• Tragödie in Eisenheim: 20-jährige Theresa Stahl wurde 2017 von Betrunkenem überfahren
  • Großes bundesweites Aufsehen: Fahrer wurde im ersten Urteil für schuldunfähig erklärt
  • Prozess ruhte zeitweise: Mordverdacht stand im Raum
  • Nun steht das Urteil gegen den Autofahrer

Es war eine Tragödie, die niemand so schnell vergessen wird. Im April 2017 hat ein betrunkener junger Mann eine 20-Jährige nach einem Weinfest totgefahren. Anstatt ihr zu helfen, fuhr er einfach weiter und legte sich schlafen. Er soll knapp drei Promille gehabt haben. Am Mittwoch (27. Oktober 2021) fiel das Urteil gegen den Autofahrer.

Update vom 28.10.2021, 7 Uhr: Urteil gegen Autofahrer steht

Im Berufungsprozess um die totgefahrene 20-Jährige hat das Landgericht Würzburg den Unfallfahrer zu einem Jahr und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt. Die Kammer setzte die Strafe wegen fahrlässiger Tötung am Mittwoch zur Bewährung aus. Die Bewährungszeit wurde auf zwei Jahre festgelegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 22-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verlangt, ausgesetzt zur Bewährung. Die Nebenklage plädierte auf zwei Jahre und zehn Monate Haft nach Erwachsenenstrafrecht. Der Verteidiger sprach sich für eine Verurteilung des Angeklagten nach Jugendstrafrecht und 300 Stunden gemeinnützige Arbeit aus.

Der Hauptangeklagte wurde in erster Instanz wegen seines Alkoholrausches für schuldunfähig erklärt. Das Urteil lautete auf fahrlässigen Vollrausch - statt wie in der Anklage zunächst gefordert fahrlässige Tötung. Der Mann bekam eine Geldstrafe von 5000 Euro und ein Fahrverbot. 

Die drei Mitfahrer waren in erster Instanz wegen unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen zwischen 1000 und 2000 Euro verurteilt worden - ihre Urteile sind nach den am Montag und Dienstag zurückgenommenen Berufungen rechtskräftig.

Tragödie in Eisenheim: Betrunkener fährt 20-jährige Theresa Stahl tot 

Die jungen Männer hatten am Unfalltag im April 2017 auf der Rückbank des Autos gesessen, das auf einer Ortsstraße bei Eisenheim zwischen Würzburg und Schweinfurt die Frau erfasste. 

Die Mitfahrer waren in erster Instanz wegen unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen zwischen 1000 und 2000 Euro verurteilt worden. Der heute 22 Jahre alte Hauptangeklagte wurde wegen seines Alkoholrausches für schuldunfähig erklärt. Das Urteil lautete auf fahrlässigen Vollrausch - statt wie in der Anklage zunächst gefordert fahrlässige Tötung. Der Mann bekam eine Geldstrafe von 5000 Euro und ein Jahr Fahrverbot.

Das Berufungsverfahren vor dem Landgericht Würzburg zieht sich seit dem Sommer 2020 hin. Zwischenzeitlich stand sogar ein Mordverdacht im Raum. Es ging um die Frage, ob einer der Insassen den Fahrer aufgefordert hatte, Theresa umzufahren. Dafür fanden sich jedoch keine Beweise.

Mitfahrer: "Ich schäme mich für mein Verhalten."

Kurz bevor bei beiden Beschuldigten die Berufung zurückgenommen wurde, hatten sie darum gebeten, eine Aussage machen zu dürfen, welche von ihren Anwälten verlesen wurden.

"Ich schäme mich sehr für mein Verhalten", sagte einer der Männer laut BR. "Es gehört sich einfach nicht, einfach weiterzufahren und nichts zu tun", sagte der andere aus.

Die beiden erklärten außerdem, dass in der Tatnacht zweifelsfrei der Hauptangeklagte hinter dem Steuer gesessen hat. Beide widersprachen zudem einer Zeugenaussage, wonach einer der Insassen kurz vor dem Aufprall "Fahr sie um!" gerufen haben soll.

Gegen den Hauptangeklagten und seinen Beifahrer wird die Verhandlung fortgesetzt.

ank mit dpa

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