Keine Motorrad-Sternfahrt, keine Bierwoche, rund drei Monate null Umsatz in der Gastronomie und ein Einbruch beim Export - Corona hat die Planungen der Kulmbacher Brauerei für 2020 gehörig über den Haufen geworfen. Umso überraschender, dass Vorstandsvorsitzender Markus Stodden sagt: "Wir rechnen zwar mit einem Umsatzrückgang, dochist auch 2020 ein positives Ergebnis realistisch." Das hörten die Aktionäre gerne, als sie am Donnerstag die Jahreshauptversammlung der Kulmbacher AG am heimischen Computer mitverfolgten und von dort auch abstimmen konnten. Dabei entlasteten sie Vorstand und Aufsichtsrat mit großer Mehrheit.

Stodden sprach von einem "erfreulichen Jahr 2019", in dem die Kulmbacher Gruppe mit 3,32 Millionen Hektolitern eine ähnlich hohe Menge an Getränken verkaufte wie im Rekordsommer 2018 (3,33 Millionen), den Umsatz um 0,5 Prozent auf 232 Millionen steigerte und mit einem operativen Bilanzüberschuss von 12,6 Millionen Euro deutlich über den Erwartungen (10,0) lag. Unter dem Strich verzeichnete die Kulmbacher Gruppe 2019 einen Gewinn von 5,2 Millionen Euro (2018: 5,5), von dem fünf Millionen an die Aktionäre gehen. Pro Aktie werden 1,50 Euro Dividende ausgeschüttet.

Natürlichkeit ist gefragt

"Das Unternehmen steht sehr gut da", sagte Markus Stodden. So habe man erneut dem dem anhaltend negativen Branchentrend - 2019 wurden in Deutschland 1,6 Millionen Hektoliter Bier weniger getrunken als ein Jahr zuvor - getrotzt, was zum einen neuen Rezepturen (Stodden: "Natürlichkeit ist angesagt"), zum anderen zwei alten Biermarken zu verdanken ist - Mönchshof und Kapuziner.

"Mönchshof legt ein Rekordjahr nach dem anderen hin", freute sich Stodden. Nach acht Prozent Wachstum kratzt der Hektoliter-Ausstoß von Mönchshof an der Millionen-Marke. Die größten Wachstumstreiber sind das Natur-Radler mit und inzwischen auch ohne Alkohol sowie das alkoholfreie "Naturtrübs" (20 Prozent Wachstum). Inzwischen ist jedes vierte verkaufte Bier in der Bügelverschlussflasche in Deutschland ein Mönchshof.

Auch das Auge trinkt mit. So greifen die Kunden immer öfter zur Bügelverschlussflasche, in der neben Mönchshof die Kapuziner Weißbiere (Alkoholfrei plus 4,2 Prozent) angeboten werden.

Auch bei der 85-prozentigen Tochter Bad Brambacher liege man mit Erfrischungsgetränken ohne künstliche Inhaltsstoffe und dem verstärkten Einsatz von Mehrweg-Glasflaschen voll im Trend, so Stodden.

Weniger Pilstrinker

Allerdings kaufen die Deutschen immer weniger Pils. Vier Prozent weniger wurde 2019 getrunken, das Kulmbacher Edelherb verlor sogar fünf Prozent. Stodden führt im Geschäftsbericht 2019 einige Gründe dafür an, unter anderem "das Überangebot an Pilsmarken und deren geschmackliche Austauschbarkeit". Weil der Kunde immer mehr zu regionalen Bierspezialitäten greife, würde der Preiskampf im Pils-Markt immer härter: "Über 70 Prozent der Pils-Biere werden nur zu Aktionspreisen verkauft", beklagt Stodden.

In Nordbayern ist Kulmbacher aber weiter unangefochten die Nummer 1. Das soll auch der Kernabsatzmarkt bleiben, wie Stodden sagt, der Corona auch als Chance für sein Unternehmen sieht: "Die Krise hat auch für eine Rückbesinnung auf das Regionale gesorgt."

Neuer Aufsichtsrats-Chef

Die Kulmbacher Brauerei AG hat einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden. Das Gremium wählte gestern Hermann Brandstetter, Finanzvorstand der Schörghuber Gruppe und seit 2018 Mitglied des Aufsichtsrates, zum Nachfolger von Klaus N. Naeve, der nach elf Jahren ausschied. Zuvor hatten die Aktionäre den früheren Technikvorstand der Kulmbacher Brauerei, Jörg Lehmann, Vorstandsvorsitzender der Paulaner AG und Chef des Deutschen Brauerbundes, neu in den Aufsichtsrat gewählt. Brandstetter und Lehmann vertreten ebenso wie Stefan Fischbach (Mitglied der Geschäftsführung der Paulaner Brauerei) den Mehrheitseigner (63 Prozent) der Kulmbacher AG, die Paulaner Brauerei Gruppe (vormals Brau Holding International).

Zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Ireks-Geschäftsführer Hans-Albert Ruckdeschel gewählt, dessen Unternehmen 26 Prozent der Kulmbacher-Aktien besitzt. Arbeitnehmervertreter sind wie bisher Martina Weber und Thomas Gillich.cs

Güterbahnhof: Klappt der Verkauf?

Fast genau vor einem Jahr kam die frohe Kunde - die Kulmbacher Brauerei ist bereit, das 4,9 Hektar große Gelände am Güterbahnhof zu verkaufen, damit dort der neue Uni-Campus entstehen kann. Doch noch immer ist das Geschäft noch nicht über die Bühne gegangen. Vorstandsvorsitzender Markus Stodden sagt dazu auf BR-Anfrage nur einen Satz: "Ob der Freistaat Bayern unsere Grundstücke auf dem Güterbahnhofsgelände zur Errichtung des Uni-Campus erwirbt, liegt nicht in unserer Hand." Offensichtlich eine Preisfrage.

Herr Stodden, 2019 wurde im Freistaat 3,3 Prozent weniger Bier getrunken als ein Jahr zuvor. Muss man sich um den Bier-Durst der Bayern Sorgen machen?

Dieser Trend besteht bereits seit den 1980er Jahren. Wir rechnen auch in Zukunft mit einem sinkenden Bierkonsum. Es gibt aber Biere, die sich einer steigenden Nachfrage erfreuen: Das sind regionale Spezialitäten mit handwerklichem Charakter. Die Kulmbacher Gruppe bedient diese Nachfrage unter anderem mit den Marken Mönchshof Brau-Spezialitäten und Kapuziner Weißbier sehr erfolgreich.

Auch bei der Kulmbacher Brauerei gab es Kurzarbeit. Kann man schon abschätzen, wie sich die Corona-Krise auf das Geschäftsjahr 2020 niederschlagen wird?

Auch wenn wir mit dem stabil laufenden Handelsgeschäft die Verluste der Bereiche Gastronomie, Export und Veranstaltungen nicht komplett kompensieren können, so konnten wir zumindest sicherstellen, dass die Kulmbacher Brauerei AG durch die Krise kommt.

Müssen sich ihre Mitarbeiter Sorgen um den Arbeitsplatz machen?

Für Mitarbeiter des Außendienstes und Teile der Verwaltung wurde seit dem 20. April befristet bis zum 31. Juli Kurzarbeit eingeführt. Um die finanziellen Einbußen der Mitarbeiter zu mildern, haben wir das Kurzarbeitsgeld von 60 Prozent des Nettolohns auf mindestens 80 Prozent aufgestockt. Unsere Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen.