• Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellt Öffnung der Clubs in Bayern in Aussicht
  • Nürnberger Club-Betreiber reagieren unterschiedlich
  • "Haus 33": Betreiberin sieht Impf-Bestimmungen kritisch
  • "Das Unrat": Öffnung im Herbst stehe vonseiten des Clubs nichts im Wege

Nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts am Dienstag (13. Juli 2021) stellte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erstmals eine Öffnung von Clubs und Diskotheken in Aussicht - allerdings nur für vollständig Geimpfte. Bei Nürnberger Club-Betreibern trifft diese Nachricht auf unterschiedliche Reaktionen. "Wir wussten gar nichts. Seit gestern wissen wir, vielleicht haben wir im Herbst Glück", erklärt Gurraj Rattanpal, Betriebsleiter des Nürnberger Clubs "Das Unrat". Seit eineinhalb Jahren hat die Diskothek mitten in der Nürnberger Innenstadt geschlossen. Alternative Einnahmemöglichkeiten seien schwierig für "Das Unrat" erklärt Rattanpal. Der Club habe sich beispielsweise am Projekt der Nürnberg City Werkstatt "Summerstreet Adlerstraße" beteiligt und einige Tische im Außenbereich aufgestellt. Da die Gäste laut Rattanpal ins "Unrat" aber abends "zum Spaß haben und zum Tanzen" kommen, sei die Lage trotzdem schwierig. Über die Neuigkeiten aus der Kabinettssitzung habe man sich deshalb gefreut. 

"Haus 33"-Betreiberin: Club-Öffnung nur für Geimpfte unfair

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte die Öffnung von Clubs und Diskotheken für vollständig gegen Corona Geimpfte zur Steigerung der Impfbereitschaft in Aussicht gestellt. "Ich glaube, der erste Ansatz, den wir dringend brauchen, ist mehr Freiheiten für Geimpfte", sagte der CSU-Chef am Dienstag (13. Juli 2021) in München. Dazu gehöre etwa der Wegfall von Quarantäne-Vorschriften für zweifach Geimpfte und "ab Herbst auf jeden Fall die Öffnung von Clubs und Nachtgastronomie". Derzeit seien solche Erleichterungen noch "relativ sinnlos", da es gerade bei jüngeren Menschen noch kaum zweifach Geimpfte gebe, sagte Söder.

Dominique Lamee, Betreiberin des Tanz- und Nachtclubs "Haus 33", blickt diesen Plänen eher skeptisch entgegen. Die Clubs würden jetzt vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Zwar könne sie die Ursachen verstehen und nachvollziehen, gegenüber Nicht-Geimpften sei es aber unfair. Eine Frage stelle sich ihr sofort: "Wie kommt das an? Wie finden unsere Gäste das eigentlich?" Außerdem frage Lamee sich, ob sie eine Öffnung nur für Geimpfte mit ihrem Gewissen vereinbaren könne.

Eine klare Position, wie das "Haus 33" vorgehen würde, sollte eine Öffnung im Herbst für Geimpfte möglich sein, könne sie noch nicht einnehmen. Momentan habe sie nämlich noch nicht mit ihrem Kollegen und Geschäftsführer darüber gesprochen. Unklar sei für sie auch was passieren würde, sollte man sich entscheiden den Club geschlossen zu lassen. Schließlich würde man dann vermutlich keine Förderungen mehr erhalten.

"Das Unrat" in Nürnberg: Aufwändigeren Einlasskontrolle kein Hindernis

Ein Problem, das auch Rattanpal aktuell noch sieht ist: "Viele junge Leute sind noch nicht geimpft." Trotzdem: "Es ist schon eine Hoffnung, dass es langsam vorwärtsgeht." Man habe schon lange auf eine solche Aussicht gewartet und selbst wenn anfangs nur wenige Besucher im Club, in den sonst 200 Gäste passen, zugelassen wären, sei das trotzdem ein Fortschritt.

Auch Lamee vom Club "Haus 33" könne schlecht einschätzen, wie viele ihrer Gäste momentan schon geimpft sind. Die Frage sei: "Haben wir dann eine volle Hütte oder tanzen wir mit 25 Leuten?" Sollte das der Fall sein, müsse man sehen, ob sich eine Öffnung auch finanziell lohnt. Auch eine Kontrolle von Impfnachweisen, die vermutlich nötig sein wird, sei mit Mehraufwand verbunden, der Kosten verursache. Rattanpal von "Das Unrat" sieht in der etwas aufwändigeren Einlasskontrolle kein Hindernis. "Wir haben ja sowieso die Security da", erklärt er. Sie kontrolliere ohnehin die Ausweise und das Alter der Gäste. Die Kontrolle der Impfnachweise sei deshalb "eigentlich kein Problem."

Die eineinhalb Jahre Corona-Krise haben laut Rattanpal für das "Unrat" einige Schwierigkeiten mit sich gebracht. Glücklicherweise habe der Club Unterstützung und Hilfe vonseiten der Stadt bekommen und auch ihr Vermieter sei ihnen entgegengekommen. Einer Öffnung des "Unrat" im Herbst stehe vonseiten des Clubs also nichts im Wege.

Auch das "Haus 33" ist seit eineinhalb Jahren komplett geschlossen. Aktuell seien dort noch kleine Umbauarbeiten im Gange. Außerdem hätten einige Mitarbeiter das Team aus verschiedenen Gründen verlassen, bis zu einer Wiedereröffnung sei deshalb noch einiges zu tun. Laut Lamee plane man davor eine Art "Probetag" zu simulieren, um zu testen, ob die Abläufe im Club noch reibungslos funktionieren. 

Bayern möchte mit mehr Impfmöglichkeiten und der Aussicht auf mehr Freiheiten wieder mehr Schwung in die Corona-Impfungen bringen. Für Geimpfte stellte Markus Söder außer der Öffnung von Clubs und Diskotheken noch weitere Lockerungen in Aussicht: Ab Herbst müsse es auch darum gehen, dass vollständig Geimpfte bei Kultur- und Sportveranstaltungen nicht mehr zur zulässigen Personenzahl hinzugerechnet würden, erklärte der Ministerpräsident: "Also das heißt, mehr Freiheiten, keine Pflicht."