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Nürnberg
Auktion

Schnäppchen-Jäger, aufgepasst! Kult-Brauerei versteigert gesamtes Inventar

Mit der "Lederer-Kulturbrauerei" verschwindet ein großes Stück Biergarten-Geschichte aus Nürnberg. Auf einer Auktion wird derzeit das komplette Inventar der Gaststätte versteigert. Vom Wirtshaustisch bis zur Dampfmaschine - alles kommt restlos unter den Hammer.
 
Restlos unter den Hammer kommt das gesamte Inventar der "Lederer-Kulturbraurerei". Foto: Nikolas Pelke
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Großauktion in Nürnberg: "Lederer Kulturbrauerei" versteigert komplettes Inventar: Die Gemütlichkeit ist Geschichte. Jetzt kommt alles unter den Hammer. Alles muss raus  - von der kupfernen Sudpfanne bis zum alten Wirtshaustisch. 

Bis Ende August haben die Bieter noch Zeit, sich ihre Gebote genau zu überlegen. Am nächsten Samstag (15. August 2020) können die Objekte noch einmal von 11 bis 13 Uhr persönlich in Augenschein genommen werden. Die Zuschläge werden wie die gesamte Online-Auktion im Internet bekannt gegeben.

Historische Gaststätte wird aufgelöst: Knapp 1000 Objekte suchen neuen Besitzer

„Wir schenken dem Inventar der alten ,Lederer-Kulturbrauerei` ein zweites Leben“, freut sich Fabian Altrichter, der mit seiner Gesellschaft zur Industrieverwertung die Auflösung der historischen Gaststätte übernimmt. 

Derweil huschen zahlreiche Schnäppchen-Jäger durch das alte Gemäuer im Nürnberger Stadtteil Gostenhof. Fast tausend Positionen sind mit kleinen Nummernschildern für die Versteigerung versehen. „Ich schau` mich einfach mal um“, sagt Winfried aus Nürnberg und bleibt vor alten Motoröl-Dosen stehen, die auf einem Holzregal an der Wand zur Zierde fein säuberlich aufgereiht sind.  

„Die würden sich in meiner Garage auch schön machen“, sagt Winfried und taxiert mit Kennerblick den Preis der historischen Schätzchen. „Die eine Esso-Dose kostet auf dem Flohmarkt bestimmt schon allein 50 bis 100 Euro“, sagt Winfried und schiebt die Lesebrille auf die Nase, um den kleingedruckten Auktionskatalog besser studieren zu können.

Motoröl-Dosen-Konvolut zum Startpreis von fünf Euro

Unter der Nummer 317 werden die schönen Motoröl-Dosen gleich im Konvolut zum Startpreis von schlappen fünf Euro angeboten. Das alte Holzregal gibt es unter der Überschrift „Regal mit Inhalt, Vintage“ praktisch gratis obendrauf dazu. Winfried macht mit dem Kugelschreiber ein Ausrufezeichen hinter die Auktionsnummer mit den Motoröl-Dosen. 

Was hat Motoröl überhaupt in einer historischen Brauerei-Gaststätte zu suchen, könnten genauso kritische Zeitgenossen an dieser Stelle durchaus zu Recht fragen. Das hat mit Christian Lederer zu tun, der 1814 die Nürnberger Lederer-Brauerei begründete. Der aus Thalmässing stammende Brauer hat praktisch selbst Öl im Blut gehabt.

Als erster Nürnberger Brauer hat Lederer bereits um 1850 nach englischem Vorbild auf Dampfmaschinen zur Bierherstellung gesetzt. Seine Fortschrittlichkeit ist sogar so weit gegangen, dass Christian Lederer für die erste Fahrt des legendären Adler von Nürnberg nach Fürth als Frachtgut zwei Lederer-Fässer spendierte und damit am 11. Juli 1836  die nationale Eisenbahngeschichte um ein entscheidendes Bier-Kapitel bereicherte.

Nostalgie pur: Dampfmaschine aus dem Jahr 1911

Die alte Technik-Begeisterung des Lederer-Gründers kommt jetzt ebenfalls unter den Hammer. Als Startpreis für die alte Dampfmaschine aus dem Jahr 1911, die bis zuletzt im Gastraum  der Lederer-Kulturbrauerei an die glorreiche Vergangenheit erinnert hat, sind schlappe 240 Euro aufgerufen.  

„Wir haben sogar einen Interessenten aus Südamerika“, freut sich Altrichter und zeigt auf die alte Dampfmaschine, die mit einem Zylinder und einem Kolbenhub von 550 Millimeter bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN)  hergestellt worden ist.

Einen Haken hat das alte Dampfschätzchen allerdings, den potenzielle Bieter beachten sollten. Und damit mein Altrichter nicht den obligatorischen Auktionsaufschlag in Höhe von 18 Prozent, von dem seine „Restlos“-Industrieverwertungsgesellschaft in der Nürnberger Kilianstraße lebt. Auch nicht die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 16 Prozent, die selbstverständlich ebenfalls nach dem Zuschlag auf den Nettopreis hinzukommt.

Spezialfirma: Abtransport kostet rund 15.000 Euro 

„Vor der Zuschlagerteilung muss ein Demontageplan vorgelegt werden“, sagt Altrichter und deutet mit einem leichten Lächeln an, dass der Abbau nicht ganz billig werden könnte. Eine Spezialfirma würde für die Demontage per Kran und den Abtransport per Lkw etwa 15.320 Euro verlangen. Netto – versteht sich. 

Winfried interessiert sich sowieso mehr für die kleineren und weniger schwergewichtigen Objekte aus der Inventarliste. „Die Eisenbahn ist ganz schön“, sagt der Sammler und zeigt auf die Modelleisenbahn, die auf Schienen unter der Decke durch die Gasträume rattert.  Mit der Nummer 304 sind für die Eisenbahn inklusive Schienen und Deckenhalterung 25 Euro als Anfangsgebot aufgerufen.

Nebenan rund um die alten Wirtshaustische tummeln sich derweil viele Profis aus dem Gastgewerbe. „Ich könnte für meinen Biergarten ein paar schöne Holzstühle gebrauchen“, sagt David Hertl von der gleichnamigen Biermanufaktur in Schlüsselfeld im schönen Steigerwald. 

Auf dem Gelände der Kulturbrauerei sollen Wohnungen entstehen

„Wir wollen unsere Grill-Hütte perfekt ausstatten“, sagen Christian und Alfons und schauen sich hinter der Theke mit den großen Zapfanlagen um.

Sogar um die alte Sudpfanne aus Kupfer wird fleißig gefachsimpelt. Gerade wird überlegt, wie viel der Abtransport der verführerisch funkelnden aber tonnenschweren Braukesseldekoration zum Startpreis von 1850 Euro wohl kosten würde.  

Auf dem Gelände der alten Kulturbrauerei sollen Wohnungen entstehen. Die Bäume in dem schönen Biergarten würde die Stadt gerne als Park erhalten. 

Besichtigung vor Ort nur nach vorheriger Anmeldung

Bis zum Ende des Monats haben die Bieter noch Zeit, sich ihre Gebote genau zu überlegen. Am Samstag, dem 15. August, können die Objekte noch einmal von 11 bis 13 Uhr persönlich in Augenschein genommen werden.

Eine Besichtigung ist allerdings nur nach vorheriger schriftlicher Anmeldung per E-Mail unter info@restlos.com möglich. Die Anmeldefrist ist hierfür Mittwoch, 12. August, um 10 Uhr.

Die Zuschläge werden wie die gesamte Online-Auktion im Internet bekannt gegeben. Die Abholtermine finden ganz analog und real im September statt. Sämtliche Informationen rund um die Versteigerung finden Sie auf der Webseite des Onlineportals "Restlos".

Braucht Franken ein eigenes Museum? Wenn es nach den Mitgliedern des Freundeskreis "Die Frankenstimmen" geht, gibt es darüber keine zwei Meinungen. Die Geschichte und Kultur der Region müsse gewahrt werden.