Abdo Isaac ist Syrer und er ist Christ. Er kam 2004 nach Deutschland. Heute lebt er in Hohenroth. Stellvertretend für seine Familie und Freunde sprach er beim Neujahrsbrunch des Frauenbundes Bad Neustadt, auf Einladung von Dekan Dr. Krefft, über seine Erlebnisse in beiden Ländern.

"Es gibt keine Worte, die die Zerstörung der Heimat beschreiben können. Auch wenn ich schon 13 Jahre in Deutschland bin und hier eine zweite Heimat fand, als in Syrien noch alles in Ordnung war, wusste ich, ich habe eine Heimat im Rücken. Das ist alles zerstört worden."
Familie Isaac kommt aus dem Nord-Osten Syriens, dem Dorf Hasaka, einer Gegend in der es 33 christlich-syrische Dörfer gab. Dörfer, in denen die Menschen noch aramäisch, die Sprache Jesus sprachen. "Aramäisch ist unsere Muttersprache, Arabisch lernen wir in der Schule." 40 Prozent der Bevölkerung dieses Landstrichs waren Christen, Christen lebten aber auch in vielen anderen Städten und Regionen Syriens.
Im Jahr 2014 hatte er das Glück, dass seine Eltern zu ihm nach Deutschland nachkommen konnten, doch das Heimweh plagte vor allem die Mutter über Monate hinweg. "Sie sind zurück nach Syrien, damals war unsere Region noch in Ordnung, die Lage war normal, auch wenn die wirtschaftliche Lage angespannt war." Die Mutter habe gesagt, wenn sie sterben sollte, dann möchte sie dies zu Hause tun. Viele Diskussionen habe es bei Isaacs gegeben, doch schließlich gingen die Eltern am 7. Februar 2015 zurück. Keine drei Wochen später wurden die Dörfer vom IS attacktiert und die Eltern entführt.
"Ich hatte meine Eltern hier und ich habe sie zurück gehen lassen. Da hat unser Alptraum angefangen. Ein Jahr lang haben wir nicht gewusst ob sie noch leben, ob sie genügend zu essen und einen Schlafplatz haben." Abdo Isaac sprach von dem unvorstellbaren Leid, das seine Familie habe tragen müssen. "Das hat mich kaputt gemacht." Nach einem Jahr seien die Eltern dank des Bischofs vor Ort befreit worden. "Ich habe ein Bild von meiner Mutter gesehen und sie nicht wiedererkannt." Mit den Tränen ringt Abdo Isaac wenn er diese Erinnerungen teilt.
Die Heimat wurde zerstört, die Kirche, in der er als Kind häufig war und geheiratet hatte, gibt es nicht mehr. Bilder zeigte Abdo Isaac von einem untergegangenen Paradies: dem heimischen Garten mit der Palme, die er als Junge immer goss, das Wandgemälde, das sein künstlerisch tätiger Vater schuf, vom Essen der süßen Wassermelonen im schattigen Hof und glücklichen Familienfesten. "Das alles sind Erinnerungen. 2010 war ich zum letzten Mal dort."
Er zeigte auch Fotos aus Syrien, von den wichtigen und großen christlichen Kirchen, Pilgerzentren und auch Aufnahmen von Hinrichtungen seiner Bekannten und Freunde durch den IS. "Die getöteten Leute kannte ich alle. Jetzt sind sie nicht mehr", sagte er stockend. Die Christen in Syrien haben derzeit nicht viele Möglichkeiten: Tod, hohe Sondersteuern oder zum Islam konvertieren.
"Syrien ist das älteste christliche Land. In Syrien kann man Geschichte und Kultur atmen und fühlen. Jetzt ist alles zerstört." Das Leben in Syrien war für Christen kein schlechtes. "Wir haben Religionsfreiheit gehabt. Wir bekamen von der Regierung Unterstützung." Abdo Isaac ist überzeugt: "Ein Syrien ohne Christen, das ist wie ein Garten ohne Blumen, ohne Geschmack und Farbe."
Den Eltern gehe es heute den Umständen entsprechend gut. Nach Deutschland kommen sie nicht mehr. Doch in Syrien bleiben können sie auch nicht. Sie erwarten eine Ausreise nach Australien zusammen mit ihren Nachbarn und Freunden. "Hauptsache meine Eltern sind in Sicherheit, egal wie weit weg sie sind", sagte Abdo Isaac zum Abschluss. me