"Wenn der Tiergarten seinem gesetzlichen Auftrag gerecht werden soll, Arten zu schützen, muss er auf begrenztem Raum gesunde und fortpflanzungsfähige Bestände über Jahrzehnte erhalten und deswegen auch Tiere für die Generationenfolge züchten", teilt eine Sprecherin mit. Eine Geburtenkontrolle habe teils erhebliche Auswirkungen auf das Sozialgefüge der Tiere, weshalb man davon Abstand genommen habe. Die Entscheidungslage habe sich seit dem Sommer 2025 nicht geändert, betont die Sprecherin weiter. Einen wie von den Tierschützern geforderten Zuchtstopp lehne man deshalb auch weiterhin ab.
Tiergarten Nürnberg verweist auf Rolle von Zucht zur "Sicherung der Art"
Dass im letzten Jahr sieben der neun neugeborenen Paviane kurz nach der Geburt verstorben sind, habe derweil unterschiedliche Gründe. "Ein Jungtier ist tot geboren, ein anderes hatte Anzeichen von Lebensschwäche und ein stumpfes Trauma und starb nach einem Tag", heißt es vonseiten des Tiergartens. Ein weiteres habe nicht ausreichend Milch erhalten. "Bei diesen beiden Tieren steht die Todesursache fest, weil sie rechtzeitig geborgen und in die Pathologie geschickt werden konnten", so die Sprecherin. Zudem seien fünf Jungtiere den Müttern von anderen Pavianen weggenommen worden. Demnach haben die Mütter ihre Jungtiere in diesen Fällen "nicht rechtzeitig zurückerobern" können, sodass sie verstarben.
Der Kritik an mangelndem genetischen Austausch innerhalb der Pavian-Gruppe begegnet der Tiergarten mit dem Hinweis, dass keine Erkrankungen oder Inzuchtprobleme zu beobachten seien. Die Sprecherin erläutert: "Die Integration externer Tiere, die mit der Gruppe nicht verwandt sind, hat in der Vergangenheit stattgefunden, jedoch nicht zu Nachzuchten geführt." Die Population werde zudem im Rahmen eines europäischen Koordinationsprogramms wissenschaftlich betreut. "Wann die Nürnberger Linie durch Tiere der europäischen Population diversifiziert werden soll, werden die Analysen des EAZA Ex-situ-Programms ergeben", heißt es aus dem Tiergarten.
Auch den Vorwurf einer fehlenden Dokumentation der Elterntiere weist der Tiergarten zurück. "Das Sozialsystem der Guinea-Paviane ist so aufgebaut, dass nicht ersichtlich ist, welches Jungtier welchen Vater hat", erklärt die Sprecherin. "Deswegen werden in Paviangruppen grundsätzlich Verpaarungen nicht gesteuert, sondern dem natürlichen Sozialgefüge überlassen." Für die Bestimmung der Vaterschaft müsse jeder Pavian regelmäßig gefangen und Blutproben genommen werden, was nur dann geschehe, wenn es unbedingt notwendig sei. "Wann immer wir einen Pavian fangen, behandeln oder einschläfern müssen, nehmen wir Blutproben, die auch für genetische Analysen verwendet werden können", so die Sprecherin.
Kein Ausbau des Pavian-Geheges geplant - "würde die grundlegende Frage nicht beantworten"
Mit Blick auf die Auswilderungsfähigkeit der Nürnberger Guinea-Paviane, wie sie von Tierschützern infrage gestellt wird, betont die Vertreterin des Tiergartens: "Unsere Gruppe ist zurzeit ein Modell für isolierte Populationen, wie sie wegen menschengemachter Lebensraumfragmentierung zunehmend in der Wildbahn vorkommen." Eine Auswilderung sei durchaus möglich, wenn es dafür künftig geeignete Schutzräume gebe. Bis dahin diene die Zucht in Nürnberg insbesondere der "Sicherung und dem Überleben der Art".
Um einer Überpopulation vorzubeugen, wolle man auch zukünftig versuchen, die Paviane an geeignete Einrichtungen zu vermitteln. Ein Ausbau des Geheges komme hingegen nicht infrage. "Der Tiergarten hat die Paviananlage im Jahr 2009 erweitert und dabei die Kapazitäten im Innenraum verfünffacht", erklärt die Sprecherin. "Eine zweite Erweiterung würde die grundlegende Frage nicht beantworten und darüber hinaus zulasten anderer, dringend anstehender Kapazitätserweiterungen für weitere bedrohte Tierarten wie Harpyien, Schabrackentapire und Gorillas gehen", heißt es aus dem Tiergarten Nürnberg. Weitere Nachrichten aus Nürnberg findet ihr in unserem Lokalressort.
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