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Verbraucherschutz warnt: Minikredite können zur Falle werden - und was du stattdessen tun kannst

Schnell und bequem Geld leihen? Davor warnt der Verbraucherschutz. Denn: Minikredite können schnell zur Kostenfalle werden. Was du tun kannst, erfährst du hier.
  • Ein Drittel der Ratenkredite sind bereits Minikredite
  • So rechnet der Finanzanbieter Cashper
  • Die Kreditkarte kann helfen

Die Namen sind vielfältig: Mini-, Klein- oder Mikro-Kredite. Immer geht es um eine akute finanzielle Notlage, um Rechnungen, die sofort zu bezahlen sind, während die Hausbank oder Sparkasse keinen Kredit mehr einräumen will. Oft wäre die obligatorische Schufa-Auskunft negativ, weshalb die Betroffenen sie umgehen möchten. In dieser Situation kommen Minikredite (meistens zwischen 100 und 1.000 Euro), bei denen der Anbieter auf die Bonitätsabfrage verzichtet und zudem noch super Konditionen verspricht, gerade richtig. Aber das schnelle Geld, das so bequem daher kommt, hat so seine Tücken, wie unsere Recherche zeigt.

Ein Drittel der Ratenkredite sind bereits Minikredite

Wie verbreitet sind Kleinkredite? Die Schufa berichtet, dass es einen starken Anstieg an Kleinstkrediten gibt. Die Anzahl der neuen Ratenkredite ist in Deutschland erstmals seit vier Jahren wieder gestiegen. Im Jahr 2021 wurden rund sieben Millionen Ratenkredit-Verträge neu abgeschlossen, etwa 4,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Maßgeblich für diese Entwicklung ist dabei, nach den Daten der Schufa, die steigende Zahl an Kleinstkrediten. Der Anteil von Ratenkrediten unter 1.000 Euro an den neu abgeschlossenen Krediten stieg von 19,9 auf 29,5 Prozent. Der Trend zu Kleinstkrediten lässt sich vor allem bei jüngeren Verbraucher*innen beobachten. "Allgemein lässt sich sagen: je jünger die Verbraucher, desto geringer der Durchschnittsbetrag der neu aufgenommenen Kredite unter 1.000 Euro", erklärt Ole Schröder vom Vorstand der Schufa.

Im Internet tummeln sich Verleiher*innen von Kleinbeträgen. Sie haben eine besondere Zielgruppe: Menschen in finanzieller Not, die schnell Geld brauchen, etwa um eine drohende Stromsperre abzuwenden. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und die hohe Inflation verstärken den finanziellen Druck und damit auch die Nachfrage nach Minikrediten.

So rechnet der Finanzanbieter Cashper

Während Finanztest oder Finanztip diesen Markt kaum beachten, finden sich beim Vergleichsportal Verivox Informationen. Für 500-Euro-Kreditsumme listet das Portal sieben Anbieter. Die Novum-Bank, mit ihren Marken-Töchtern Cashper, und Minikredit fällt sofort ins Auge. Die Unternehmen, deren Sitz im kleinen Ort Ta' Xbiex in Malta liegt, versprechen den Minikredit zum Nullzins. Ein kostenloser Kredit ohne Schufa-Auskunft – kann das sein? 

Ja und Nein: Ein Blick ins Kleingedruckte von Cashper zeigt, dass der Nullzins-Deal nur für Erstkundschaft, die einen Kredit beantragt, gilt. Das Unternehmen rechnet üblicherweise so: Für einen Kurzzeitkredit in Höhe von 300 Euro für 30 Tage, haben Stammkund*innen einen effektiven Jahreszins von 7,95 Prozent zu zahlen. Neben dem "Lockangebot" für Neukundschaft gibt es weitere Besonderheiten: Üblicherweise dauert die Auszahlung des Minikredits bis zu 10 Werktage. Das ist vielen Kund*innen zu lang, schließlich pressiert es. Oft sind es akute Geldnöte. Deshalb bietet Cashper den "SUPER-Deal" an: Auszahlung innerhalb von 24 Stunden. Für die Express-Bearbeitung sind Gebühren fällig. Bei Beträgen bis zu 199 Euro: 39 Euro-Gebühr, bei einer Summe von 200 bis 399 Euro liegt die Gebühr bei 69 Euro und von 400 bis 599 Euro Kredit sind es 99 Euro.

Zusätzliche happige Gebühren fallen dann an, wenn es zu einer Verschiebung des Tilgungsdatums kommt, wenn du Zwei-Raten für die Rückzahlung brauchst, bei einem Zahlungsaufschub und wenn es Mahnungen gibt. Die Zusatz-Gebühren sind im Vergleich zum geringen Kreditbetrag hoch und können über 30 Prozent der Kreditsumme ausmachen. In diesem Fall verteuert sich der Minikredit deutlich. Unser Tipp: Überprüfe unbedingt, ob sich der 500-Euro-Kredit für dich wirklich lohnt.

Die Kreditkarte kann helfen

Die anderen bei Verivox gelisteten Minikredit-Anbieter bieten wie cashpresso (Sitz in Österreich) einen effektiven Fest-Zinssatz von 14,99 Prozent oder Vexcash, der einen Effektivzins von 14,82 Prozent anbietet. Ferratum kommt mit einem Effektivzins von 10,36 Prozent daher. Alle drei Anbieter liegen damit deutlich über den Ratenkredit-Sätzen der Banken.

Die BNP Paribas (Niederlassung Deutschland) ist eine der wenigen Großbanken, die überhaupt Minikredite bis 500 Euro anbietet. Bei der französischen Bank sind nur 2,99 Prozent Effektivzins zu zahlen. Verständlich, dass die BNP Kundenliebling bei den Verivox-Nutzer*innen ist. 

Unser Tipp: Eine Kreditkarte kann eine Alternative zum 500-Euro-Kredit sein. Bei Kreditkarten mit einem festgelegten Verfügungsrahmen erhalten Nutzer*innen meist bis zu 30 Tage lang einen Kleinkredit und das ganz ohne Zinsen. Je nach Kreditkarte musst du anschließend entweder den gesamten Kreditbetrag zurückzahlen oder es können monatliche Teilzahlungsoptionen ausgewählt werden. Die dabei anfallenden Zinsen sind in der Regel immer noch niedriger als Dispozinsen. Die liegen nämlich aktuell bei bis zu 14 Prozent.

Fazit

Wer einen kleinen Kredit aufnimmt, ist schlecht geschützt. Die einschlägigen Verbraucherschutzvorschriften im Kreditgewerbe für Darlehen gelten erst für Kreditsummen ab 200 Euro. Das erleichtert das Geschäft für die Geldverleihenden. Sie müssen weder die Kreditwürdigkeit ihrer Kundschaft überprüfen, noch einen schriftlichen Vertrag inklusive Kostenüberblick vorlegen. Zudem gelten nicht die üblichen Widerrufsrechte. All das kann dazu führen, dass Kunden*innen überteuerte Kredite abschließen. Deshalb: Minikredite für vier Wochen solltest du vermeiden, die Nutzung einer Kreditkarte ist die bessere Lösung.

Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / stevepb