Personalnot in Krankenhäusern wegen Impfpflicht-Einführung? So ist die Lage in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Forchheim und Bamberg: Die einrichtungsbezogene Impfpflicht hat in den vergangenen Wochen und Monaten für viele Diskussionen gesorgt. Am Mittwoch (16. März 2022) tritt die umstrittene Regel nun bundesweit in Kraft. Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich, die keine Corona-Impfung erhalten haben, müssen mit weitreichenden Konsequenzen rechnen: Arbeitnehmern, die nicht nachweisen können, dass sie geimpft oder genesen sind, drohen Bußgelder und Betretungsverbote - und damit letzten Endes der Verlust ihres Jobs. Kritiker der sogenannten Teil-Impfpflicht warnen indes vor gravierenden Folgen für das deutsche Gesundheitssystem.

Ihre Befürchtung: Weil ungeimpfte Mitarbeiter von Krankenhäusern und Pflegeheimen infolge der Impfpflicht kündigen oder entlassen werden, kommt es in den Einrichtungen zu personellen Engpässen und Problemen bei der medizinischen Versorgung. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte, mit der Maßnahme werde die Pandemie in der Alten- und Krankenpflege nicht beherrschbar sein. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) warnte vor Versorgungsengpässen. Der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Andreas Winhart, erklärte, die Impfpflicht sei grundgesetzwidrig und gefährdete die Versorgungssicherheit. inFranken.de hat infolgedessen nachgefragt: Wie ist die Lage in den Kliniken Nürnberg, Fürth, Bamberg, Erlangen und Forchheim?

Teil-Impfpflicht tritt in Kraft - Klinikum Nürnberg erklärt: Das passiert bei Beschäftigten ohne Nachweis

Ab Mittwoch müssen die Arbeitgeber den Gesundheitsämtern melden, welche Beschäftigte einen Impf- oder Genesenennachweis vorgezeigt haben und welche nicht. Im Klinikum Nürnberg ist der Großteil der Angestellten der Einrichtung zufolge gegen Covid-19 geimpft. "Die Impfbereitschaft ist bei uns am Klinikum Nürnberg sehr groß", erklärt Pressesprecherin Sabine Stoll am Dienstag inFranken.de. "Die allermeisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind geimpft." So liege die Impfquote im medizinischen Bereich bei 94 Prozent. "Insgesamt haben wir im Klinikum Nürnberg eine Impfquote von 92 Prozent."

Die Angestellten, die bislang keine Impfung erhalten haben, sollen indes noch überzeugt werden. "Wir tun viel dafür, dass sich die wenigen Ungeimpften doch noch impfen lassen", teilt Stoll mit. Dies soll etwa durch laufende Impfangebote und Infoveranstaltungen geschehen. Zudem gebe es auch "ganz persönliche Beratungsgespräche" zwischen Arzt und potenziellem Impfling. "Daran beteiligen sich viele Ärzte im Haus", erläutert die Sprecherin. "Wir wollen so helfen, unbegründete Ängste vor der Impfung abzubauen." Zuletzt hätten sich 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine Impfung mit dem Novavax-Impfstoff angemeldet. 

Beschäftigte, die bis 15. März keinen Immunitätsnachweis oder ein ärztliches Zeugnis darüber vorlegt haben, dass sie aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können, werden gemäß den Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes vom Klinikum an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet. "Danach sind die Gesundheitsämter am Zug", erklärt Stoll. Kündigungen aufgrund der Impfpflicht habe es indes bislang nicht gegeben. "Insofern führt die Impfpflicht an sich bislang nicht zu Personalengpässen." Gleichwohl fielen zunehmend Mitarbeitende aus, weil sie wegen Omikron in Quarantäne seien oder sich infiziert hätten. "Die personelle Situation ist daher sehr angespannt", konstatiert die Pressesprecherin des Klinikums Nürnberg. "Es ist jeden Tag ein Spagat, diese Ausfälle zu kompensieren."

Klinikum Fürth: "Infolge der Impfpflicht gibt es keine Personalengpässe" - wohl aber aus anderen Gründen

Auch im Klinikum Fürth hat es aufgrund der einrichtungsbezogenen Impfpflicht bisher keine Kündigungen gegeben, teilt das Krankenhaus infranken.de mit. Um Personal ohne Immunstatus-Nachweis melden zu können, sei zuvor eine entsprechende Abfrage unter den Mitarbeitenden nötig gewesen. "Ansonsten bringt die Impfpflicht für uns keinen Mehraufwand mit sich", berichtet Klinikum-Sprecherin Carmen Brückner.

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Vonseiten der Krankenhaus-Verwaltung würden indes auch nur jene Maßnahmen ergriffen, zu denen man gesetzlich verpflichtet sei, etwa die Meldung an das zuständige Gesundheitsamt. "Darüber hinaus leiten wir jedoch keine weiteren Schritte ein", betont Brückner. "Unser erklärtes Ziel ist es, unsere Mitarbeitenden zu halten." Nach Angaben der Pressesprecherin schreiten die Corona-Impfungen innerhalb des medizinischen Fachpersonals noch immer voran. "Unsere Impfquote für unser gesamtes Haus liegt weit über 90 Prozent, insbesondere auch in den sensiblen Bereichen wie beispielsweise auf der Intensivstation." 

Im Klinikum Fürth gebe es aktuell einige Personalausfälle aufgrund von Corona, Quarantäne und anderen saisonalen Erkrankungen. Dies stehe aber in keinerlei Zusammenhang mit der beschlossenen Impfpflicht. "Infolge der Impfpflicht gibt es keine Personalengpässe",  betont Brückner. 

Personalnot wegen Impfpflicht-Einführung? So ist die Situation im Klinikum Bamberg

Im Klinikum Bamberg werden ungeimpfte Mitarbeiter oder Mitarbeiter, die keine Angaben zu ihrem Impfstatus gemacht haben, ebenfalls an das Gesundheitsamt gemeldet. Auch hier gilt: "Alle weiteren Schritte erfolgen dann von dieser Seite gemäß der gesetzlichen Vorschriften", erklärt Bernadette Kneidinger-Müller, Leiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing der Sozialstiftung Bamberg, dem Träger des Krankenhauses. Auch im Bamberger Klinikum seien "glücklicherweise" circa 95 Prozent aller Mitarbeiter (auch aus dem nicht medizinischen Bereichen) geimpft oder genesen.

"Die einrichtungsbezogene Impfpflicht löst bei uns somit kein Versorgungsproblem aus", hält Kneidinger-Müller gegenüber inFranken.de fest. "Dennoch wurden und werden hausintern eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt, um auch die noch nicht geimpften Mitarbeiter von einer Impfung zu überzeugen. Der Mehraufwand durch die Impfpflicht bestehe darin, dass nun alle ungeimpften Angestellten oder Beschäftigte ohne Angaben nach dem vorgegebenen Standardprozedere an das Gesundheitsamt gemeldet werden müssten. "Auf den Arbeitsablauf in der Patientenversorgung hat es jedoch keinerlei Auswirkungen", betont die Sprecherin. 

Wie in den Krankenhäusern in Nürnberg und Fürth gilt auch für das Klinikum Bamberg: "Unsere Personalsituation wird nicht von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht beeinflusst, sondern aktuell viel stärker von der deutlich steigenden Anzahl an zu versorgenden Covid-Patienten und gleichzeitig hohen Personalausfällen aufgrund von Covid-Erkrankungen beim Personal." Hinzu kommen weitere coronabedingte Ausfälle, etwa wegen der Betreuung von Kindern in Quarantäne. "Die Infektionsraten sind in der Region so hoch wie nie zuvor und das merkt man auch ganz deutlich in der Auslastung der Kliniken mit Covid-Patienten", konstatiert Kneidinger-Müller. 

Universitätsklinikum Erlangen: "Alle Versorgungsbereiche laufen" - trotz Personalausfällen

Im Universitätsklinikum Erlangen ist die aktuelle Personalsituation deutlich entspannter als in anderen Einrichtungen. "Zum Glück haben wir bei uns keine Situation wie zum Beispiel im Uni-Klinikum Köln, wo nach den Faschingstagen über 700 Mitarbeitende in Quarantäne mussten", hält Pressesprecher Johannes Eissing fest. "Natürlich belasten uns auch Personalausfälle aufgrund von Infektionen oder Quarantäneregelungen stark, aber alle Versorgungsbereiche laufen."

Auch in diesem Krankenhaus ist es laut dem Sprecher aufgrund der Impfpflicht nicht zu Kündigungen gekommen. "Nein, am Universitätsklinikum Erlangen hat keine Kollegin beziehungsweise kein Kollege wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht gekündigt." Das Personaldezernat werde die ungeimpften Mitarbeitenden und die Mitarbeitenden mit unklarem Impfstatus an das Gesundheitsamt Erlangen melden. "Weitere Maßnahmen legt dann das Gesundheitsamt fest", erklärt auch Eissing.

Hinsichtlich der Corona-Impfquote unterscheide das Universitätsklinikum nicht zwischen medizinischem und nicht-medizinischem Personal. Gegenwärtig seien 94 Prozent aller Beschäftigten geimpft oder genesen

Kündigungen im Klinikum Forchheim - "Impfpflicht verstärkt Fachkräftemängel"

Im Klinikum Forchheim liegt die Impfquote des medizinischen Fachpersonals ebenfalls bei über 90 Prozent. Ähnlich wie in den anderen fränkischen Krankenhäusern fällt auch in Forchheim infolge von Corona-Quarantänebestimmungen und -erkrankungen viel Personal aus. "Die Verpflichtung zur Impfung für alle Klinikumsmitarbeiter greift nicht sofort, da das Gesundheitsamt alle weiteren Maßnahmen durchführt", erklärt Franka Struve, die Pressesprecherin des Forchheimer Klinikums. 

Das Klinikum sei lediglich gesetzlich verpflichtet, alle Beschäftigten, die bis zum 15. März keinen Impf- oder Genesenennachweis vorgelegt haben, dem Gesundheitsamt zu melden", konstatiert auch sie. Anders als in den anderen Einrichtungen hätten Beschäftigte des Klinikums Forchheim aufgrund der nahenden Impfpflicht indes gekündigt. "Es hat einige wenige Kündigungen im einstelligen Bereich vonseiten der Mitarbeiter gegeben", berichtet Struve inFranken.de

Der Sprecherin zufolge nehme die ohnehin schon angespannte Personalsituation im Gesundheits- und Pflegebereich durch die neue Corona-Bestimmung weiter zu. "Die einrichtungsbezogene Impfpflicht verstärkt vor allem den Fachkräftemängel", erklärt Struve. Dies betreffe nicht zuletzt auch künftige Arbeitnehmer. Denn es sei gesetzlich geregelt, dass jeder potenzielle Mitarbeiter fortan nur eingestellt werden darf, wenn er eine zweifache Covid-Impfung nachweisen kann. 

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