• Nürnberg: Dramatische Corona-Lage in den Kliniken
  • "Alle Betten voll": Oberarzt schlägt Alarm
  • Kaum mehr Platz für Notfälle am Klinikum Nürnberg-Nord
  • Leiter der Intensivstation macht Ungeimpfte für Situation verantwortlich

Corona-Lage in Nürnberg wird dramatischer - Klinikpersonal laut Oberarzt an Belastungsgrenze. Im Großraum Nürnberg befinden sich die Intensivstationen mehrerer Kliniken an der Grenze zur Vollbelegung. Das berichtet die Nachrichtenagentur News5 und bezieht sich dabei auf aktuelle Zahlen aus dem DIVI-Intensivregister. Gegenüber News5 spricht der Oberarzt der Intensivmedizin am Klinikum Nürnberg-Nord Klartext. Und er macht die geringe Impfquote für die Situation verantwortlich. 

"Sehr angespannt": Nürnberger Klinikum in vierter Welle bereits jetzt am Limit

 "Die Lage ist sehr angespannt, es sind alle Betten voll. Wir versuchen noch, Notfälle unterzubekommen", so Oberarzt Armin Geise vom Klinikum Nürnberg Nord. Neben vielen Corona-Patienten lägen dort auch noch schwerkranke Menschen auf der Intensivstation, die das Krankenhaus ebenso versorgen müsse.

Grund für die hohe Belegung könnte neben der infektiösen Delta-Variante auch die kalte Jahreszeit, die geöffneten Schulen und ungeimpfte Kinder sein, so Geise. Dennoch ist er sich sicher: "Es wäre nicht so, wenn der Anteil der geimpften Bevölkerung höher wäre." 

Die Krankenhäuser seien an der "absoluten Belastungsgrenze", ebenso sei es für die Beschäftigten in der Klinik mit der vierten Welle bereits "eine ganz lange Zeit". Erschwert werde das Ganze durch weniger Personal aufgrund "natürlicher Fluktuation" und in den ersten Wellen verschobene Operationen, etwa von Patienten und Patientinnen mit Tumoren. 

Oberarzt um Kinder besorgt: Meisten Betroffenen sind ungeimpfte Eltern

Als Maximalversorger sehe man am Klinikum Nürnberg-Nord die schwersten Krankheitsfälle und besonders die "jungen Leute". Bei Ihnen sei das Alter im Schnitt 40 Jahre, "das fängt bei 32 Jahren an", besonders "tragisch" sei, dass es sich praktisch durchgehend um ungeimpfte Eltern handle, die sich bei ihren Kindern oder im sozialen Umfeld ansteckten, das sei "jetzt besonders hart zu erleben". 

"Prognosen sind schwierig", so Geise. Man sei "jetzt schon an der Grenze dessen, dass wir die schwerkranken Patienten optimal versorgen können". In den vergangenen Wellen habe sich unter den Kliniken ein gutes Netzwerk aufgebaut. Allerdings gäbe es generell zu wenig Fachkräfte, an der technischen Ausstattung liege es hingegen nicht. 

Für Nürnberg weist das DIVI-Intensivregister am Mittwochabend (03. November 2021) 22 Corona-Patient*innen auf der Intensivstation aus, elf von Ihnen müssen derzeit beatmet werden. Von 150 Betten sind derzeit 136 belegt. Die Inzidenz in Franken lag am Mittwochabend bei 160,7, die Krankenhausampel für Bayern bereits bei 487 belegten Corona-Betten im Freistaat. 

Aktuell nähern sich drei fränkische Landkreise der Warnstufe Rot.  Wegen der allgemein hohen Zahl von schwer Erkrankten hat die bayerische Regierung die Corona-Regeln erheblich verschärft.

Vorschaubild: © NEWS5/Merzbach