Alkohol: Die Lebenserwartung von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft steigt, denn wir sind medizinisch so gut versorgt wie nie zuvor. Doch auch wenn viele ältere Menschen heute deutlich aktiver und körperlich fitter sind als frühere Generationen, bleibt eines unumgänglich: Der Körper verändert sich. Das hat auch Auswirkungen darauf, wie er Alkohol verarbeitet. Woran liegt das und worauf sollten Sie achten? 

Anlässlich des "Tages der älteren Generation" am 1. Oktober, der auf die Situation und die Belange der älteren Generation aufmerksam machen soll, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einige Ratschläge für ältere Menschen im Bezug auf den Alkoholkonsum

Alkoholkonsum bei älteren Menschen wird oft unterschätzt

Ältere Menschen haben oftmals mehr Erfahrung mit Alkoholkonsum, was nicht bedeutet, dass sie vernünftiger konsumieren. Trinkgewohnheiten werden allzu oft nicht in Frage gestellt - Nicht von einem selbst und auch nicht vom Umfeld. Doch gerade im Alter ist übermäßiger Alkoholkonsum nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Mit steigendem Alter unterscheidet sich die Reaktion Ihres Körpers auf Alkohol vom bisher bekannten Muster. So können zum Beispiel die Körperzellen Wasser nicht mehr so gut speichern wie früher. Der Flüssigkeitshaushalt des Körpers sinkt. Das wiederum hat zur Folge, dass dieselbe Menge getrunkenen Alkohols jetzt zu einer höheren Blutalkoholkonzentration führt. Zudem baut die Leber den Alkohol nicht mehr so gut ab wie früher. Deshalb gilt: Wenn Sie beispielsweise als Frau mehr als 0,3 Liter Bier oder als Mann mehr als 0,6 Liter Bier pro Tag trinken, bewegen Sie sich also bereits in einem gesundheitlich riskanten Bereich.

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Bei älteren Menschen, die Alkohol in einem riskanten Maße konsumieren, unterscheidet man zwei Gruppen. Die erste und größere Gruppe besteht aus Menschen, die bereits seit Jahren ein Alkoholproblem haben. Hier ist das Gesundheitsrisiko besonders hoch. Zur zweiten Gruppe gehören Menschen, die erst recht spät angefangen haben, Alkohol in einem riskanten Maße zu trinken. Die Ursachen hierfür können sehr vielschichtig sein. Mögliche Gründe für einen gefährlichen Alkoholkonsum im Alter sind oftmals kritische Lebensphasen wie zum Beispiel der Renteneintritt, reduzierte soziale Kontakte, finanzielle Probleme oder der Verlust des Lebenspartners, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Oftmals schleichen sich gewisse Trink-Gewohnheiten ein, wie der Verdauungsschnaps, das Feierabendbier oder das tägliche Glas Wein. Doch manchmal bleibt es nicht dabei. Wenn regelmäßig Alkohol in größeren Mengen getrunken wird, kann es riskant werden. Das gilt nicht nur für ältere Menschen! Bei älteren Menschen wird es allerdings oft nicht wahrgenommen, wenn sie Alkohol in einem riskanten Umfang konsumieren. Das hat verschiedene Gründe. Sei es beispielsweise, weil das riskante Trinkverhalten von Angehörigen und anderen Menschen in ihrem Umfeld stillschweigend hingenommen wird oder weil Folgeschäden fälschlicherweise auf das Alter geschoben werden.

Die Gefahr des Alkohols im Alter

Bei älteren Menschen können schon geringere Mengen alkoholischer Getränke zu unerwünschten Wirkungen führen. Hinzu kommen mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Alkoholkonsum kann außerdem gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Osteoporose, Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfall, Gedächtnisverlust und Stimmungslabilität weiter verschlechtern, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Tages der älteren Menschen.

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Prof. Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA: „Alkoholkonsum birgt in jedem Alter Gefahren. Bei älteren Menschen zeigen sie ein besonderes Spektrum: Alkoholkonsum kann zum Beispiel das Risiko für Stürze und andere Unfälle erhöhen, da das Gleichgewicht und die Reaktionszeit beeinträchtigt werden. Diese Effekte können bei älteren Menschen auch bei geringen konsumierten Mengen auftreten. Wird Alkohol über einen längeren Zeitraum in größeren Mengen konsumiert, steigt das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Außerdem werden der Magendarmtrakt, die Leber und spezifische Gehirnfunktionen beeinträchtigt. Bei älteren Menschen kann zudem der Abbau des Alkohols durch die Leber verzögert sein. Zuvor ‚gut vertragene‘ Mengen können daher mit steigendem Lebensalter stärkere Wirkung zeigen. Ältere Menschen sollten Alkohol aus diesen Gründen besonders zurückhaltend konsumieren.“  

Die Webseite der BZgA-Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ informiert ältere Menschen, ihre Angehörigen sowie Fachkräfte zum Thema Alkoholkonsum im Alter. Daneben finden sich praktische Hinweise, wie der Alkoholkonsum reduziert werden kann und wo Betroffene Beratung und Hilfe finden können.