80 Jahre später: Kriegsveteran suchte "Schwester Resi" aus Franken - konnte nie Danke sagen

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Bad Alexandersbad: Kriegsveteran suchte "Schwester Resi" – und fand sie nie
Erhard Kaasche und Resi im Jahr 1943.
Erhard Kaasche und Resi 1943 Zweite Aufnahme
privat
Bad Alexandersbad: Kriegsveteran suchte "Schwester Resi" – und fand sie nie
Erhard Kaasche und Resi im Jahr 1943.
Erhard Kaasche und Resi 1943
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Bad Alexandersbad: Kriegsveteran suchte "Schwester Resi" – und fand sie nie
Erhard Kaasche im Kurpark.
Erhard Kaasche im Kurpark
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Bad Alexandersbad: Kriegsveteran suchte "Schwester Resi" – und fand sie nie
Lara Ried und Erhard Kaasche bei der Lesung von "Septemberjunge" im Mai in Bad Alexandersbad.
Lara Ried und Erhard Kaasche bei Lesung im Mai
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Eine Krankenschwester bewahrt 1943 einen jungen Mann vor der Front. 80 Jahre später will er sich bei ihr bedanken. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Es ist großes Kino - und das in Franken: Ein 101-Jähriger suchte nach über 80 Jahren eine Krankenschwester aus dem Zweiten Weltkrieg. 1943 half die oberfränkische "Schwester Resi" Erhard Kaasche, die Rückkehr an die Front hinauszuzögern, während er sich in Bad Alexandersbad im Lazarett von einer Kriegsverletzung erholte. Das hatte Kaasche ihr nie vergessen: Er wollte sie wiederfinden, sich bei ihr bedanken. Mitte des Jahres startete Autorin Lara Ried, die seine besondere Lebensgeschichte festhielt, einen Suchaufruf - damit Kaasche endlich das loswerden konnte, was ihm seit Jahrzehnten auf dem Herzen lag.

Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Erhard Kaasche verstarb unlängst im hohen Alter. Schwester Resi hat er nicht mehr gefunden – trotz Hinweisen aus der Bevölkerung. Zurück bleibt unter anderem Ried, die sein Vermächtnis weiterführt. "Es macht mich stolz, ihm mit dem Buch eine Hinterlassenschaft zu geben", erläutert Ried im Gespräch mit inFranken.de

Sie rettete ihm womöglich das Leben: Veteran wollte sich bei Krankenschwester bedanken

Der damals 18-Jährige, der aus der sächsischen Kreisstadt Oschatz stammt, wurde wie viele junge Männer zu der Zeit eingezogen. Er wird 1942 an die Ostfront in den sowjetischen Winter geschickt. Inmitten der gnadenlosen Kämpfe sucht sich Kaasche seinen Weg, erzählt Jahrzehnte später von außergewöhnlichen Ereignissen und kurzen Momenten menschlicher Verbundenheit trotz Kriegsgräuel. 

Eine dieser besonderen Verbindungen ist eben Schwester Resi - sie ist damals Krankenschwester im Lazarett in Bad Alexandersbad. Dorthin wird Kaasche 1943 zur Genesung geschickt, nachdem er im Krieg verwundet wurde. Über Resi weiß er nicht viel, dennoch entsteht zwischen den beiden eine zarte Bindung. "Engagiert" muss sie gewesen sein, "sehr fürsorglich", so beschreibt es Ried gegenüber den Medien.

Deswegen sei Resi Kaasche auch stark im Gedächtnis geblieben. Sie half ihm, länger im Lazarett zu bleiben als notwendig, zögerte so seine Rückkehr an die Front hinaus. Damit rettete sie ihm vielleicht sogar das Leben.

Suche nach Schwester Resi aus Bad Alexandersbad - Autorin nimmt weiter Hinweise entgegen

Über Resi ist nicht viel bekannt. Sie war 1943 und 1944 im Lazarett in Bad Alexandersbad wohl eine Art Oberschwester, erklärt Ried. Sie war beim Roten Kreuz und auf den Bereich Physiotherapie spezialisiert, ihr Mann oder Verlobter sei 1943 im Krieg gefallen. Ried mutmaßt, dass Resi auch von Beruf tatsächlich Krankenschwester war. Mehr wusste Kaasche allerdings nicht. 

Im Mai fand eine Lesung von Rieds Roman gemeinsam mit Ried und Kaasche in Bad Alexandersbad statt. Die Hoffnung war, vielleicht noch mit Resis Familie Kontakt aufnehmen zu können. Kaasche wollte sich nach den vielen Jahrzehnten gerne bedanken. Ried startete gemeinsam mit der Gemeinde einen Suchaufruf - doch dieser blieb erfolglos. Zwar gab es einige Hinweise, erläutert Ried gegenüber inFranken.de. Allerdings war die Schwester Resi, die dabei entdeckt wurde, eine andere Schwester desselben Vornamens aus einer Nachbargemeinde, und nicht Kaasches Retterin. Das verifizierte Ried anhand von alten Bildern. 

Inzwischen ist Kaasche verstorben. Er hat sich nie bei Resi oder ihren Nachkommen bedanken können. Trotzdem würde Ried noch Hinweise annehmen, sagt sie. "Man wird maximal noch Nachkommen finden können." Die Geschichte und das Buch seien für sie ein "Herzensprojekt". 

Roman "Septemberjunge" veröffentlicht: Ried beschreibt enge Verbindung

Ried veröffentlichte letztes Jahr den Roman "Septemberjunge" über Kaasches Erlebnisse. Sie kam eher zufällig dazu: "Es war nicht ursprünglich mein Plan, darüber zu schreiben." Sie stößt auf Kaasche im Jahr 2022 über einen Zeitungsartikel und führt dann selbst ein Zeitzeugeninterview mit ihm. Die Geschichte des damals 97-Jährigen beeindruckt sie tief. "Einprägsam" seien seine Schilderungen gewesen. "Wie ein Film vor meinen inneren Augen", so beschreibt es Ried. 

Sie verarbeitet seine Geschichte zunächst eher locker, hatte ein Jahr lang gar keinen Kontakt mit Kaasche. Schließlich präsentierte sie ihm das fertige Buch. "Er war ganz gerührt", erzählt Ried. Es sei schön gewesen, so etwas "für jemanden zu machen." Als er fragte, ob sie das Buch veröffentlichen wolle, stimmte Ried zu. Dafür war es ihr jedoch wichtig, dass die Geschichte stimmt - Kaasche las das Buch sogar Korrektur. 

Zwischen Ried und Kaasche entstand eine enge Bindung. "Für mich ist er wie ein Opa oder Familienmitglied geworden", so Ried. Das Buch bleibt ihr, auch nach seinem Tod. Es sei schön, dass die Erinnerung so bewahrt werden kann. "Ich bin froh, das seiner Familie so geben zu können."