• RS-Virus hält Krankenhäuser in Region in Atem - Kinderkliniken im Großraum Nürnberg am Limit
  • "Früher und häufiger": Kinderärzte sehen "ungewöhnlich starke Zunahme" von Atemwegsinfektionen
  • Aufnahme erkrankter Kinder in Krankenhäuser teilweise kaum noch möglich - Platz und Personal fehlen

Eine außergewöhnlich starke Infektionswelle bereitet vielen Eltern momentan große Sorgen. Vor allem kleinere Kinder kämpfen derzeit mit Symptomen wie Husten, Ohrenschmerzen und verstopfter Nase. Erkältungswellen sind an sich kein neues Phänomen - der frühe Zeitpunkt und das hohe Ausmaß der Infektionen sorgen allerdings vielerorts für Unruhe. Denn: Die Situation ist durchaus ernst. Vor allem das hochansteckende RS-Virus sorgt frankenweit für volle Kinderarztpraxen und Krankenhäuser. Im Großraum Nürnberg stehen die Kinderkliniken an der Belastungsgrenze.

Immer mehr Fälle mit RS-Virus: Kinderkliniken im Großraum Nürnberg schlagen Alarm

Für die gegenwärtige Infektionswelle ist maßgeblich das sogenannte Respiratorische Synzytialvirus (RSV) verantwortlich. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge handelt es hierbei um einen weltweit verbreiteten Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Eine Ansteckung mit dem RS-Virus ist demnach in jedem Lebensalter möglich. Gefährlich kann eine Infektion aber vor allem für Babys und Kleinkinder werden. Insbesondere bei Früh- und Neugeborenen sind schwere Luftnot und akute Atemprobleme möglich. 

"Die Kinderkliniken und niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in der Metropolregion konstatieren eine für diese Jahreszeit ungewöhnlich starke Zunahme von Atemwegsinfektionen", berichten das Klinikum Fürth, die Cnopfsche Kinderklinik in Nürnberg und das Universitätsklinkum Erlangen in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Im Augenblick müssen demnach "überdurchschnittlich viele Kinder mit Atemwegsinfekten" in den Kliniken behandelt werden.

Gleichzeitig fehle es an Platz und Personal. Aufnahmen in Kinderkliniken seien zum Teil kaum noch möglich, heißt es. Die Erlanger Kinderklinik hatte diesbezüglich erst vor wenigen Tagen Alarm geschlagen: Wegen des grassierenden RS-Virus gibt es dort aktuell keine freien Betten. Die drei mittelfränkischen Krankenhäuser weisen zugleich darauf hin, dass die medizinische Versorgung in den Kliniken derzeit durch eine enge Abstimmung und Patientenverlegungen zwischen den Kliniken dennoch zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sei. 

Wegen Corona: Infektionswelle mit RS-Virus 2021 "deutlich früher als üblich"

Wie sich bereits im September abgezeichnet habe, träten Atemwegserkrankungen - "und hier insbesondere Erkrankungen mit dem RS-Virus" - in diesem Jahr "deutlich früher als üblich" auf. "Normalerweise kommt es erst in den Wintermonaten zu einer Häufung von Atemwegserkrankungen, die durch RS-Viren ausgelöst werden", erklären die Krankenhäuser aus Fürth, Nürnberg und Erlangen. Dies sei nun aufgrund der Corona-Pandemie allerdings dieses Jahr anders. 

Den fränkischen Kliniken zufolge holen die Kinder mit dem Wegfall der Kontaktbeschränkungen Infekte nun deutlich früher nach. "Aufgrund der im Jahr 2020 und im Frühjahr 2021 geltenden Hygiene- und Lockdown-Maßnahmen wurde die Ausbreitung von RS-Viren, aber auch anderer Atemwegserkrankungen, über einen langen Zeitraum verhindert, sodass Kinder keine Abwehr dagegen aufbauen konnten", heißt es in der Pressemitteilung.

Sowohl die Kinderkliniken als auch die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte schätzten die Situation bereits jetzt, zu Beginn der eigentlichen Infekt-Saison, "als kritisch" ein. Der Grund: Die Erkrankungswelle stelle die Kinderkliniken im Großraum vor große Herausforderungen. Als Hauptprobleme für die angespannte Situation nennen die drei Kliniken gleich mehrere Aspekte: "Massive Platznot, der Mangel an Pflegekräften und krankheitsbedingte Ausfälle beim klinischen Personal führen in der derzeitigen Situation zu einer Überlastung der Kinderkliniken sowie zu Abmeldungen beim Rettungsdienst." 

RS-Virus: Fränkische Kinderkliniken klären auf - das sollten Eltern wissen

Durch die tägliche enge Abstimmung zwischen den Kinderkliniken (Klinikum Fürth, Diakoneo Cnopfsche Kinderklinik, Klinikum Nürnberg, Universitätsklinikum Erlangen) sowie durch Patientenverlegungen hätten dennoch bisher alle kleinen Patientinnen und Patienten versorgt werden können, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

"Trotz übervoller Kinderkliniken müssen Eltern bei Anzeichen eines Atemwegsinfekts nicht in Panik verfallen", betonen die mittelfränkischen Krankenhäuser. In den meisten Fällen verliefen die Atemwegsinfektionen - laut den Chefärzten der Kinderkliniken - wie eine Erkältung. Es handele sich um typische Erkältungsviren, die bei Säuglingen und Kleinkindern manchmal eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich machten - meist aber nicht mit schweren Verläufen.

"Gefährlich kann eine Infektion dagegen für ehemalige sehr kleine Frühgeborene sowie Kinder mit Vorerkrankungen (etwa Herzfehler) vor allem in den ersten beiden Lebensjahren werden." In jedem Fall sollten Eltern auf Warnzeichen wie Fieber über 38 Grad, Schwierigkeiten beim Atmen, Verweigerung der Nahrungsaufnahme oder bläuliche Lippen und Nägel achten und sich dann umgehend an einen Kinder- und Jugendarzt wenden.

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