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Richtig handeln bei Blechschäden

Bei kleineren Unfällen lohnt es sich oft, den Schaden selbst zu zahlen
 
Foto: Fotolia/memyjo
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Kleinere Unfälle mit Blechschäden und Kratzern sind schnell passiert. Aber auch wenn der Schaden überschaubar ist und niemand verletzt wurde, muss am Unfallort einiges beachtet werden.

Unverzüglich anhalten: Egal ob Unfallverursacher, Unfallbeteiligter oder nur Zeuge - nach Paragraph 34 StVO ist man dazu verpflichtet, umgehend anzuhalten und gegebenenfalls Hilfe zu leisten.

Kühlen Kopf bewahren: Es ist wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben und sich nicht vom Unfallgegner einschüchtern zu lassen. Man sollte sich genügend Zeit nehmen, um die Situation zu überblicken und am Unfallort bleiben, auch wenn man unter Zeitdruck steht. Unter keinen Umständen sollten ein Schuldeingeständnis unterschrieben oder spontane Vereinbarungen getroffen werden.

Unfallstelle sichern: Die Warnblinkanlage muss eingeschaltet werden, um andere Verkehrsteilnehmer auf die Unfallsituation aufmerksam zu machen. Um besser sichtbar zu sein, sollte eine Warnweste angezogen werden. Das Warndreieck wird je nach Lage und Sichtverhältnissen mit ausreichend Abstand zur Unfallstelle aufgestellt. Die Faustregel für den Mindestabstand entspricht der erlaubten Höchstgeschwindigkeit des Unfallorts in Metern - sind 50 km/h erlaubt, mindestens 50 Meter Abstand. Die Fahrbahn muss umgehend verlassen werden. Bei einem Unfall auf der Autobahn sollte man sich hinter die Leitplanke begeben. Bei Dunkelheit sollten die beteiligten Fahrzeuge ausreichend beleuchtet werden, indem das Licht der PKWs angelassen wird.

Beweise sichern: Wer ausreichend Fotos oder Skizzen vom Schaden und vom Unfallort macht, geht auf Nummer sicher. Die beschädigten Fahrzeuge und die Unfallstelle sollten aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert und Unfallspuren auf der Fahrbahn dokumentiert werden. Idealerweise markiert man mit einem Stückchen Kreide, das man im Handschuhfach dabei hat, die Fahrzeug- und Radstellungen und sonstige Spuren am Unfallort. Auch Notizen zur Fahrbahnbeschaffenheit (eben, wellig, ansteigend etc.), Sicht- und Witterungsverhältnissen (Sonne, Wind, Regen), Verkehrsführung (Straßenführung, Beschilderung) oder Auffälligkeiten am Fahrzeug des Unfallgegners (Fuhr das Fahrzeug z.B. ohne Licht?) sind wichtig.

Nach Zeugen umsehen: Auch wenn die Sachlage noch so klar erscheint, kann es selbst bei Bagatellschäden zum Streitfall kommen. Zeugen können dann entscheidend sein. Deshalb sollte man auf Passanten und andere Autofahrer zugehen, die sich zum Zeitpunkt des Unfalls in der Nähe befanden, und sich deren Namen, Adresse und Telefonnummern notieren. Gegebenenfalls sollte man auch Fotos von den Kennzeichen der Fahrzeuge in der direkten Unfallumgebung machen.

Unfallbericht ausfüllen: Gemeinsam mit den am Unfall beteiligten Personen wird ein Unfallbericht erstellt, der von allen Parteien unterschrieben wird. Ein unterschriebener Unfallbericht ist keine Schuldanerkenntnis! Wer keinen Unfallbericht zur Hand hat, erfasst mindestens folgende Daten: Unfallzeit, Unfallort, Unfallhergang, Skizze, Fahrer, Halter, Fahrzeuge, amtliche Kennzeichen, Versicherungsdaten, gegebenenfalls Polizeibeamte und Dienststelle.

Geld sparen durch Eigenregulierung

Bei kleineren Blechschäden, Kratzern oder Dellen lohnt es sich oft, die Reparatur ohne eine Schadensregulierung der Kfz-Versicherung durchzuführen. Denn jedes Mal, wenn die Kfz-Versicherung einen Schaden reguliert, verliert man einen Teil des sogenannten Schadenfreiheitsrabatts bzw. Schadenfreiheitsklasse (SF). Dadurch steigt der Versicherungsbeitrag im Folgejahr deutlich. Bis man wieder in die alte SF zurückgestuft wird, muss man viele Jahre unfallfrei fahren. Wenn die Kosten für die Reparatur niedriger sind als die zusätzliche Versicherungsprämie, die man künftig durch die Hinaufstufung zahlen müsste, ist es demnach sinnvoll, die Reparatur aus eigener Tasche zu zahlen. Der Betrag, bis zu dem sich eine Schadensregulierung in Eigenregie lohnt, ist je nach Versicherungs-Police unterschiedlich.

Grundsätzlich kann es sich bei einem mittleren Schadenfreiheitsrabatt und Beiträgen von insgesamt circa 500 Euro pro Jahr lohnen, einen Haftpflicht- oder Vollkasko-Schaden bis etwa 1.000 Euro selbst zu übernehmen. Ist der Rabatt niedriger oder steht die SF unter 15, lohnt es sich unter Umständen auch noch bei höheren Schadensummen, die Kosten selbst zu tragen. Die genaue Summe, bis zu der man durch die Eigenregulierung Geld spart, ist abhängig von einer Reihe von Faktoren, weswegen man jeden Schadensfall unbedingt individuell nachrechnen sollte.

Hierzu gibt es diverse Internetseiten, wie zum Beispiel den Rückstufungsrechner der Stiftung Warentest. Bei Zweifeln kann man auch die Kfz-Versicherung um Rat bitten. Diese muss auf Nachfrage ausrechnen, wie sich die Beiträge durch die Schadensregulierung verändern würden und ob sich die Eigenregulierung für den Schadensfall lohnt. Dennis Tuczay