• Warum beauftragen Gläubiger ein Inkassounternehmen?
  • Wie hoch dürfen die Gebühren sein?
  • Darf ein Inkassobüro einen Schufa-Eintrag vornehmen?
  • Wie arbeiten "schwarze Schafe"?
  • Wo kann man sich beraten lassen?

Laut Schuldenatlas 2020 der Creditreform Wirtschaftsforschung sind über 6 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet. Einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes zufolge hatte vergangenes Jahr jeder Deutsche im Schnitt 29.230 Euro Privatschulden. Allen Gläubigern voran warten Kreditinstitute und Versandhäuser auf ihr Geld.

Wie reagieren, wenn Inkassopost kommt? 

Oft werden von Gläubigern Rechtsanwälte mit der Geltendmachung der Forderungen beauftragt, aber auch Inkassounternehmen. Trotz Inkassopost solltest du einen kühlen Kopf bewahren und prüfen, ob sowohl die Forderung als auch die Gebühren berechtigt sind. Wenn du nicht bezahlen kannst, solltest du Hilfe in Anspruch nehmen.

Warum kommt Inkassopost? Die klare Antwort: Weil der Empfänger Schulden hat, beziehungsweise jemand Geld will. Ein Inkassounternehmen handelt erst einmal nicht auf eigene Faust. Es wird von einem Gläubiger, dem jemand Geld schuldet, beauftragt.

Ob ein Brief von einem Rechtsanwalt oder einer Inkassofirma kommt, ist irrelevant. Unternehmen wenden sich aber oft anstatt an einen Anwalt an eine Inkassofirma. Der Grund dafür ist, dass das Forderungsmanagement deren Kerngeschäft ist, sie sind darauf spezialisiert. Im Gegensatz zu Rechtsanwälten, die auch andere Tätigkeiten haben.

Inkassounternehmen: Das sagt die Verbraucherzentrale Bayern

"Anwälte werden oft beauftragt, wenn sicher ist, dass auch geklagt werden soll", so Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Und das ist der entscheidende Unterschied, wie die Juristin erklärt: "Inkassounternehmen dürfen nicht klagen, sie können, wie jede natürliche oder juristische Person, höchstens ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten."

Mahngerichte prüfen allerdings nicht, ob die Forderung berechtigt ist. Wer einen Mahnbescheid erhält, kann innerhalb von 14 Tagen einen Widerspruch an das Mahngericht zurückschicken. Wenn das nicht gemacht wird, ist das eine Schuldanerkennung und der Gläubiger kann bei einem Zivilgericht einen Vollstreckungstitel beantragen. Wenn die Forderung berechtigt ist, sollte man das allerdings nicht machen.

Denn so entstehen weitere hohe Kosten. Vielmehr sollte man noch einmal versuchen, mit dem Inkassounternehmen eine Einigung zu erzielen. Ansonsten droht Post oder ein Besuch vom Gerichtsvollzieher, nachdem das Gericht einen sogenannten Vollstreckungstitel erlassen hat.

Welche Gebühren darf ein Inkassounternehmen berechnen?

Inkassobüros leben von der Durchsetzung von Forderungen. Die Gebühren sind ihr Gewinn. Im Regelfall bezahlt diese der Schuldner. Doch wie viel darf ein Inkassounternehmen auf die Hauptforderung des Gläubigers aufschlagen?

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Seit 2013 gilt eine Deckelung der Inkassogebühren. Inkassodienste dürfen für ihre Arbeit nicht mehr verlangen, als ein Rechtsanwalt für die gleiche Tätigkeit in Rechnung stellen würde. "Es ist aber umstritten, ob sie für einen Durchschnittsfall überhaupt soviel wie Anwälte verlangen dürfen. Wir als Verbraucherzentrale sagen: Nein.", so Halm. 

Allerdings gibt es Ausnahmen: Nicht immer darf ein Inkassounternehmen Gebühren vom Schuldner verlangen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Inkassobüro eine Forderung vom Gläubiger "gekauft" hat und ab diesem Zeitpunkt selbständig handelt. "In so einem Fall muss das Inkassounternehmen auch im Schreiben darauf hinweisen und auf Nachfrage eine Kopie der Abtretungsforderung beifügen", erklärt Halm.

Inkasso-Brief bekommen, aber nichts bestellt?

Eine wichtige Rolle spielen Gebühren auch beim Zeitpunkt, zu dem ein Gläubiger ein Inkassounternehmen beauftragt. "Das kann er jederzeit machen, auch ohne vorausgegangene Mahnungen", so Halm und erklärt: "Doch Gebühren darf das Inkassobüro dem Schuldner nur berechnen, wenn sich dieser im Verzug befindet oder von vorneherein zu Erkennen gibt, dass er nicht bereit ist zu bezahlen." Warum es aufgrund der Corona-Pandemie immer mehr Schuldner gibt, erfährst du in unserem Artikel.

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"Die unseriöseste Masche ist die, dass Forderungen geltend gemacht werden, die gar nicht mehr bestehen oder noch nie bestanden haben", so Halm. In so einem Fall empfiehlt sie, auf alle Fälle zu widersprechen. Unseriös sei auch, so die Expertin, wenn auf Rückmeldungen von Verbrauchern gar nicht eingegangen wird.

"Wenn zwar immer wieder Briefe mit dem gleichen Inhalt kommen, aber nicht auf Anliegen des Schuldners Bezug genommen wird.

Wie erkennt man unseriöse Geldeintreiber?

Unseriöse Forderungsunterehmen bauen auch vehement Druck auf, zum Beispiel mit Androhung eines Schufa-Eintrages, der Aufforderung zur Abgabe der Vermögensauskunft oder sogar mit Haftbefehlen. "Das sind alles Dinge, die gesetzlich möglich sind, aber nicht der nächste Schritt sind", weiß Halm.

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Solche Maßnahmen kann nur ein Gericht in Gang setzen. "Ein Haftbefehl kommt zum Beispiel zu Stande, wenn man nicht beim Gerichtsvollzieher zur Vermögensauskunft erscheint. Ein Inkassobüro kann ohne vorheriges Mahn- oder Gerichtsverfahren und einen gerichtlichen Titel eigenständig keinen Haftbefehl beantragen", erklärt Halm.

Auch die Androhung eines Schufa-Eintrages ist vorerst gegenstandslos. Ein Inkassounternehmen kann nicht, sobald es vom Gläubiger beauftragt ist, den Schuldner in die Schufa eintragen. "Das ist nur zulässig, wenn der Schuldner gemahnt wurde und nicht widerspricht. Widerspricht der Schuldner, müsste der Gläubiger oder das Inkassounternehmen die Forderung erst gerichtlich klären lassen", so Halm.

So reagierst du richtig

Ein besonderer Dorn im Auge sind der Juristin Anrufe von Inkassobüros, die hohe Gebühren nach sich ziehen. "Dass Inkassounternehmen anrufen ist rechtens und verständlich, da Schuldner oft Briefe gar nicht mehr öffnen. Aber Anrufe, deren erzielte Einigungen, zum Beispiel Ratenzahlung, viel zu hoch berechnet werden, entbehrten jeglicher juristischer Grundlage", sagt Halm. Sie weiß: "Verbraucher sind durch solche Methoden stark verunsichert, weil sie auch die Rechtsverfahren nicht so gut kennen." Schulden abbauen und Vermögen ansparen: Was die 50-30-20-Regel ist, erfährst du in unserem Artikel.

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Auf einen Blick

  • Kühlen Kopf bewahren, Brief auf keinen Fall ignorieren
  • Prüfen, ob du überhaupt Schulden hast, gegebenenfalls Widerspruch einlegen
  • Wenn die Forderung gerechtfertigt ist, vollständig bezahlen oder rechtzeitig um Ratenzahlung bitten
  • Seriöse Inkassounternehmen sind meist gesprächsbereit
  • Prüfen, ob die Gebühren zu hoch sind, ein Anwalt oder eine Verbraucherzentrale hilft dir dabei
  • Nicht durch haltlose Drohungen einschüchtern lassen

Die Verbraucherzentrale Bayern bietet Hilfe an. Da es sich um Einzelberatungen handelt, sind diese kostenpflichtig. Auch die Verbraucherzentralen der anderen Bundesländer haben solche Angebote.

Tipp: Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Bayern findest du einen Inkasso-Check, mit dem du vorab Forderungen überprüfen kannst. Dieses Angebot ist kostenlos. Lese-Empfehlung: Wir verraten dir, wie du dich vor der nervigen SMS-Abzocke schützt. 

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