In Bayerns Wäldern gibt es immer mehr Wildschweine. Dem Bayerischen Jagdverband zufolge wächst ihre Zahl europaweit. Grund dafür seien wärmere Winter durch den Klimawandel. "Die Tiere haben einen reich gedeckten Tisch zu allen Jahreszeiten", sagte der Referent für Schwarzwild, Max Peter von Montgelas, anlässlich des Schwarzwildsymposiums, das der Bayerische Jagdverband mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld und Landrat Thomas Habermann in Oberelsbach veranstaltete.

In der vergangenen Saison 2015/16 seien mit fast 85.500 Tieren in Bayern so viele Wildschweine geschossen worden wie nie zuvor. Um zu verhindern, dass die Tiere sich unkontrolliert vermehren, kamen Bayerns Jäger in Oberelsbach zusammen, um über neue Methoden bei der Jagd nach Wildschweinen zu beraten.



Digitale Überwachung

In den vergangenen Jahren habe der Jagdverband "seine Hausaufgaben gemacht", sagte Montgelas. So sei ein digitales System zur Überwachung des Wildschweinbestands entwickelt worden und vermehrt Gatter errichtet worden, in denen Jagdhunde an die Tiere gewöhnt werden und so Jäger bei der Jagd unterstützen können. Der Bayerische Jagdverband vertritt die Interessen von rund 46.500 Jägern in Bayern.



Vorbildliche Abschusszahlen

Mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld im Regierungsbezirk Unterfranken sei ein Veranstaltungsort gewählt worden, in dem jährlich durchschnittlich mehr als zweitausend Wildschweine erlegt werden. Als vorbildlich bezeichnete der BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke, MdL a.D. dieses Engagement.
"Wir können von den Franken lernen", sagte er mit Blick auf die Situation in anderen Regierungsbezirken und Landkreisen. In seiner Ansprache forderte er unter anderem eine staatliche Gebührenübernahme bei der Verkehrssicherung und der Trichinenuntersuchung sowie eine staatliche Förderung für das Schwarzwildmanagement-System BJVdigital.



Für eine faire Wildschadensregelung

Weiterhin plädierte Vocke für das Abhalten revierübergreifender Drückjagden, bei denen der Fokus rein auf der Schwarzwildbejagung liege und forderte die Bereitstellung von Bejagungsschneisen und faire Wildschadensregelungen.
Das Thema Wildschadensregelung nahm auch Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb in ihrem Grußwort auf. Sie sprach sich für eine Kommunikation zwischen den Beteiligten und einvernehmliche Einigungen aus. Vocke kommentiert: "Der Landkreis Rhön-Grabfeld hat einen guten Ruf. Ich wünsche mir, dass auch andere Bürgermeister das hören, was Bürgermeisterin Erb sagt. Es geht nur, wenn wir miteinander Auswege suchen."



Jagdpraxis

Landrat Thomas Habermann, selbst passionierter Jäger, referierte über die Schwarzwildbejagung im Landkreis sowie über Jahrzehnte gesammelte praktische Erfahrungen. Es war ein Bericht aus der Praxis mit Blick auf das Jagdpraktische wie auch die Verwaltungsebene. Habermann stellte die Lebensräume des Schwarzwildes im Landkreis und die Entwicklung des Schwarzwildbestandes und Abschusses. 1985/86 wurden 236 Wildschweine erlegt, in 2015/16 waren es 3.050. Es ging aber auch um Jagdmethoden, um Hygiene und Sicherheitsregeln und die Vermarktung von Wildbret.



Erfolgsmodell Jagdhund

Hubert Weikhart, Forstdirektor und Schwarzwildberater Oberfranken, sprach zum nicht unumstrittenen Thema der Kirrung sowie zum Schwarzwildarbeitskreis. Reinhard Landgraf, Forstrat a.D. und Schwarzwildberater Unterfranken, berichtete über seine Praxiserfahrung im Bereich des Hundeeinsatzes, was ein sehr bedeutender Baustein im Erfolgsmodell einer gelungenen Bejagung sei. Dr. Rainer Klöthi, Präsident des Aargauer Jagdschutzvereins (AJV) und Thomas Laube, Vizepräsident des AJV, führten gemeinsam den Blick der Teilnehmer über den "bayerischen Tellerrand" hinaus und stellte die Wildschadensentwicklung im Kanton Aargau vor.



Wildschäden vermeiden

Erfolgreiche Schwarzwildbejagung könne nur in Zusammenarbeit aller beteiligten Partner funktionieren. So referierte Werner Ortloff, Landwirtschaftsmeister, über das Thema der Wildschadensverhütung aus der Sicht eines Landwirtes.
Weil Effektivität heutzutage auch von technischem Fortschritt und modernen Medien maßgeblich beeinflusst werde, berichtete Max-Peter von Montgelas, BJV-Referent für Schwarzwild, und Josef Weig, Vorsitzender des Fachausschusses BJVdigital, über erste Erfolgsbeispiele des Schwarzwildmonitoring-Systems BJVdigital.



120 Teilnehmer

Das stark praxisorientierte Symposium bot allen Teilnehmern ausreichend Raum, nach den oben genannten Impulsreferaten angeregt und kontrovers über die einzelnen Themenbereiche zu diskutieren. Die knapp 120 Teilnehmer nutzten diese Gelegenheit zum fachlichen Austausch, Anregungen aufzunehmen, Probleme zu diskutieren und konstruktive Kritik zu üben.
Die freiwillige Arbeit von Jägern sei allein die Arbeit im Bereich der Schwarzwild-Bejagung für das vergangene Jagdjahr über 17 Millionen Euro wert. Diese Summe müsste der Staat für Berufsjäger aufbringen - gäbe es die privaten Jägern und ihre ehrenamtliche Dienstleistung nicht. Marion Eckert