"Wein auf Bier, das rat ich dir" und "Bier auf Wein, das lass sein" - was hat es mit solchen Aussagen über Alkohol auf sich? Kai Hensel hat sich diese Frage gestellt. Er und weitere Wissenschaftler haben hierzu die Ergebnisse einer Studie im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.

Hinter ihrem Forschungsinteresse verbargen sich Fragen, wie...

  • Wie lässt sich ein Kater am besten messen?
  • Wie stark müssen sich die Teilnehmer betrinken, damit die Studie aussagekräftige Ergebnisse liefert?
  • Welche Faktoren beeinflussen den Kater und müssen berücksichtigt werden?

 

Zusätzlich sollte sichergestellt werden, dass bei der Studie niemand zu Schaden kommt. "Einmal im Leben wollte ich eine Studie durchführen, die einfach nur Spaß macht - und gleichzeitig wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, absolut wasserdicht", so Hensel gegenüber dem Spiegel. Allein die Planung der Studie habe zwei Jahre gedauert. Die größte Hürde der Studie sei allerdings die Ethikkomission der Universität Witten/Herdecke (Nordrhein-Westfalen).

Hensel überzeugte die Komission mit plausiblen Argumenten: "Fast alle Studien beschäftigen sich nur mit den langfristigen Auswirkungen von Alkoholkonsum", sagte Hensel im Spiegel-Interview. Das Phänomen, dass verkaterte Menschen durch Unfälle und Arbeitsunfälle hohe gesellschaftliche Kosten verursachen, sei allerdings noch kaum erforscht.

Die Studie: Ähnliches Trinkverhalten bei Probanden

Rund 100 Probanden wurden rekrutiert. Die Freiwilligen waren alle gesund, zwischen 19 und 40 Jahre alt und tranken gerne Bier oder Wein. Sie wurden in drei Gruppen unterteilt:

  • 1. Gruppe: Die erste Gruppe trank am ersten Versuchsabend zuerst Bier und dann Weißwein - bis jeder der Gruppe einen Promillewert von 1,1 erreicht hatte. Am zweiten Versuchsabend konsumierten die Probanden zuerst Weißwein und dann Bier. Wieder bis der Blutalkoholgehalt bei 1,1 Promille lag.
  • 2. Gruppe: Die zweite Gruppe startete mit Weißwein und trank anschließend Bier. Auch sie wechselte am zweiten Abend die Reihenfolge der Getränke.
  • 3. Gruppe: Die dritte Gruppe - die Kontrollgruppe - trank am ersten Abend ausschließlich Bier und am zweiten Abend ausschließlich Wein.

 

Um die Probanden den selben Bedingungen auszusetzen, erhielten alle dieselbe Mahlzeit bevor sie Alkohol tranken - die Menge wurde jedoch an Alter und Geschlecht angepasst.

Hensel: "Wir haben an manchen Versuchstagen zwölf Kilo Nudeln gekocht"

Neben dem Essen bekamen die Teilnehmer sechs Milliliter je Kilogramm Körpergewicht zu Trinken. Bei einem Körpergewicht von 85 Kilogramm, bekam der Teilnehmer beispielsweise 5,1 Liter Wasser. Alle Probanden übernachteten zudem in derselben Unterkunft und wurden dort zur selben Zeit geweckt.

Nach den Experimenten mussten die Teilnehmer anhand acht körperlicher Symptome wie Müdigkeit, Schwindel oder Übelkeit ihr Leiden einschätzen - auf einer Skala von null bis sieben. Das Fazit: Die Aussagen "Bier auf Wein, das lass sein" und "Wein auf Bier, das rat ich dir" stimmen nicht. Jedenfalls stimmen sie nicht, wenn man das Lagerbier (Carlsberg) und den Weißwein (Bio-Weißwein) der Studie verwendet. Demnach mache es keinen Unterschied in welcher Reihenfolge die Probanden tranken und ob sie nur ein Bier oder Wein zu sich nahmen.

Die Studie schrieb neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen auch ganz andere Geschichten: Während der Experimente wurden Beziehungen beendet sowie beschlossen: "Ein Paar hat sich während unseren Versuchen getrennt, dafür hat sich aber auch eins gefunden", so die Forscher in ihren Veröffentlichungen.

 

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