In nichtöffentlicher Sitzung hat der Nürnberger Stadtrat am heutigen Mittwoch, 18. Mai 2022, über die diesjährige Verleihung der Bürgermedaille entschieden, erklärt die Stadt Nürnberg. Die Verleihung der Bürgermedaille finde in einer festlichen Sondersitzung des Ältestenrats am Stadtgründungstag, Samstag, 16. Juli 2022, statt.

Mit der Bürgermedaille der Stadt Nürnberg würden seit 1960 Nürnberger Bürgerinnen und Bürger geehrt, die sich besondere Verdienste um die Stadt Nürnberg erworben hätten.

Nach Vorschlägen des Oberbürgermeisters und der Fraktionen ehre die Stadt Nürnberg heuer folgende Bürger mit ihrer zweithöchsten Auszeichnung:

Die Bürgermedaille sei aus Gold und hat die Form einer Münze. Auf der Vorderseite sei das große Nürnberger Stadtwappen mit der Umschrift „Stadt Nürnberg“ eingeprägt, auf der Rückseite der Name der oder des Geehrten mit den Worten „Für hervorragende Verdienste“. Bislang seien 219 Personen mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden.

Ingrid Hofmann-Heinrich sei seit über 30 Jahren als erfolgreiche Unternehmerin in Nürnberg und darüber hinaus tätig und setze "Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung der Metropolregion". Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten habe sie ihr Unternehmen ausbauen und den Arbeitsmarkt in der Region stärken können, so die Stadt.

"Dabei ging und geht es Ingrid Hofmann-Heinrich allem voran immer auch um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr nachhaltiges und vorausschauendes Denken und ihr stetiges Streben nach Weiterentwicklung haben ihr Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist. Die Personalleasing I.K. Hofmann GmbH zählt heute zu den fünf größten Personaldienstleistern Deutschlands", heißt es.

Hofmann wurde laut Stadt am 21. März 1945 im oberfränkischen Hiltpoltstein als Tochter eines Landwirts geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel bei der Blumenimportfirma Florimex in Nürnberg blieb sie demnach ihrem Ausbildungsbetrieb erhalten und bildete sich dort in den darauffolgenden Jahren zur Personalkauffrau und Wirtschaftskorrespondentin für Englisch weiter.

In den 1980er Jahren sei es ihr Traum gewesen, eine eigene Orchideenplantage in Südafrika zu leiten. "Dies scheiterte aufgrund der schwierigen politischen Situation Südafrikas zu dieser Zeit. Ingrid Hofmann entschloss sich einen anderen Weg zu gehen. Mindestens ebenso wie Orchideen liegen ihr Menschen am Herzen und mit ihren Erfahrungen als Personalkauffrau gewappnet, machte sie sich schließlich auf den Weg, die Arbeitswelt ein Stück weit zu revolutionieren", erklärt die Stadt. 

Als erste Frau habe sie zudem einen Sitz im Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Neben ihrem Engagement in der Arbeitswelt sei Ingrid Hofmann auch ehrenamtlich aktiv. So sei sie als ehrenamtliche Handelsrichterin, dänische Honorarkonsulin und Stadtteilpatin für Nürnberg-Langwasser tätig. Ihr Einsatz für das Gemeinwohl zeige sich ebenso in der Arbeit der I. K. Hofmann Stiftung, mit der sie zahlreiche karitative Organisationen unterstütze.

Leibl Rosenberg widme sich seit einem Vierteljahrhundert der Erforschung von nationalsozialistischem Raubgut und den Schicksalen der vertriebenen und ermordeten jüdischen Nürnbergerinnen und Nürnberger. Er unterstütze die Stadt "mit großem Engagement bei der Restitution von Judaica an ihre rechtmäßigen Besitzer beziehungsweise an deren Nachfahren und engagiert sich ebenso leidenschaftlich für das gegenseitige Verständnis von jüdischen und nichtjüdischen Einwohnern dieser Stadt". 

Leibl Rosenberg sei nach dem christlich-gregorianischen Kalender am 27. Januar 1948 und nach der jüdischen Zeitrechnung am 16. Shevat 5708 in Lagerlechfeld bei Augsburg geboren. Er wuchs laut Stadt als Kind polnischer Juden und Holocaust-Überlebender in einem Lager für sogenannte „Displaced Persons“ in Föhrenwald bei Wolfratshausen auf. Rosenberg besuchte demnach die Hebräische Universität Jerusalem und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Er studierte Judaistik, Bibelwissenschaften, Sprachwissenschaften, Germanistik und 
Amerikanistik. Seit 1990 lebe und arbeite er in Nürnberg. Er sei Journalist, Publizist und Judaist. 

Seit 1997 widme sich Leibl Rosenberg als NS-Raubgutforscher der „Sammlung Israelitische Kultusgemeinde“ an der Stadtbibliothek Nürnberg. Alliierte Kräfte fanden nach Kriegsende in den unzerstört gebliebenen Redaktionsräumen des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“ ein Archiv an geraubter Literatur sowie antisemitischen Schriften von „begeisterten Kampfgenossen“.

„Es ist uns eine Pflicht, die Erinnerung zu bewahren“: In diesem Sinne widme sich Leibl Rosenberg seit 25 Jahren "mit großer Hingabe und Leidenschaft" der Aufgabe, die Bücher ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Als Kenner der jüdischen Geschichte und Kultur, als Sprachwissenschaftler und Publizist, durchforste er die Bestände akribisch, um Hinweise auf die Menschen zu finden, die ihr Eigentum und 
noch vieles mehr während der Schreckensherrschaft des NS-Regimes verloren haben.

"Ohne das unermüdliche Engagement von Leibl Rosenberg wäre dies lediglich ein Wunsch. 77 Jahre nach Ende des Krieges und der Gewaltherrschaft verkörpert Leibl Rosenberg symbolhaft, was uns als Nürnbergerinnen und Nürnberger wichtig ist: den Opfern auch nach all der Zeit Gerechtigkeit 
widerfahren zu lassen", so die Stadt. Leibl Rosenberg habe sich "auf vielfältige und herausragende Weise um Nürnberg und um die Menschen, die hier leben, verdient gemacht". Als Anerkennung verleihe ihm die Stadt Nürnberg die Bürgermedaille.

Hubert Rottner Defet sei seit vielen Jahrzehnten als Umweltschützer aktiv und ein Ökologie-Messe-Veranstalter der ersten Stunde. Nicht nur mit der „BioFach“, der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, sei er eng verbunden, sondern auch mit vielen kleinen, regionalen Messen, die er regelmäßig veranstalte. Bei vielen öffentlichen Terminen gebe er sein umfangreiches Wissen weiter und engagiere sich rastlos für Biolebensmittel ebenso wie für die Begrünung Nürnbergs. 

Geboren am 30. Mai 1951 in Nürnberg als Ältester von fünf Kindern, sei Hubert Rottner Defet in Großreuth bei Nürnberg aufgewachsen. Neben einer Landwirtschaft hätten seine Eltern eine Dorf- und Ausflugswirtschaft betrieben, in der regionale und saisonale Produkte und Wildfleisch aus der eigenen Jagd auf der Speisekarte standen.

Er engagierte sich laut der Stadt Nürnberg gegen Atomkraft und Umweltzerstörung, protestierte gegen die WAA Wackersdorf und unterstützte zahlreiche Aktionen unterschiedlicher Umweltverbände. Sein Ziel sei es nicht ausschließlich gewesen, gegen Missstände zu protestieren, sondern selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Hubert Rottner Defet animiere die Menschen dazu, mit allen Sinnen zu konsumieren. Mit seinen Kochshows, dem großen Kinderprogramm, seiner ungebremsten Neugierde und seinem Interesse, sein umfassendes Wissen weiterzugeben, begeistere er seit Jahren eine stetig wachsende Anhängerschaft.

Auch als Autor setze er sich für Nürnberg als Genuss-Stadt ein. Außerdem veranstalte er zusammen mit dem Künstlerhaus die Vortragsreihe „Wie grün ist Nürnberg?“ und organisiere gemeinsam mit „BioErleben“ erstmalig das Agrikulturfestival, einem in Freiburg bereits 
etablierten Festival, das heuer von 22. bis 24. Juli auf dem Hauptmarkt stattfinden soll. Mit seinem Lebenswerk mache er – weit über die Noris hinaus – nicht nur auf einen sorgsamen Umgang mit unseren Ressourcen aufmerksam, sondern zeige den Weg dorthin auch konkret auf.

Horst Schmidbauer, ehemaliger Stadtrat, Mitglied des Bundestags a.D. und bis 2021 Vorsitzender der Nürnberger Lebenshilfe, engagiere sich seit Jahrzehnten in herausragender und vorbildlicher Weise für die "solidarische Stadtgesellschaft in Nürnberg und darüber hinaus". Horst Schmidbauer wurde laut Stadt am 3. März 1940 in Nürnberg geboren.

Nach dem Besuch der Volks- und Gewerberealschule habe er eine Ausbildung als Industriekaufmann absolviert. Nach dem Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sei er in der Mineralölbranche und dort seit 1977 als Verkaufsniederlassungsleiter tätig gewesen. Von 1972 bis 1990 sei er für die SPD Mitglied des Nürnberger Stadtrats gewesen. Ab 1990 war Horst Schmidbauer 15 Jahre lang als SPD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag. 

2001 bis 2021 war Horst Schmidbauer laut Stadt als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Nürnberg e.V. tätig. Er engagiere sich bis heute in der „Stiftung für Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“. Daneben sei er unter anderem Mitglied bei Pro Familia, dem Sozialverband VdK, der AIDSHilfe, der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, dem Arbeiter-Samariter Bund (ASB) und der Arbeiterwohlfahrt (AWO). 

Während seiner Zeit als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender sei die Nürnberger Lebenshilfe e.V. zu einem großen Sozialdienstleister ausgebaut worden. "Durch sein außerordentliches persönliches Engagement ist die Lebenshilfe Nürnberg heute landes- sowie bundesweit gut positioniert und weithin als Institution fachlich anerkannt", heißt es in der Begründung für die Medaille. Damit habe er sich in besonderer Weise um gelebte Inklusion, die Rechte und Belange von Menschen mit Beeinträchtigung und damit um den gesellschaftlichen Zusammenhalt verdient gemacht.

Ebenso setzte Horst Schmidbauer sich laut Stadt für eine klare Inklusion auf dem Arbeitsmarkt ein. Mit der Gründung der beiden Inklusionsfirmen „Catering Toleranz“ und „Pegnitz Gebäudereinigung“ im Jahr 2006 sowie der „Gastronomie und Toleranz“ 2019 arbeitete er "beharrlich daran, dass Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite beschäftigt sind und keine Parallellebenswelt entsteht".

Durch "seinen Einsatz, sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement und seine gelebte Solidarität ist Horst Schmidbauer ein gesellschaftliches Vorbild", heißt es. Die Stadt Nürnberg ehre ihn daher mit der Bürgermedaille.