• Studie aus Schweden belegt Zusammenhand zwischen Antibiotika und Darmkrebs
  • Die Mikrobiome im Darm werden von den Antibiotika beeinträchtigt
  • Schon seit 2017 gibt es erste Korrelationen zwischen Darmkrebs und Antibiotika

Die Einnahme von Antibiotika kann das Darmkrebsrisiko erhöhen. Das ist die Erkenntnis einer kürzlich veröffentlichten Studie im „Journal of the National Cancer Institute“. Ein Team aus Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen um Sophia Harlid von der schwedischen Universität Umeå hatte sich mit der Auswirkung der Antibiotika auf die Darmflora beschäftigt. "Die Ergebnisse unterstreichen die Tatsache, dass es viele Gründe gibt, mit Antibiotika vorsichtig umzugehen. Während eine Antibiotikatherapie in vielen Fällen notwendig ist und Leben retten kann, ist bei weniger schwerwiegenden Erkrankungen, bei denen ohnehin eine Heilung zu erwarten ist, Vorsicht geboten. Vor allem, um zu verhindern, dass Bakterien Resistenzen entwickeln, aber auch, weil Antibiotika, wie diese Studie zeigt, das Risiko für künftigen Darmkrebs erhöhen können", erklärt Sophia Harlid, Krebsforscherin an der Universität Umeå.

Antibiotika erhöht Darmkrebsrisiko: Männer weniger stark betroffen?

Während der Untersuchung gelang es den Forschenden nachzuweisen, dass sowohl Frauen als auch Männer, die mehr als sechs Monate lang Antibiotika einnahmen, ein um 17 Prozent höheres Risiko hatten, an Krebs zu erkranken. Betroffen war dabei vor allem der Bereich des aufsteigenden Dickdarms (dem ersten Teil des Dickdarms), den die Nahrung nach dem Dünndarm erreicht. Im absteigenden Dickdarm konnte dieses erhöhte Risiko nicht festgestellt werden. Männer, die Antibiotika einnehmen, hatten kein erhöhtes Risiko für Mastdarmkrebs. Bei Frauen dagegen konnte im Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika ein erhöhtes Mastdarm-Krebs-Risiko festgestellt werden. 

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Das erhöhte Risiko für Dickdarmkrebs zeigte sich bereits fünf bis zehn Jahre nach der Einnahme von Antibiotika. Das größte Risiko an Krebs zu erkranken, hatten die Patienten und Patientinnen, die am meisten Antibiotika eingenommen hatten. Doch schon nach einer einzigen Antibiotika-Einnahme konnte zwar ein geringer, aber statistisch signifikanter Anstieg des Krebsrisikos beobachtet werden.

Für die aktuelle Studie haben die Forschenden die Daten von rund 40.000 Patienten und Patientinnen aus dem schwedischen Darmkrebsregister zwischen dem Zeitraum von 2010 bis 2016 verwendet. Verglichen haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen diese Daten mit einer angepassten Kontrollgruppe aus 200.000 krebsfreien Personen aus der schwedischen Gesamtbevölkerung. Daten über den Antibiotikaverbrauch der Patienten und Patientinnen wurden aus dem schwedischen Arzneimittelregister für den Zeitraum zwischen 2005 und 2016 erhoben. Mit den Ergebnissen bestätigen die Forschenden aus Schweden eine kleiner angelegte Studie aus Großbritannien aus dem Jahr 2019. Auch 2018 berichteten Forschende aus den USA, dass sie bei einer Beobachtungsstudie einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Antibiotika ausmachen konnten. 

Antibiotika beeinträchtigen Mikrobiome im Darm

Die Forschenden wollten verstehen, wie Antibiotika das Krebsrisiko erhöhen. Daher untersuchten sie ein nicht-antibiotisches bakterientötendes Medikament, das gegen Harnwegsinfektionen eingesetzt wird. Der Unterschied: Dieses Medikament beeinträchtigt das Mikrobiom nicht. Bei der Analyse der Daten stellten sie fest, dass es keinen statistischen Unterschied in der Häufigkeit von Dickdarmkrebs-Erkrankungen bei den Konsumenten und Konsumentinnen des neuen Medikamentes gab. Daraus schließen die Forschenden, dass es die Auswirkungen von Antibiotika auf das Mikrobiom sind, die das Krebsrisiko erhöhen. Und auch wenn die Studie ausschließlich oral verabreichte Antibiotika untersuchte, können auch intravenös verabreichte Antibiotika die Mikrobiome des Darms beeinträchtigen, was ein erhöhtes Krebsrisiko nach sich zieht.

Trotzdem zeigt sich die leitende Forscherin der Studie gelassen. "Es besteht kein Grund zur Sorge, nur weil man Antibiotika eingenommen hat. Der Anstieg des Risikos ist moderat, und die Auswirkungen auf das reale Risiko für den einzelnen Menschen sind ziemlich gering“, ordnet Harlid die Ergebnisse ein. Doch vor dem Hintergrund der Ergebnisse sei eine routinemäßige Krebsvorsorge wichtig. „Schweden ist dabei, ein routinemäßiges Screening auf Darmkrebs einzuführen. Wie bei jedem anderen Vorsorgeprogramm ist es wichtig, daran teilzunehmen, damit Krebs frühzeitig erkannt oder sogar verhindert werden kann, da Krebsvorstufen manchmal entfernt werden können", ergänzt die Autorin Sophia Harlid. Die Studie wurde vom Lions-Krebsforschungsfonds in Nordschweden finanziert. Sie wurde im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht, einer der weltweit am höchsten angesehenen Zeitschriften für Krebsforschung.

Wie wichtig der verantwortungsvolle Umgang von Ärzten und Ärztinnen mit Antibiotika ist, machte bereits bei der 2018 veröffentlichten Studie die leitende Forscherin Sarah Perrott deutlich: „Antibiotika stehen im Zusammenhang mit dem wachsenden Risiko für früh einsetzenden Dickdarmkrebs. Eine Krankheit, die in den letzten zwei Jahrzehnten mit einer Rate von mindestens drei Prozent pro Jahr zugenommen hat. Deswegen ist es extrem wichtig, dass eine unnötige Einnahme von Antibiotika vermieden wird - insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen“, erklärte Perrott von der Universität Aberdeen.

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