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Franken
Tourismusbilanz

Tourismus in Franken im Corona-Jahr 2020: So drastisch ist der Umsatzrückgang

Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr jeden hart getroffen: Seien es Familien, Selbstständige und Unternehmer. Doch zwei Branchen hatten besonders stark mit den Folgen der Maßnahmen zu kämpfen: die Gastronomie und die Beherbergung. Dies belegen Zahlen zum Tourismus im Corona-Jahr 2020 - und Stimmen fränkischer Branchenvertreter.
 
Besonders Gastronomen und Betreiber von Hotels litten stark unter den Beschränkungen im Jahr 2020.
Besonders Gastronomen und Betreiber von Hotels litten stark unter den Beschränkungen im Jahr 2020. Foto: Sergi Brylev/unsplash.com (Symbolbild"
  • Übernachtungszahlen in Franken um fast die Hälfte eingebrochen
  • Wirte beklagen Umsatzeinbußen von über 50 Prozent
  • Finanzielle Entlastungen für die Wirte durch fränkische Städte und Gemeinden 
  • Nur Campingplatzbetreiber hatten geringe Verluste
  • Viele Fachkräfte sind in andere Branchen abgewandert

Die Zahl der Übernachtungen und Ankünfte in Franken ist im Corona-Jahr 2020 fast um die Hälfte eingebrochen. Nach Angaben des Tourismusverbands Franken auf einer Pressekonferenz in Nürnberg übernachteten im vergangenen Jahr nur 13,3 Millionen Touristen in fränkischen Unterkünften. 2019 waren es 23 Millionen. Das entspricht einem Rückgang  von knapp 42 Prozent. Die Zahl der Gäste nahm vergangenes Jahr um fast 50 Prozent auf 5,3 Millionen ab. Auch das Bayerische Landesamt für Statistik bestätigt nach vorläufigen Ergebnissen, dass das bayerische Gastgewerbe im Jahr 2020 durch die Folgen der Corona-Pandemie stark gebeutelt war: Der Umsatz des gesamten Gastgewerbes - also Beherbergung um Gastronomie zusammengenommen - sank gegenüber dem Vorjahr fast um 37 Prozent, der Umsatz in der Gastronomie nahm um etwa 33 Prozent ab. 

Folge der Corona-Lockdowns: Extreme Umsatzeinbußen in Gastronomie und Gastgewerbe

Ein Blick in die fränkischen Regionen unterstreicht, dass der Umsatz des bayerischen Gastgewerbes in allen Bereichen deutlich unter dem des Vorjahres liegt. Im Gespräch mit inFranken.de bestätigt dies auch Michael Schwägerl aus Würzburg, Geschäftsführer für den Bezirk Unterfranken des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA).

Die Betriebe in seinem Zuständigkeitsbereich, wie beispielsweise Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt, klagten teilweise über Umsatzeinbußen von über 50 Prozent - auch in den Sommermonaten, wo der harte Lockdown bereits beendet war.

Laut Mathias Schuch, Wirtschaftsförderer bei der Stadt Erlangen, sei das kein Wunder: "Die Gastronomen mussten sich auch in dieser Zeit an viele Regeln halten: So musste der nötige Mindestabstand zwischen den Kunden eingehalten werden, wodurch natürlich nicht mehr so viele Tische besetzt werden konnten. Zudem gab es verkürzte Öffnungszeiten. In Erlangen durften die Betreiber die Gäste nur bis 22 Uhr bewirten."

Große Kulanz bei den städtischen Behörden

Die Städte und Gemeinden haben aber trotz aller Einschränkungen versucht den Gastronomen entgegenzukommen. So gab es beispielsweise in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bayreuth die Möglichkeit, dass die Außenbereiche der Betriebe wie Terrassen kostenlos vergrößert werden durften.

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Normalerweise müssen die Inhaber allein für die Nutzung von städtischen Flächen zahlen, aber auch diese Nutzungsgebühr wurde 2020 ausgesetzt. Ähnliche Konzepte sind in Erlangen und Bayreuth auch für das Jahr 2021 geplant.

Diese Kulanz ist bei den Gastronomen sehr gut angekommen: "Die Behörden haben das ganz klasse gemacht. Das muss man auch mal loben!", sagt Engin Gülyaprak, Kreisvorstand des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes in Bayreuth und Inhaber des  Restaurants Engin's Ponte am Canale Grande.

"Das verzögerte Fließen der Hilfen ist Realität!"

Anders sah es bei den November- und Dezemberhilfen aus. Wie bereits vielerorts berichtet, kamen diese viel zu spät an. Bei Gülyaprak kam der letzte Teil der Novemberhilfen erst Mitte Februar, die Dezemberhilfen wurden bisher noch gar nicht ausgezahlt. Gerade die fehlende Liquidität wird dann bei vielen Wirten zum großen Problem. "Ich habe von einigen Kollegen gehört, dass sie ihre Eigentumswohnungen, die sie jahrelang hart erwirtschaftet haben, nun verkaufen mussten, um den Unterhalt der Betriebe finanzieren zu können. Da ist dann ganz schnell die Altersvorsorge, auf die man 40 Jahre lang hingearbeitet hat, weg", sagt Gülyaprak weiter.

Auch Schuch bestätigt: "Das verzögerte Fließen der Hilfen ist Realität. Selbst wenn die Hilfen ausgezahlt werden, können solche Maßnahmen ein so schwieriges Jahr kaum ausgleichen."

Den stärksten Umsatzrückgang wies der getränkegeprägte Bereich der Gastronomie auf. Hierzu zählen beispielsweise Bars und Diskotheken. Hier gab es sogar Umsatzeinbußen von fast 59 Prozent. Auch die Lokalitäten in der Region leiden stark darunter: "Den Clubs in Bayreuth geht es sehr schlecht. Sie hatten ja keinerlei Möglichkeiten ihr fehlendes Geschäft, beispielsweise durch das Anbieten von Take Away, auszugleichen", sagt der Inhaber von Engin's Ponte am Canale Grande. Und auch der Live-Club in Bamberg leidet stark unter der monatelangen Schließung.

Campingplatzbetreiber: Die "Gewinner" der Krise

Im bayernweiten Vergleich gab es nur eine touristische Branche, die nur einstellige Umsatzeinbußen verzeichnete: die Campingplätze. Das war gerade in Unterfranken ein boomendes Geschäft. 

Laut Schwägler vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband hat der Deutsche, der sonst im Sommer meist ins Ausland fährt, das erste Mal seit Jahrzehnten Urlaub im eigenen Land gemacht.

"Besonders die ländlichen Regionen haben davon stark profitiert: Die Campingplätze und Ferienwohnungen waren sehr gut belegt. Viele Familien kamen mit Wohnmobilen und haben die schönen Orte rund um den Main besucht", sagt er weiter. 

Sinkende Beschäftigungszahlen

Dennoch sind die Folgen der Corona-Pandemie im Bereich der Beschäftigtenzahlen im Gastgewerbe deutlich erkennbar: Ihre Zahl verringerte sich 2020 um 16,5 Prozent, davon in der Beherbergung um 14,4 Prozent und in der Gastronomie um 17,6 Prozent.

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Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten ging mit einem Minus von 22,1 Prozent stärker zurück als die Zahl der Vollzeitbeschäftigten: Hier verloren  im Vergleich "nur" knapp 9 Prozent ihren Arbeitsplatz oder wechselten in andere Branchen. 

"Viele sind in den Einzelhandel abgewandert, gerade während des ersten Lockdowns. In der Gegend rund um Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt waren das etwa 5 bis 10 Prozent. Wenn wir aber irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren, dann werden bestimmt auch viele Fachkräfte wieder zurückkehren", sagt Schwägler. Mathias Schuch von der Stadt Erlangen vermutet, dass die langfristigen Folgen der Pandemie wohl erst im dritten und vierten Quartal dieses Jahres sichtbar werden: "Bis dahin ist gegenseitige Rücksichtnahme und Unterstützung das A und O."

Fränkische Städte beklagen drastischen Rückgang der Übernachtungszahlen

Was die Übernachtungszahlen anbelangt hätten laut Jahrespressekonferenz des fränkischen Tourismusverbandes vor allem die Städte gelitten. In Nürnberg blieben 2020 beispielsweise 1,5 Millionen Menschen über Nacht, ein Rückgang um fast 58 Prozent zum Vorjahr. Auch Rothenburg ob der Tauber, Erlangen, Fürth und Würzburg verzeichneten bei den Übernachtungen Einbrüche von mehr als 50 Prozent.

In den Ferienregionen wie dem Fränkischen Seenland, dem Naturpark Altmühltal, der Fränkischen Schweiz und der Rhön sei der Sommer zwar gut gelaufen, betonte der ehemalige Verbandsvorsitzende und Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Doch damit hätten sich nicht die Verluste vom Frühjahr und Herbst ausgleichen lassen. Der Umsatzausfall betrug rund 2,56 Milliarden Euro von Mai bis September 2020 in ganz Franken.

Die Höhepunkte dieses Jahr seien der 800. Geburtstag der Stadt Ansbach, die 100. Auflage des Mozartfests in Würzburg sowie der 75. Geburtstag der Bamberger Symphoniker, sagte der neue Verbandsvorsitzende Gerhard Wägemann. Zum Jubiläum "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" werde sich Franken außerdem mit seiner jüdischen Kultur auseinandersetzen.

ah/mit Material von dpa

Wie sich die Pandemie auf den Tourismus in Bamberg, einer der meistbesuchten Städte in Franken, ausgewirkt hat, lesen Sie hier.

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