• Corona-Impfstoff Novavax: Tausende Menschen bekommen den Impfstatus nicht anerkannt 
  • Bereits 200 Millionen Dosen wurden von der EU gekauft 
  • Der Hersteller will nun eine Notfallzulassung beantragen 
  • Was macht das Vakzin so besonders?

Wer sich impfen lässt, gilt als geimpft - diese Aussage gilt nun nicht mehr für die Freiwilligen, welche sich mit dem Vakzin von Novavax geimpft hatten. Einer Mitteilung der deutschen Presseagentur (dpa) zufolge können Tausende Teilnehmende eines Impfstofftests in Großbritannien ihren Status als Geimpfte nicht nachweisen, da das Vakzin in Großbritannien noch nicht zugelassen ist. Somit entfällt für diese Menschen auch die Reisefreiheit. 

Der Frust bei den Freiwilligen in Großbritannien wächst - Unruhe entsteht 

Der Zustand sorgt in Großbritannien für Proteste. In einer Petition wird nun Gesundheitsminister Sajid Javid zur Unterstützung aufgefordert. Die Freiwilligen reagieren teilweise mehr als empört. Eine von ihnen sagte laut dpa: "Ich wollte meinen Beitrag zum Kampf gegen Corona leisten, aber ich fühle mich vom System völlig betrogen und hocke nun ohne Impfstatus in der Falle." Dass zuvor versichert worden sei, dass durch die Tests keinerlei Nachteile entstünden, irritiert sie stark: "Es ist unglaublich stressig, und ich fühle mich wie eine Gefangene".

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Die britische Regierung sowie das Unternehmen Novavax sind bemüht, eine Lösung für den Zustand zu finden. Während Erstere erneut die Wichtigkeit der Impfstofftest betonte, versichert eine Pressesprecherin von Novavax, dass diese bereits in Gesprächen mit den Zulassungsbehörden wären. Am 24. September gab das Unternehmen bekannt, dass es einen Antrag auf Notfallzulassung bei der WHO gestellt habe. Der Antrag basiert laut Mitteilung von Novavax auf dem früheren Antrag der Unternehmen Novavax und Serum Institute of India an den Drugs Controller General of India (DCGI). 

"Die heutige Beantragung einer EUL unseres proteinbasierten COVID-19-Impfstoffs bei der WHO ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einem schnelleren Zugang und einer gerechteren Verteilung an bedürftige Länder auf der ganzen Welt", erläuterte Stanley C. Erck, Präsident und Chief Executive Officer von Novavax. "Er stellt einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Novavax zu einem kommerziellen, globalen Impfstoffunternehmen dar und unterstreicht den Wert globaler Zusammenarbeit und die Notwendigkeit verschiedener Ansätze zur Bekämpfung der Pandemie."

Die Erteilung der Notfallzulassung durch die WHO ist eine Voraussetzung für die Ausfuhr in zahlreiche Länder, die an der COVAX-Fazilität teilnehmen, die eingerichtet wurde, um Impfstoffe gerecht auf die teilnehmenden Länder und Volkswirtschaften aufzuteilen und zu verteilen. SII und Novavax haben nun, zusätzlich zu dem Antrag bei der WHO, alle Module eingereicht, die von den Zulassungsbehörden in Indien, Indonesien und auf den Philippinen für die Einleitung der Prüfung des Impfstoffs benötigt werden, einschließlich präklinischer und klinischer Daten sowie Daten zu Chemie, Herstellung und Kontrollen. Anfang August hatte sich die Europäische Union bereits bis zu 200 Millionen Dosen Novavax  bis 2023 gesichert. Doch was macht den Impfstoff so besonders?

Was macht Novavax so besonders? 

Bislang sind in Deutschland vier Impfstoffe zugelassen: die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer, sowie die beiden Vektorimpfstoffe von Johnson&Johnson und Astrazeneca. Das Vakzin des US-amerikanischen Unternehmens Novavax ist keines von beiden, sondern könnte in der EU der erste zugelassene Corona-Impfstoff auf Protein-Basis sein. Was bedeutet das?

Wie die Apotheken Umschau erklärt, enthält das Präparat "winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen." Der menschliche Körper muss das Spike-Protein also nicht selbst herstellen, wie es bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna der Fall ist. Diese Phase wird mit einem Protein-Impfstoff "übersprungen".

Um eine Reaktion des Immunsystems zu erzeugen, wird dem künstlichen Spike-Protein ein Wirkverstärker - ein Adjuvans - hinzugefügt. Dieser Stoff sorgt dafür, dass das Immunsystem überhaupt erst aktiviert wird.

EU wartet noch auf Zulassung - obwohl er als höchst effektiv gilt 

Das Prinzip ist keinesfalls neu und hat sich schon bei  Grippeimpfungen bewährt. Ein weiterer Vorteil des Vakzins "NVX-CoV2373" ist, dass es bei Kühlschranktemperaturen lagerbar ist. Das macht den Transport einfacher und günstiger, weswegen sich der Impfstoff auch gut für einen Einsatz in weniger wohlhabenden Ländern eignet. Auch die Wirksamkeit des Impfstoffes ist ersten Ergebnissen zufolge hoch. Die Phase-3-Studie zur Zulassung des Impfstoffes ergab eine Wirksamkeit von 90,4 Prozent. Vor mittelschweren und schweren Krankheitsverläufen schütze es sogar zu 100 Prozent. Als Impfreaktionen werden teilweise Schmerzen an der Einstichstelle, sowie Müdigkeit oder Kopf- und Muskelschmerzen genannt.

Zudem hat sich das Vakzin, welches zweimal gespritzt werden muss,  auch bereits gegen Corona-Varianten bewährt. Eine Studie aus Großbritannien mit rund 15.000 Probanden zeigte "eine Gesamtwirksamkeit von 89,7 Prozent und eine Wirksamkeit von mehr als 96 Prozent gegen den ursprünglichen Virusstamm", schreibt der Bayerische Rundfunk

Die EU wartet nun auf eine Antragstellung auf Zulassung. Der Hersteller kündigte an, diese noch im vierten Quartal dieses Jahres einzureichen. Anfang August hat sich die Europäische Kommission bereits Zugriff auf bis zu 200 Millionen Impfdosen bis zum Jahr 2023 gesichert. 

Von der Leyen über Novavax: "Absicherung zum Schutz unserer Bevölkerung"

"Da sich neue Coronavirus-Varianten in Europa und weltweit ausbreiten, ist dieser neue Vertrag mit einem Unternehmen, das seinen Impfstoff bereits erfolgreich an diesen Varianten testet, eine weitere Absicherung zum Schutz unserer Bevölkerung", erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und fügt an: "Er stärkt zusätzlich unser breites Impfstoffportfolio zum Nutzen der Menschen in Europa und unserer Partner weltweit."

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