Ist Grillen schlechter für die Umwelt als Autofahren? Ja, zumindest was die kurzzeitige Feinstaubbelastung angeht. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hervor (LfULG) hervor.

Über mehrere Wochenenden im Sommer 2021 haben Mitarbeitende des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) die Luftbelastung mit Feinstaubpartikeln und Ruß in Dresden und Leipzig gemessen. Mit mobilen Messsystemen in Rucksäcken liefen die Wissenschaftler*innen bestimmte Routen ab. Wie der Leiter des Projekts, Jens Voigtländer, im Gespräch mit dem MDR erklärte, wurden die Strecken bewusst so ausgewählt, dass sie durch ein "sehr heterogenes Gebiet" führen. "Wir sind entlang von Straßen gelaufen, durch Wohngebiete, durch Parks, durch ein vielfältiges Gebiet. Also es ging nicht darum, sich direkt neben einen Grill zu stellen."

Zu oft Grillen kann ungesund sein: Mehr Feinstaub als im dichten Straßenverkehr

Die Messungen sollten Aufschluss über zeitliche und räumliche Schwankungen der Luftqualität geben. Denn: Zuvor wurde beobachtet, dass an Freitagen und Samstagen in den Abendstunden - vor allem während der Sommerzeit - teils höhere Konzentrationen von Ruß sowie Feinstaub als zu den Hauptverkehrszeiten in der Luft lagen.

Und tatsächlich bestätigten die Messdaten die Vermutungen der Forschenden. Vor allem rund um Feiertage und andere freie Tage stieg die Feinstaubbelastung am Abend deutlich an. Dieser Anstieg ginge zudem meist von Orten aus, die in der Nähe von Gebieten liegen, an denen Freizeitaktivitäten stattfinden, zum Beispiel Parks oder Kleingärten, so Voigtländer.

Aber woher wissen die Forschenden überhaupt, dass die Luftverschmutzung durch Grillen entsteht? Dafür kamen kleine, mobile Filtersammler zum Einsatz, wie das LfULG mitteilte. Diese können eine bestimmte chemische Verbindung namens Levoglucosan bestimmen, die beim Verbrennen von Holz oder Holzkohle entsteht.

Erhöhte Feinstaubbelastung durch Grillen nur kurzfristig

"Diese Effekte, die wir dort sehen, sind nur sehr lokal und sehr kurzfristig", so Voigtländer. Die erhöhte Belastung ließe sich also am Abend nachweisen, aber am Tag danach nicht mehr. Wie stark die Feinstaubbelastung anstieg, hing zudem stark davon ab, wie oft und wie lange die Leute grillten. So erreichten die Messwerte zum Beispiel zeitweise Spitzenwerte an Tagen, an denen besonders schönes Wetter und Großveranstaltungen oder Festtage zusammenfielen. Dazu zählten etwa die Schuleinführung Anfang September und der Christopher Street Day. An kühleren Sommerabenden war der Anteil von Ruß und Staubpartikeln dagegen deutlich geringer.

Was bedeuten die Messergebnisse nun für uns? Zwar übersteigen die Feinstaubwerte durch Grillen zeitweise die Belastung durch dichten Straßenverkehr, eine wirkliche Bedrohung für die Umwelt besteht dadurch aber offenbar nicht. Der Effekt ist, wie die Untersuchung zeigt, nur zeitlich begrenzt. Auch Voigtländer betont: "Ich würde das gar nicht so sehr auf die Umwelt beziehen." Stattdessen solle sich vielleicht jeder fragen, ob es seiner Gesundheit zuträglich ist, wenn er oder sie ständig oder zu oft grillt. "Das macht durchaus mal Spaß, aber vielleicht muss es nicht jeden Tag sein, um sich auch selber keinen Schaden zuzufügen."

Auch die gesunde Ernährung bleibt beim Grillen manchmal auf der Strecke: Mit diesen Tipps klappt es trotzdem.