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Kfz-Versicherung für E-Autos: Das ist anders - und das solltest du unbedingt beachten

E-Autos sind immer noch teuer. Der große Preisrutsch ist nicht in Sicht. Gut, dass wenigstens bei der Kfz-Versicherung einen Lichtblick gibt.
Nimmt der Akku beim Elektroauto Schaden, wird es richtig teuer.
Nimmt der Akku beim Elektroauto Schaden, wird es richtig teuer. Foto: CC0 / Pixabay / AKrebs60
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  • Brauchst du für ein E-Auto eine spezielle Kfz-Versicherung?
  • Sind E-Autos in der Vollkassko-Versicherung teurer als Verbrenner?
  • Bei vier von fünf Paarungen ist der E-Tarif günstiger
  • Welche Leistungen sollte die Versicherung fürs E-Auto enthalten?
  • Ist der E-Auto-Akku mitversichert oder braucht es einen All-Risk-Schutz

Knapp 356 000 Elektro­autos wurden 2021 in Deutsch­land neu zugelassen – sie machten im vergangenen Jahr laut Statistischem-Bundes­amt 13,6 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen aus. Tendenz steigend. Natürlich brauchen E-Autos genau wie Verbrenner einen Versicherungsschutz. Was gibt es dabei zu beachten?

Brauchst du für ein E-Auto eine spezielle Kfz-Versicherung?

Eigentlich nicht. Für die zwingend notwendige Haftpflichtversicherung ist es ohnehin unerheblich, welchen Antrieb das Auto hat, da sie für Schäden am eigenen Fahrzeug nicht aufkommt. Es bleibt alles wie gehabt.

Beim Kaskoschutz lohnt es sich, genauer hinzusehen: Bestimmte Versicherungsleistungen, die für ein E-Auto wichtig sind, können im normalen Tarif enthalten oder aber als Zusatz im Angebot sein. Andere sind zum Teil nur als Bestandteil eines ergänzenden Versicherungsbausteins Elektro zu haben. Denn bei E-Autos kann es laut "Finanztest" zu ganz neuen Schäden kommen. Geht etwa der Antriebsakku aufgrund von Tierbiss, Überspannung oder Bedienfehler kaputt, sind schnell mehrere Tausend Euro fällig. Wenn die Deckung dann nicht ausreichend ist, ist das ein Problem.

Die Kasko-Angebote der Autoversicherer sind sehr unterschiedlich gestrickt, was den Vergleich nicht gerade erleichtert. Aber in jedem Fall ist ein Preis-Check angesagt. Dabei helfen digitale Rechner, wie der von CHECK 24.

Sind E-Autos in der Vollkassko-Versicherung teurer als Verbrenner?

Verivox hat für AUTO BILD geprüft und so die Versicherungskosten für fünf beliebte Elektroautos und vergleichbare Verbrenner berechnet.

Das sind die Merkmale, die im Vergleich für die Modellfahrzeuge eine Rolle spielten:

  • Für alle Automodelle hat Verivox die fünf günstigsten Vollkasko-Tarife ausgewertet und daraus den Durchschnittspreis gebildet. Alle ausgewerteten Tarife umfassen Leistungen wie den Schutz vor Schäden und Folgeschäden durch Tierbisse, einen erweiterten Wildschadenschutz und den Schutz bei grober Fahrlässigkeit.
  • Bei Elektroautos ist ein Schutz des teuren Akkus dringend zu empfehlen – zum Beispiel die Deckung von Kurzschluss- oder Überspannungsschäden.
  • Der Tarifberechnung lag ein typisches Profil zugrunde, das für alle Modellfahrzeuge identisch war (44-jähriger Familienvater aus Münster; 12.000 km Fahrleistung; Neuwagen; Alleinfahrer, Schadensfreiheitsklasse 13, Selbstbehalt 150 € Teilkasko, 300 € Vollkasko).

Bei vier von fünf Paarungen ist der E-Tarif günstiger

Und das sind die Ergebnisse:

In vier von fünf gebildeten Paarungen lässt sich der Stromer günstiger versichern. Am größten ist der Unterschied beim Mini. Hier kostet die Versicherung für das E-Mobil fast ein Viertel (24 %) weniger als beim Verbrenner.

  • Mini Cooper SE, Elektro, 276,65 Euro
  • Mini Cooper 2.0 S, Benzin, 365,57 Euro

Nur beim Fiat 500 ist die Vollkaskoversicherung für den reinen Stromer 18 Prozent teurer als der Beitrag für das Vergleichs-Modell mit Hybrid-Antrieb.

  • Fiat 500 E, Elektro, 295,56 Euro
  • Fiat 500 1.0, Hybrid, 250,08 Euro

Der Tesla 3 ging zum Vergleich mit dem Mercedes C 300 Hybrid an den Start. Ergebnis: Das Elektrofahrzeug von Tesla geht mit einem Minus von 19 Prozent aus dem Rennen hervor.

  • Tesla Model 3, Elektro, 526,00 Euro
  • Mercedes C 300, Hybrid, 647,12 Euro

Zwei VW-Modelle (VW ID.3 versus VW Golf 8 1.5 TSI) traten gegeneinander an. Auch hier hat der Stromer die Nase vorn. Versicherungsbeitrag für das Elektrofahrzeug Minus 20 Prozent. 

  • VW ID.3, Elektro, 270,11Euro
  • VW Golf 8 1.5 TSI, Hybrid, 336,80 Euro

Die fünfte Paarung kommt aus der Hyundai-Familie (Hyundai Kona Elektro versus Hyundai Kona 1.6 T-GDI). Das Elektrofahrzeug ist mit 14 Prozent preiswerter bei der Versicherung.

  • Hyundai Kona Elektro, 357,90 Euro
  • Hyundai Kona 1.6 T-GDI, Benzin, 416,06 Euro

So kommentiert Versicherungsexperte Wolfgang Schütz vom Vergleichsportal Verivox seine Ergebnisse: "Trotz des höheren Anschaffungspreises sind Elektroautos in der Kfz-Versicherung oft deutlich günstiger als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Um sich in diesem wachsenden Geschäftsfeld zu positionieren, buhlen mehrere Versicherer mit attraktiven Preisnachlässen um die Gunst der E-Auto-Besitzer."

Wie berechnet sich der Preis für die Elektroauto-Versicherung?

Neun Faktoren spielen bei der Höhe des Beitrags eine Rolle. Dazu zählen:

  • Typklasse und Regionalklasse
  • Schadenfreiheitsklasse
  • Jährliche Laufleistung
  • Höhe der Selbstbeteiligung
  • Kreis der Fahrer
  • Alter der Fahrer
  • Beruf
  • Fahrzeugalter
  • Wert des Wagens

Wie errechnet, sind E-Autos in der Regel günstiger zu versichern – selbst dann, wenn der Tarif Zusatzbausteine wie eine All-Risk-Abdeckung enthält. Das hängt vor allem mit der Typklasseneinstufung zusammen: Verursachen die Fahrer*innen eines Modells wenige Schäden, ist die Einstufung niedrig und die Versicherung günstig. Hier kommen Elektroautos generell recht gut weg – im Vergleich zu ähnlich motorisierten Benzinern. Im Klartext heißt das: E-Auto Fahrer*innen haben eine geringeres Schadensrisko.

Welche Leistungen sollte die Versicherung fürs E-Auto enthalten?

Insbesondere bei Kurzschlussschäden und Folgeschäden von Marderbissen haben Versicherungen bei der Schadensumme bei Hybrid- und Elektroautos nachgebessert. Die Mehrheit der Anbieter zahlt hier mittlerweile die Höchstsumme von 10.000 Euro oder mehr. Noch vor wenigen Jahren war bei solchen Schäden bei 5.000 Euro Schluss. Jetzt bieten einige Tarife sogar Höchstsummen von 20.000 Euro.

Eine gute Versicherung sollte zudem Überspannungsschäden durch Blitzeinschlag mitversichern. Auch Ladestationen (Wallboxen) und Ladekabel sind bei vielen Angeboten gegen Diebstahl und Beschädigung eingeschlossen.

Ob die einzelnen Leistungen im normalen Kaskoschutz enthalten sind oder als Zusatzbaustein angeboten werden, spielt dabei letztlich keine Rolle. Unterm Strich entscheiden die Gesamtkosten der Kaskoversicherung.

Ist der E-Auto-Akku mitversichert oder braucht es einen All-Risk-Schutz

Der Kaskoschutz sollte immer auch den Akku des Fahrzeugs umfassen. Das ist bei fast allen Anbietern der Fall – es gibt aber Ausnahmen. Dort kann es sein, dass der Akku nur im Rahmen eines Zusatzbausteins zu versichern ist. Gleiches gilt für Schäden durch Brand, Diebstahl, Kurzschluss, Marderbiss, Sturm und Überschwemmung, die im Rahmen der Teilkasko abgesichert sein sollten. Die Vollkasko deckt zudem Schäden durch Vandalismus und selbstverschuldete Unfallschäden (am eigenen Auto) ab. Doch Vorsicht: je nach Anbieter gibt es Unterschiede bei den Deckungssummen.

Einige Versicherungen bieten als Zusatzbaustein eine sogenannte Allgefahren- oder All-Risk-Deckung für Schäden am Akku an. Dabei sind die Akkus in der Vollkasko gegen (fast) alle Gefahren abgesichert. Ausgeschlossen sind in der Regel Konstruktionsfehler, chemische Reaktionen und Verschleiß – ebenso die abnehmende Leistung des Akkus im Laufe der Zeit. Bei solchen Schäden kann vielleicht die Garantie des Herstellers helfen. Versichert sind ebenso Bedienungsfehler: Ein mögliches und relativ häufiges Schadenszenario bei Elektroautos ist die Tiefentladung, die den Akku nachhaltig schädigt.

"All-Risk-Deckungen kommen Kunden mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis entgegen", erklärt Wolfgang Schütz. "Die wichtigen Risiken lassen sich aber auch ohne diesen Baustein absichern." Selbst günstigste Tarife schließen vielfach schon die All-Risk-Deckung ein oder bieten sie gegen einen überschaubaren Aufschlag an. Mehr als 20 bis 40 Euro musst du nicht draufzahlen.

E-Autos in der Quarantänelagerung

Der Abtransport eines E-Autos ist schwierig. Der Grund: Beim E-Auto wird über die Antriebsachse Strom erzeugt. Wird unsachgemäß abgeschleppt, kann das zu Kurzschlüssen führen. Schlimmstenfalls ist der Akku beschädigt oder es kommt zu einem Brand. Wer für den Fall einer Panne Abschleppkosten abgedeckt haben will, der muss in der Regel einen Schutzbrief hinzubuchen.

Da sich Batterien von E- oder Hybrid-Autos auch noch Tage nach einem Unfall entzünden können, ist eine Quarantänelagerung notwendig. Hierbei wird das beschädigte E- oder Hybrid-Auto durch den Abschleppdienst auf einen dafür ausgewiesenen Quarantäneplatz gebracht. Solche Abstellplätze bieten Fachbetriebe. Der Platz dient dazu, dass das Elektroauto bis zur Abholung, Reparatur oder Verschrottung durch eine Fachwerkstatt sicher gelagert ist. Der speziell gesicherte Abstellplatz dämmt die Brandgefahr ein. Hier abgestellte E-Autos werden oftmals auch mit speziellen Decken umhüllt, die eine mögliche Brandgefahr weiter minimieren. 

Problem: Hier entstehen Kosten, wobei zu klären ist, in welcher Höhe die Versicherung sie übernimmt. 

Gibt es für E-Autos eine Gebrauchtwagenversicherung?

Gebrauchtwagenversicherungen (auch Gebrauchtwagengarantien genannt) decken Reparaturkosten ab. Welche Bauteile bzw. Baugruppen versichert sind, ist im Vertrag genau festgelegt. Der Versicherungsschutz kann zum Beispiel Motor, Getriebe und Elektrik umfassen und neuerdings den Akku eines Elektroautos mit einschließen.

Wolfgang Schütz rät in AUTO-BILD: "Käufer von Elektroautos sollten sich nicht zu sehr auf die Rabatt-Kommunikation einzelner Versicherer verlassen. Die günstigsten Tarife im Markt bieten ein Sparpotenzial von 27 Prozent gegenüber durchschnittlich teuren Angeboten und werden oftmals gar nicht als rabattiert ausgewiesen. Auf der Suche nach den günstigsten Angeboten mit Top-Leistungen bleibt der individuelle Tarifvergleich für Autofahrer unverzichtbar."

Fazit: Weil E-Autos teuer sind, empfiehlt sich eine Vollkaskoversicherung. Das sollte aber niemanden schrecken: In vielen Fällen ist diese Versicherung günstiger als bei einem Pkw mit einem Verbrennungsmotor.