Arbeitsverbot mit gefährlichen Folgen: Erst am Dienstag verlängerten Bund und Länder den Lockdown bis Mitte Februar. Für viele bedeutet das ein verlängertes Arbeitsverbot - auch für Prostituierte.

Denn seit Anfang November sind Bayerns Bordelle geschlossen, auch im privaten Bereich dürfen Sexarbeiter nur online arbeiten. Dienstleistungen mit körperlicher Nähe zum Kunden sind streng untersagt. 

Berufsverbot treibt Prostituierte in Nürnberg in Illegalität

Manuela Göhring, Sozialarbeiterin bei der Fachberatungsstelle "Kassandra" für Prostituierte, sieht katastrophale Folgen des Prostitutionsverbots: "Ich bin mir sicher, dass viele aktuell illegal weiter arbeiten", berichtet sie inFranken.de. Es laste ein enormer Druck auf den Prostituierten. "Schon im letzten Jahr konnten sie sieben Monate nicht arbeiten", so Göhring. Und auch als die Prostitution erlaubt war, gab es deutlich weniger Kunden als sonst. 

"Die Situation ist unglaublich schwer", erzählt Göhring. Wenn man wisse, man habe nur zwei oder drei Monate zu überbrücken, wäre das kein so gravierendes Problem. "Aber aktuell gibt es keinen Lichtblick. Wir wissen ja alle nicht, wie lange das noch so weitergeht." Natürlich rate sie den Prostituierten ab, illegal zu arbeiten. "Aber viele sehen keine andere Möglichkeit." Sie empfiehlt den Sexarbeitern, Hartz IV zu beantragen. Aber nicht alle seien dafür lange genug in Deutschland oder haben hier einen festen Wohnsitz. "Diesen Menschen kann ich nur raten, in ihre Heimatländer zurückzukehren."

Dazu komme noch das Problem, dass viele mittlerweile obdachlos sind. Im ersten Lockdown war es noch gestattet, dass Bordellbetreiber Prostituierte in ihren Zimmern wohnen lassen - das sei jetzt ausdrücklich verboten. "Dass viele jetzt alleine und ungesichert an unbekannten Orten ohne Dach über dem Kopf arbeiten, ist katastrophal", so Göhring. "Sexarbeiter haben immer noch keine Lobby in Deutschland, das Thema wird totgeschwiegen."

Angst vor Stigmatisierung

Nicht alle nehmen die Hilfe vom Kassandra e.V. in Anspruch. "Viele trauen sich nicht, bei uns anzurufen, geschweige denn vor der Tür zu stehen", erzählt Göhring. Die Angst vor einer Sprachbarriere oder einer Stigmatisierung sei groß. "Viele wissen nicht, dass unsere Beratung anonym ist und der Schweigepflicht unterliegt." Vor allem für Prostituierte aus anderen Ländern sei die deutsche Behördenstruktur oftmals noch unklar. 

Normalerweise ist Manuela Göhring viel unterwegs. "Unsere Arbeit ist sehr niedrigschwellig", sagt sie. Aber Außentermine fallen durch Corona weg. "Ich versuche, trotzdem einige zu erreichen und werfe Zettel in Briefkästen. Aber die Bordelle sind eben leer." Ob sie so jemanden erreiche, wisse sie nicht. "Trotzdem sollen alle wissen: Wir sind noch da. Und wir versuchen, zu helfen."

Beratungsstelle Kassandra e.V. 

Kostenlose, anonyme Beratung in vielen Sprachen: Tel.: 0911 – 37 65 277