Vergangene Woche fand im Bayerischen Umweltministerium in München ein Gespräch mit der Bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, deren Mitarbeitern, den beiden Rhöner Landräten Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) und Thomas Bold (Bad Kissingen) sowie den Vorsitzenden der jeweiligen Kreisverbände des Bayerischen Gemeindetags, Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb und Maßbachs Bürgermeister Matthias Klement (stellvertretender Vorsitzender) statt. Es ging um die Möglichkeit im Biosphärenreservat einen Nationalpark auszuweisen.

Landrat Thomas Habermann zeigte sich am Tag nach dem Gesprächstermin im Telefonat sehr zufrieden mit dem Besuch in München. "Es war eine sehr gute Gesprächsatmosphäre.
Man kann sagen, es war ein Sondierungsgespräch über die Räume der Rhön."
In Nordbayern seien von Seiten des Ministeriums zwei Bereiche für einen möglichen Nationalpark ins Auge gefasst, die Rhön und der Spessart. Doch weder genaue Pläne oder gar konkrete Konzepte gebe es bisher. "Ausdrücklich wurde uns von der Ministerin gesagt, dass es kein Konzept gibt. Wenn die Rhön in Frage kommt, dann muss das Konzept für einen Nationalpark mit den Menschen vor Ort aufgestellt werden." Die Beteiligung und die Zustimmung der Akteure vor Ort sei für das Ministerium eine wichtige und selbstverständliche Voraussetzungen für einen Nationalpark. "Wenn überhaupt, dann nur mit den Menschen vor Ort", so Habermannn.
In dem zweistündigen Gespräch seien verschiedene Themenbereiche betrachtet worden. So haben beide Landräte die Erfolgsgeschichte des Biosphärenreservat Rhön ausdrücklich in den Vordergrund gestellt.
Flächen, die extensiv bewirtschaftet werden, sollen auch weiterhin bewirtschaftet werden, kommen also für einen Nationalpark, in dem keine Bewirtschaftung, sondern eine ungestörte Entwicklung der Natur gewünscht sei, nicht in Frage. "Das sieht das Ministerium genauso, da haben wir einen Konsens", sagte Habermann.
Die erfolgreiche Arbeit im Biosphärenreservat und die glänzende Zukunftsdynamik dürfe durch einen Nationalpark nicht in Gefahr geraten.
Auch in diesem Punkt habe das Ministerium die Position der Landräte bestätigt. "Egal wo in Bayern ein Nationalpark entsteht, die Entwicklung und die finanziellen Möglichkeiten des Biosphärenreservats dürfen nicht geschmälert werden", sagte Habermann. "Es dürfen keine Mittel eingefroren oder gekürzt werden."
Habermann habe dem Ministerium für die Bereitschaft gedankt, sich im Bereich Naturschutz weiterhin stark zu engagieren. "Wir sind ein starker Industriestandort aber auch stark in der Land- und Forstwirtschaft, und wir sind in Bayern mit Naturräumen gesegnet, die es sonst kaum irgendwo gibt. Es ist grundsätzlich wichtig, dass der Freistaat bereit ist, sich hier zu engagieren."
Wie geht es nun weiter? Wenn in Nordbayern ein Nationalpark ausgewiesen werde, dann soll es auch ein qualitativ hochwertiger sein. Die Rhön verfüge über solche Flächen, doch auch andere Regionen. "Das Ministerium wird mit Vertretern anderer Gebiete auch Gespräche führen", erklärte Habermann die weitere Vorgehensweise. "Es ist ein sehr sensibles Thema, von oben werde nichts übergestülpt."
Anfang des nächsten Jahres werde dann ein weiteres Gespräch mit der Ministerin stattfinden, um weitere Schritte zu besprechen. "Wir werden uns Zeit lassen, die Risiken und Vorteile abwägen. Es gibt keinen Druck bei dem Thema. Mir hat sehr gut gefallen, dass kein Konzept ohne die Menschen vor Ort aufgestellt wird.
Und wenn am Schluss ein Nationalpark raus kommt ist gut, wenn nicht ist auch gut. Wir sind da völlig offen." Für Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. "Wir haben überlegt, ob Bürgerversammlungen sinnvoll sind, aber wir haben über noch nichts konkretes zu berichten. Erst müssen die möglichen Räume feststehen. Aber die Bevölkerung kann sicher sein, es wird nichts an der Öffentlichkeit vorbei entwickelt", sicherte Habermann zu.
Eine Zeitvorgabe für die Einrichtung eines Nationalparkes gebe es von Seiten des Ministeriums nicht.
Auch die Vorsitzende des Bayerischen Gemeindetages im Landkreis Rhön-Grabfeld, Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb, sprach von einem konstruktiven und offenen Gespräch. "Es muss versucht werden, die möglichen Räume für einen Nationalpark in der Rhön zu definieren. Und dann müssen wir in einen gemeinsamen Dialog einsteigen, sowohl die Landkreise wie auch die Gemeinden."