Menschen geben viel Geld für Diäten aus: Bücher, Videokurse, Ernährungspläne – alle locken mit verblüffend einfachen Konzepten und „Kilos, die im Nu purzeln“ sollen. Eine besonders beliebte Diät, die sich hartnäckig hält und einfache Abnehmerfolge verspricht, ist die sogenannte "Low-Carb-Diät". Diese verspricht, sofern man auf Kohlenhydrate weitestgehend verzichten kann, einen signifikanten Abnehmerfolg und einen deutlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Diäten.

Doch was schon in ersten Studien angedeutet wurde, ist jetzt noch deutlicher geworden: In einer neuen Studie zeigten Expertinnen und Experten auf, dass der „Übergesund-Mythos Low-Carb“ endgültig ad acta gelegt werden kann. Bei ihrer Suche nach wissenschaftlich nachweisbaren Belegen für die Wirksamkeit der Low-Carb-Diäten und die angeblich positiven Auswirkungen auf die Gesundheit konnten die Forschenden in 61 Studien mit rund 7000 Teilnehmenden „keinen relevanten Vorteil“ von Low-Carb-Diäten gegenüber anderen kalorienreduzierenden Diäten finden.

Low-Carb hat keinerlei Vorteile, meinen Wissenschafts-Experten

„Die Gewichtsabnahme von Menschen, die eine kohlenhydratarme Diät (Low-Carb-Diät) einhalten, unterscheidet sich kaum von der Gewichtsabnahme von Personen, die eine Diät mit ausgewogenen Kohlenhydraten einhalten“, schreibt die Erstautorin der Untersuchung, Celeste Naude, von der Stellenbosch University in Kapstadt.

Die Forschenden hatten die Diäten auch im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Veränderungen der Risiken für Herzkrankheiten und erhöhten des LDL-Cholesteringehalts (sogenanntes „ungesundes“ Cholesterin) in einer Zeitspanne von zwei Jahren beobachtet. Das Ergebnis: Es gab wenige, bis gar keine Unterschiede zwischen den Diäten. „Sowohl bei Patientinnen und Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes“, erklärte Naude.

Auch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) erklärte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung, dass Low-Carb weder die beste, noch die gesündeste Form einer Diät sei. Die DDG stellte fest: „Für Diabetiker gilt seit Dezember 2021 die Devise, dass sich Abnehmstrategien an individuellen Vorlieben ausrichten sollen. Unflexible Vorgaben, wie viel Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß zugeführt werden dürfen, sind überholt.“

Auch als Präventiv-Maßnahme ist "Low-Carb" keine Option

Das Ergebnis der Review war bereits im Vorfeld abzusehen. Bereits mehrere vergangene Studien aus den vorherigen Jahren brachten vergleichbare Ergebnisse hervor. Fast einstimmig lautete das Ergebnis: „Es gibt keinen Unterschied, ob mit Low-Carb oder High-Carb abgenommen wird.“ Auch in der randomisierten klinischen DIETFITS-Studie lautete die Erkenntnis: „Der Abspeckeffekt einer LC-Diät war bei den 609 übergewichtigen oder fettleibigen Probanden nach zwölf Monaten vergleichbar dem einer Low-Fat-Diät.“

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Auch im Hinblick auf Übergewicht und Diabetesprävention scheint die Low-Carb-Diät nicht wirklich geeignet. Die Forschungsgruppe der amerikanischen Herzkreislauf-Fachgesellschaft National Lipid Association (NLA) schrieb dazu bereits 2018 in einem Fachmagazin: „Basierend auf den überprüften Beweisen sind Diäten mit niedrigem und sehr niedrigem Kohlenhydratgehalt anderen Ernährungsansätzen zur Gewichtsreduktion nicht überlegen.“

In der Erklärung zu dieser Stellungnahme heißt es, dass nur wenige Daten zur langfristigen Wirksamkeit und Sicherheit vorliegen würden. Eine ähnliche Meinung vertreten auch amerikanische Forschende. „Ärzte werden aufgefordert, die in dieser wissenschaftlichen Stellungnahme erörterten Erkenntnisse zu berücksichtigen, wenn sie Patienten über Low-Carb-Diäten beraten.“

"Die Nebenwirkungen der Low-Carb-Diät werden erst jetzt publik", so der ehemalige DGE-Präsident

Professor Stefan Lorkowski, Leiter Biochemie der Ernährung von der Universität Jena, schrieb im Ärzteblatt „Es ist zwar attraktiv, aber naiv zu glauben, dass allein eine Änderung der Relation von Kohlenhydraten und Fetten ausreicht. Es kommt vielmehr auf deren ernährungsphysiologische Qualität und vor allem die Energiebilanz an.“

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Das sieht auch Professor Alfred Wirth so. Der ehemalige Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft erklärte: „Nahezu alle Untersuchungen zeigen, dass eine Low-Carb-Diät nicht überlegen ist und dass vor allem das Energiedefizit hinsichtlich der Gewichtsabnahme entscheidend ist.“ Beide Forscher kritisieren vor allem den Anstieg des LDL-Cholesterins bei Low-Carb-Diäten als gesundheitlich kritisch.

Der ehemalige Präsident der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Helmut Hesekers kritisierte schon 2019: „Die langjährige Verteufelung der Kohlenhydrate wird von Trendsettern plötzlich als großer Irrtum entlarvt. Atkins-, South-Beach-, Hollywood-Star-, Mayo-, Logi- sowie Paleo-Diäten – Evolution hin und Harvard her – werden nicht nur als wirkungslos entlarvt, schlimmer noch: Stattdessen werden lange übersehene oder geleugnete Nebenwirkungen wie Mundgeruch, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Kopfschmerzen in den Vordergrund gerückt.“

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