Im Jahr 1840 gab es in Bamberg insgesamt 63 Bierkeller, "auf" denen regelmäßig Bier ausgeschenkt wurde - eine stolze Zahl. "Auf" deshalb, weil man sich natürlich nicht zum Biertrinken in kühle, dunkle Keller zurückzog, sondern seinen Durst lieber über dem Bierkeller, im Freien - auf einer Wiese, im Schatten von Kastanien - löschen wollte. Die Keller boomten mitte des 19. Jahrhunderts, waren mit Abstand beliebtestes Ausflugsziel der Einheimischen. Keine Wanderung, die nicht irgendwann auf einem Keller geendet hätte. Nicht nur in Bamberg, genauso in Forchheim oder Erlangen. Wie war diese Bierkeller-Kultur im Fränkischen entstanden?

Das hatte etwas mit der Produktion des Bieres zu tun und mit der dabei verwendeten Hefe. Die sogenannte obergärige Hefe für obergäriges Bier konnte man bei Zimmertemperatur einsetzen, zum Kühlen brauchte es da keinen Keller.
Anders bei der untergärigen Hefe, die 1474 erstmals zum Einsatz kam und seither untergäriges Bier immer beliebter machte. Diese Hefe wollte es kalt, im Gärkeller brauchte es da Temperaturen zwischen vier und neun Grad. Weshalb unsere Vorväter ein untergäriges Bier halt nur im Winter brauen konnten.

Das sollte sich erst mit der Erfindung der Kühlmaschine durch Herrn Linde im Jahr 1876 ändern. Nachdem der Franke schon vorher gern ein untergäriges Bier trank, dieses noch dazu auch wesentlich länger haltbar war als das obergärige, ließ er sich etwas einfallen. Meist außerhalb der Ortschaften, bevorzugt in nördlicher Hanglage, trieb man Stollen in den Berg. Hier lagerte man im Januar geschlagenes Eis ein und konnte so bis in den Frühling die Gär bot tiche kühlen. Waren die Stollen gar in Stein geschlagen, konnte das ganze Jahr über eine Temperatur von rund acht Grad und damit das Bier frisch gehalten werden. Meist reichte das gebraute Bier dann von Georgi bis Michaeli, vom 23. April bis zum 29. September.

Bis das Bier allerdings aus dem Keller in die Ortschaft getragen war, hatte es zumeist schon unangenehm hohe Temperaturen erreicht. Weshalb der Franke als praktisch denkender Mensch den beliebten Gerstensaft am liebsten gleich auf dem Keller trank. Die fränkische Bierkellerkultur war geboren. Immer mehr solcher Keller buhlten schließlich um Gäste. Was dazu führte, dass man zusätzlich Kegelbahnen errichtete, um durstige Besucher anzulocken. Auch Schießbuden dienten der Volksbelustigung, später kamen auch noch Musikpavillons dazu.

Das lustige Treiben wurde allerdings bis zur Wende zum 20. Jahrhundert immer weniger. Die Kühlmaschine machte es möglich, dass man sich den Weg auf den Keller ersparen konnte. Frisches Bier konnte man inzwischen auch innerorts genießen.

Der Erste Weltkrieg und die danach folgende Weltwirtschaftskrise führten zu einem regelrechten Kellersterben. Von den einst 63 Bierkellern in Bamberg existierten im Jahr 1934 gerade noch elf. Die meisten gerieten in Vergessenheit, vermoderten regelrecht. Das änderte sich erst wieder seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Mit einem Mal waren die alten Bierkeller wieder gefragt. Vor allem Studenten sorgten für die Wiederbelebung der fränkischen Bierkellerszene. Ein Wirt nach dem andern entdeckte seinen Keller wieder. Sie wurden zum Teil aufwendig reaktiviert, weil man auf die Keller als umsatzfördernde Einrichtung rechnen konnte. Nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen Touristen, die sich für diese fränkische Spezialität mehr und mehr begeistern konnten.

Weshalb der Franke auch heutzutage wieder mit Begeisterung "auf an Kellä" geht.