Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie setzt die IG Metall auch in Bayern verstärkt auf Arbeitsniederlegungen. Nachdem am Montag neben Amberg und Augsburg ein Schwerpunkt der Aktionen beim Autozulieferer Bosch in Bamberg stattfand, hat die Gewerkschaft für Dienstag in 22 Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen.

Neben BMW in München werde es vor allem in Schweinfurt zu kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen kommen, wie Michael Knuth, Sprecher der IG-Metall-Bezirksleitung Bayern berichtete. Hier seien gleich mehrere Unternehmen von den Warnstreiks betroffen - unter anderem Schaeff ler, Bosch Rexroth, SKF und ZF Friedrichshafen.
Aber auch in zwei oberfränkischen Betrieben soll laut IG Metall am Dienstag kurzfristig die Arbeit niedergelegt werden: bei der Siemens-Tochter Trench Germany in Bamberg und bei Kenna metal in Ebermannstadt (Landkreis Forchheim).

Die Dauer solcher Warnstreiks, die nach dem Ende der sogenannten Friedenspflicht seit Donnerstag möglich sind, ist unterschiedlich. Die Beschäftigten in den bestreikten Betrieben in Bayern versammelten sich zuletzt für ein bis zwei Stunden, in der Nachtschicht auch mal nur für eine halbe Stunde.

790.000 Beschäftigte zählt die Branche in Bayern. Die Tarifverhandlungen für sie gehen nächsten Montag in die dritte Runde. Dann treffen sich in Aschaffenburg Vertreter vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) und der IG-Metall-Bezirksleitung Bayern.

Positionen noch weit auseinander

Noch liegen die Positionen der Tarifpartner weit auseinander. Die IG Metall ist mit einer Forderung von 5,5 Prozent mehr Geld in die Tarifrunde gegangen. Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde eine Entgelterhöhung um 2,2 Prozent angeboten - allerdings erst ab März.

Das ist nicht nur weniger als gefordert, sondern würde auch auf zwei Nullmonate für Januar und Februar hinauslaufen.

Doch anders als bei der zurückliegenden Tarifrunde 2013 geht es diesmal nicht nur ums Geld. Die IG Metall will neue Regelungen bei der Altersteilzeit und beim Thema Weiterbildung.

Einen neuen Tarifvertrag zur Altersteilzeit, der ab April dieses Jahres laufen soll, hat auch der VBM in der jüngsten Verhandlungsrunde eingebracht. "Eine Verschlechterung des Ist-Zustands", sagt IG-Metall-Sprecher Knuth dazu. Die Arbeitgeber schlagen bei der Altersteilzeit eine Tarifregelung vor, die vorsieht, dass statt bisher vier Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens nur noch zwei Prozent einen Anspruch auf Altersteilzeit haben. Ginge es nach der IG Metall, so soll jeder Arbeitnehmer das Recht haben, mit 57 Jahren in Altersteilzeit zu gehen. "Der Anspruch auf Altersteilzeit muss sich auf besonders Belastete konzentrieren", fordert dagegen Angelique Renkhoff-Mücke, Verhandlungsführerin des VBM.

Ein weiterer Knackpunkt: Die IG Metall möchte erreichen, dass jeder Beschäftigte künftig einen durchsetzbaren Anspruch auf Freistellung für selbst gewählte persönliche Fortbildung hat. "Wir wollen einen festen Anspruch und nicht nur freiwillige Angebote der Arbeitgeber", sagt Knuth. Das lehnt der VBM nach wie vor ab. Der von der IG Metall gekündigte Tarifvertrag Qualifizierung solle vielmehr wieder in Kraft gesetzt werden, so die Arbeitgeberseite.