen Haushalt in ein Gleichgewicht versetzen soll.

Und siehe da: Die Pille wirkt. Die junge Frau bleibt jahrelang beschwerdefrei. Kein einziges Haar ist im Mund zu sehen - bis sie die Pille nach sechs Jahren absetzt. Die Haare kehren zurück.

Haare im Mund: Was steckt dahinter?

Dass die mittlerweile 25-Jährige das Medikament absetzt hat einen Grund. Kurze Zeit zuvor haben ihr Fachärzte eine seltene Krankheit diagnostiziert. Es handelt sich um ein "Polyzystisches Ovarsyndrom" - kurz: "PCOS". Angaben der "PCOS Selbsthilfe Deutschland" zufolge handelt es sich dabei um "eine Erkrankung, die bei etwa fünf bis zehn Prozent der geschlechtsreifen Frauen auftritt." Demnach tritt die Krankheit typischerweise in einem Alter zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr auf. "PCOS" ist eine Störung des hormonellen Haushaltes. Symptome dessen sind unter andrem Akne und eben verstärkter Haarwuchs, was Experten zufolge auch als "Hirsutismus" bezeichnet wird. Grund für den Wuchs der Haare ist ein Überfluss an männlichen Geschlechtshormonen im Blut der Betroffenen.

Die junge Betroffenen war auffällig behaart: Beispielsweise wuchsen der 25-Jährigen Haare am Kinn und im Nacken - und eben im Mund. Forscher der staatlichen Universität Foggia nahe der italienischen Hafenstadt Bari haben das Phänomen wissenschaftlich untersucht. Dem Medizinerteam um Khrystyna Zhurakivska zufolge, sei die Schleimhaut im Mundraum eng mit dem Gewebe verwandt, das in der Embryonal-Entwicklung für die Ausbildung der Haut verantwortlich ist. Die Wissenschaftler vermuten darin einen Zusammenhang und gehen davon aus, dass einzelne Haarzellen in diesem Prozess fehlerhaft aktiviert wurden. Eine abschließende Erklärung hat das Forscherteam jedoch bisher noch nicht veröffentlicht. Die finale Ursache sei "unklar", berichten sie im Fachjournal oooojournal.net.

Auch der Zusammenhang zur Einnahme der Anti-Babypille ist nicht hinreichend erforscht. Aus den Aufzeichnungen der Wissenschaftler geht lediglich hervor, dass dies eine sichtliche Minderung des Haarwuchses im Mundraum zur Folge hatte.

PCOS: Gibt es wirksame Therapien?

Aktuell ist "PCOS" unheilbar. Es existieren keine wirksamen Therapien dagegen. Wie es der jungen Frau heute geht, ist unklar. "Neue Therapiekonzepte sind in der Entwicklung", teilt die "PCOS Selbsthilfe Deutschland" mit. Die Vereinigung warnt Betroffene davor, leichtsinnig mit der Problematik umzugehen. Eine frühzeitige ärztliche Betreuung sei dringend notwendig, um "kardiovaskuläre Erkrankungen", wie beispielsweise Herzinfarkten oder Schlaganfälle vorzubeugen.

tu