Treuchtlingen
Pfand

Fränkischer Brauerei gehen die Bierflaschen aus: Unglaubliche Reaktion auf Facebook-Aufruf

Keine Flaschen, kein Bier: Da ihnen allmählich die Flaschen und Kästen für ihr Weihnachtsbier ausgingen, wandte sich die Brauerei Strauss aus Treuchtlingen direkt an ihrer Kunden. In einem Facebook-Post und über ein Zeitungs-Inserat riefen sie die Leute dazu auf, ihr Pfand zurückzubringen - mit überwältigendem Erfolg.
 
Der Brauerei Strauss aus Treuchtlingen fehlten Bierflaschen und Kästen, um ihr Weihnachtsbier abzufüllen - also starteten sie kurzerhand einen Aufruf auf Facebook.
Der Brauerei Strauss aus Treuchtlingen fehlten Bierflaschen und Kästen, um ihr Weihnachtsbier abzufüllen - also starteten sie kurzerhand einen Aufruf auf Facebook. Foto: Brauerei Strauss

Die Brauerei Strauss aus Wettelsheim in Treuchtlingen braut jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit ein besonderes Weihnachtsbier. In diesem Jahr fehlte allerdings eine wichtige Zutat: Die Bierflaschen und Kästen gingen langsam zu Neige. Kurzerhand wandte sich die Brauerei über ihre Facebook-Seite und ein Zeitungs-Inserat an ihre Kunden - mit vollem Erfolg.

"Wir benötigen dringend unser Leergut (Flaschen und Kästen) zurück, um auch weiterhin unsere Abfüllung aufrechtzuerhalten", heißt es in dem Aufruf vom Freitag (27.11.2020). Allein auf Facebook wurde der Post inzwischen über 570 Mal geteilt und fleißig kommentiert. "Ich tu mein bestes, dass der Kasten schnell leer wird", schrieb einer der Kunden, andere markierten ihre Freunde mit der Aufforderung, sie sollen doch endlich ihre Kästen zurückgeben.

"Wir brauchen dringend unser Leergut": Fränkischer Brauerei fehlen Bierflaschen

Wie der Juniorchef der Wettelsheimer Brauerei, Jochen Engelhardt, bestätigte, zeigte sich die Wirkung des Aufrufs auch deutlich in der Menge an Leergut. Schätzungsweise 30 Prozent bis 50 Prozent mehr Flaschen und Kästen kamen seither zurück. Der Zuwachs sei laut Engelhardt deutlich spürbar.

Eigentlich hatte die Brauerei Strauss extra vorgesorgt und rund 30 Prozent mehr Flaschenkästen bestellt. "Aber trotzdem hat es nicht gereicht", so Engelhardt. Gründe dafür gibt es gleich mehrere, doch ausschlaggebend ist die Corona-Pandemie. "Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich verändert. Sie gehen seltener Einkaufen, aber holen dann eben statt einem Kasten Bier gleich zwei oder drei." Die Kästen bringen sie jedoch erst zurück, wenn alles leer getrunken ist - was bei der größeren Menge dann natürlich länger dauert.

Gerade das Weihnachtsbier kaufen die Leute in der Vorweihnachtszeit und trinken es aber erst über die Feiertage. Das Leergut komme dann meist erst im Januar zurück. Einen Mangel an Flaschen wie in diesem Jahr hatte es aber bisher noch nie vor Weihnachten gegeben. Durch die Corona-Einschränkungen, besonders die geschlossenen Gaststätten, steigt allerdings auch der Bedarf an Bier für zu Hause.

Wegen Corona: Menschen trinken öfters zu Hause - weniger Umsatz mit Fässern

"Der Umsatz für Fassbier ist momentan quasi gleich null", meint Engelhardt. Für ihr Fassbier ist die Brauerei Strauss sonst weit über den Landkreis hinaus bekannt: Das Wettelsheimer Bier ist das einzige in der Region, das noch in selbstgepichten urigen Holzfässern verkauft wird. Doch mit den derzeitigen Einschränkungen ist selbst das kleinste Fass mit 10 Litern für die meisten Privatleute zu viel.

Auch die fehlenden Weihnachtsfeiern führen wahrscheinlich dazu, dass die Leute mehr Bier in den eigenen vier Wänden trinken. Insgesamt ist die Nachfrage nach Flaschenbier damit in diesem Jahr deutlich höher als sonst. Zumindest kann damit der Umsatz, der vom Fassbier fehlt, wieder nahezu ausgeglichen werden. Ein weiteres Plus ist zudem der Heimservice der Brauerei: "Seit Corona läuft der Lieferdienst besser, wir haben bestimmt um die 30 Prozent mehr Bestellungen", so Jochen Engelhardt.

Doch auch hier gilt: ohne Flaschen, kein Bier. Engelhardt ist sich sicher, dass viele kleinere Brauereien mit fehlendem Leergut Probleme haben werden. Viele Verbraucher sehen einfach keine Notwendigkeit, ihr Pfand zurückzubringen. Mitschuld sind auch die niedrigen Pfandpreise: Der Verband Privater Brauereien versucht bereits seit längerer Zeit, das Kistenpfand anzuheben.

Im März 2020 war eine Erhöhung auf sechs Euro pro Kasten geplant, jedoch konnten sich Verband und Handel nicht einig werden und es blieb wie bisher bei 3,10 Euro. Der Getränkehandel hat im Gegensatz zu den Brauereien kein Interesse an einer Erhöhung, auch größere Brauereien sehen das Thema Pfand in der Regel weniger problematisch. Vereinzelt gibt es jedoch schon Brauereien, die mehr Pfand verlangen, in der Hoffnung ihre Bierkästen schneller wiederzubekommen: Die Brauerei Grosch aus Rödental, Landkreis Coburg, verlangt beispielsweise neun Euro Pfand pro Kasten.