Gefühlt regnet es oft genug, aber dennoch ist Franken viel zu trocken, meint Hydrogeologe Professor Johannes Barth von der FAU. Auch mehrere regenintensive Monate ändern daran wenig. Prof. Johannes Barth arbeitet am GeoZentrum Nordbayern der FAU und forscht unter anderem auch im Projekt AquaKlif zur Wasserqualität von Fließgewässern und Grundwasser, so die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Ein Fokus hierbei liegt auf Veränderungen des für Lebewesen so wichtigen Sauerstoffgehalts. Dieser ist auch stark von Niederschlagsmengen abhängig. 

Wieso ist Franken eine Trockenregion? 

Gerade in Nordbayern ist Wasserknappheit ein chronisches Problem. Die Ursachen sind aber natürlich: Es gibt hier weniger Gebirge als im Süden Bayerns und somit regnet es an fehlenden steilen Bergflanken auch weniger. Auch wenn es mal viel regnet, ist der Niederschlag im Nürnberger Raum immer noch unterdurchschnittlich.

Sie untersuchen unter anderem die Auswirkungen von Niederschlag und dessen Ausbleiben in einem Forschungsprojekt. Können Sie uns mehr darüber erzählen? 

Im Rahmen des Projekts AquaKlif untersuchen wir Einflüsse von Stressoren auf Fließgewässer vor allem in Nordbayern. Wir untersuchen Fragen wie „was passiert in einem Gewässer, wenn das Wasser knapp wird oder wenn es wärmer wird“. Ein wichtiger Forschungspunkt, der bisher kaum untersucht wurde, ist auch der Einfluss von Feinsedimenten in Gewässern.

Dazu bauen wir zum Beispiel Fließrinnen auf, sodass wir bei jedem Experiment gleiche Bedingungen haben. AquaKlif ist Teil von BayKlif, einer Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Klimaschutzprogramms.

Wie beeinflusst die Niederschlagsmenge Gewässer? 

Bei einem Starkregen werden aber Feinsedimente vermehrt in Flüsse gespült, bevor sie sich wieder absetzen. Dadurch kann der Porenraum des Flussbetts zugesetzt werden. Das hat zur Folge, dass weniger Sauerstoffaustausch stattfindet.

Wasserzuschub durch Niederschlag in normalen Mengen ist aber auch wichtig, denn dann herrscht reger Sauerstoffaustausch und auch Grundwasser kann sich besser erneuern. Auf der anderen Seite herrscht bei starker Trockenheit und großer Hitze chronischer Sauerstoffmangel. Dieser kann so kritisch sein, dass Arten sterben.

Warum ist der Sauerstoffgehalt in Gewässern so wichtig? 

Sauerstoff ist eher schlecht wasserlöslich und somit immer Mangelware in Gewässern. Damit ist der Nachschub von Sauerstoff enorm wichtig. Bei Oberflächengewässern geschieht das durch den Austausch mit der Atmosphäre oder auch durch Fotosynthese.

Wir untersuchen, was getan werden kann, um den Sauerstoffgehalt zu begünstigen. Eine viel diskutierte Möglichkeit ist mehr Begrünung von Gewässerrandstreifen. Das ist aber eine komplexe Thematik, weil es verschiedene Anspruchs- und Eigentumsverhältnisse gibt. Als Wissenschaftler ist es hauptsächlich unsere Aufgabe, ein Prozessverständnis in dieser Diskussion zu erzeugen.

Was passiert im Fluss, wenn es zu trocken ist? 

Bei starker Trockenheit werden Lebensgemeinschaften im Freiwasser aber auch in den Sedimenten beeinflusst. In Nordbayern gibt es zum Beispiel ökologisch sehr wertvolle Perlmuschelbestände, die durch Trockenheit und zu hohe Temperaturen bedroht sind.

Perlmuscheln haben ein komplexes Wachstumsverhalten im Flussbett. Wenn dann auch noch der ohnehin knappe Sauerstoff wietr abnimt können sie sich schlecht entwickeln oder absterben.

Was kann jede und jeder persönlich tun, um Gewässern zu helfen? 

Man sollte erstmal ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie Gewässer reagieren, wenn es zu wenig regnet. Wassersparen ist natürlich gut, aber es hilft kaum, wenn einzelne Personen exzessiv Wasser sparen, sondern man sollte eher effiziente Bewässerungsmethoden wie Tröpfchenbewässerung auch in eigenen Gärten andenken. Natürlich kann man sich auch engagieren, um zum Beispiel Stadtgrün und Uferbereiche zu erhalten.

Ein weiterer Vortrag zu Grundwasser ist unter 

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