• Nürnberg: Kita-Caterer trotzt der Kostenexplosion
  • "Verzicht auf Preiserhöhungen": Kita-Essen wird nicht teurer
  • Geschäftsführer erklärt Erfolgsgeheimnis
  • "Geht alles, wenn man nur will" - Catering-Chef macht Industrie Vorwürfe

Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg: Die Catering-Branche steckt wortwörtlich in der Krise. Das Wegbrechen wichtiger Kunden durch die Schließung von Schulen und Kitas während der Corona-Pandemie hat vielen Unternehmen Probleme bereitet. Seit Beginn des Ukraine-Krieges verschlimmerte sich die Situation zusätzlich, da die Preise für Lebensmittel teils drastisch erhöht wurden. Der Nürnberger Unternehmer Marco Graf und sein Team suchten daraufhin nach Lösungen, um die Preise für die Kunden niedrig zu halten: mit Erfolg, die Preise sind bis heute genau wie vor der Krise.

"Bloß darauf gewartet, die Preise zu erhöhen" - Caterer aus Nürnberg macht der Industrie Vorwürfe

Grafs Unternehmen "Chef Happy", das hautsächlich Schulen und Kinderhorte in der Region Nürnberg beliefert, hatte zu Beginn der Corona-Pandemie selbst Schwierigkeiten: "Während Corona fielen Schulen, Kinderhorte und Gemeindefeiern als Kunden weg, daher hatten wir auch Probleme. Doch dann kontaktierten uns vermehrt Einrichtungen, deren Caterer nicht mehr lieferten" erklärt Graf im Gespräch mit inFranken.de. Diese Lücken hätten der Unternehmer und sein achtköpfiges Team dann gefüllt. "Corona gab uns deshalb einen ordentlichen wirtschaftlichen Schub" so Graf.

Dann kam der Februar 2022, und erneut wurde der Catering-Service vor eine große Herausforderung gestellt: "Seit dem Ukraine-Krieg sind die Preise explodiert" schildert der Unternehmer, es habe einen Teilanstieg von 25 bis 50 Prozent der Lebensmittelpreise gegeben. "Die Kosten für fünf Kilogramm Nudeln stiegen von 5 auf 7,50 Euro. Bei Rindfleisch war es sogar noch extremer", so Graf. Für ihn ist der Krieg jedoch nicht der alleinige Auslöser: "Ich habe den Verdacht, Teile der Industrie haben bloß darauf gewartet, die Preise zu erhöhen".

Während andere Catering-Unternehmen aus diesem Grund die Preise erhöht hätten, sei man bei "Happy Chef" einen anderen Weg gegangen: "Wir kennen die Eltern der Kinder mitunter selbst und haben deshalb mit dem Team nach Lösungen gesucht, um den Preis nicht zu erhöhen". Graf und seine Frau haben selber drei Kinder und wüssten daher, "dass man in solchen Zeiten jeden Cent zwei mal umdreht".

Neues Konzept des Kita-Caterers geht auf - Preise "genau wie vor der Krise"

In der Folge setzte der Nürnberger Catering-Service auf ein neues Konzept: Von nun an habe man sich von mehreren Lieferanten beliefern lassen und habe vermehrt Lebensmittel gekauft, die gerade günstig im Angebot gewesen seien. "Teilweise erhöhen die Lieferanten ihre Preise für bestimmte Lebensmittel kurzfristig enorm, dann kaufen wir stattdessen etwas günstigeres ein" erläutert Graf das neue Geschäftsmodell. Dadurch könne man flexibel auf Preisanstiege reagieren und den Preis für den Kunden stabil halten. 

Die Taktik ging auf: "Die Preise sind genau wie vor der Krise" erzählt Graf begeistert. "Den fehlenden Gewinn durch den Verzicht auf Preiserhöhungen machen wir durch die Zunahme von Kunden wieder wett. Es geht eben alles, wenn man nur will."

Trotzdem warnt der Nürnberger Unternehmer: Noch habe man Kapazitäten frei, "aber ewig können wir das Spiel nicht mehr treiben". Sollten die Energiepreise weiter steigen, würde auch "Happy Chef" irgendwann am Limit sein.

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