Zu viele Leichen: Krematorium Nürnberg ist an der Belastungsgrenze. Das Nürnberger Krematorium versucht aktuell mit allen Mitteln, die hohe Zahl von Toten zu bewältigen. Wegen Corona, eines feiertagsbedingten Rückstaus sowie der erhöhten natürlichen Sterbequote im Winter herrscht dort Ausnahmezustand. Pro Tag können etwa 55 Verbrennungen stattfinden - eine Kapazität, die gegenwärtig aber nicht ausreicht. "Allein gestern sind 36 Särge stehengeblieben", sagt Gerhard Kratzer, Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung, inFranken.de. Das Krematorium habe momentan einen regelrechten Überlauf. 

Nun sollen Kühlcontainer den Engpass abfedern. In ihnen werden die Särge gestapelt, ehe sie dann samt Leichnam verbrannt werden können. Der "Bypass durch Kühlcontainer", wie es Kratzer nennt, soll helfen, die Belastung im Nürnberger Krematorium zu bewältigen. Vier solcher Container werden bereits genutzt, mehr stehen ab Montag (11. Januar 2021) zur Verfügung. Durch die Container habe sich die Lage wieder etwas entspannt. Trotzdem ist aktuell nur noch eine "kontingentierte Annahme" von Verstorbenen möglich. Das heißt: Bestatter müssen die Anlieferung von Verstorbenen telefonisch anmelden. Grund dafür seien die Kapazitätsengpässe in der Kühlung. 

Krematorium in Nürnberg überlastet: Särge stapeln sich

Die Container stellen laut dem Leiter der Friedhofsverwaltung indes keine optimale Lösung dar. Pro Container sind demnach acht Mitarbeiter notwendig. Anders als im Krematorium selbst läuft in den Kühlcontainern nichts automatisiert ab. Aus diesem Grund wurden beispielsweise in Nürnberg die Urnen-Beisetzungen gestoppt. "Das Personal, das dort arbeitet, wird momentan anderswo gebraucht", erklärt Kratzer. Die Urnen würden deshalb auf den Friedhöfen gelagert, doch auch dort gebe es irgendwann keine Kapazitäten mehr.

Die Gründe für die Überlastung seien zwar vielfältig, die Corona-Pandemie spiele aber zweifellos eine Rolle. Durch die extreme Konstellation der Feiertage gebe es einen Stau in den Abläufen. Hinzu komme eine erhöhte natürliche Sterbequote in den Wintermonaten.

"Wir hatten auch vor Corona gut zu tun", hält Kratzer fest. Die Pandemie verschärfe die Situation weiter. "Jetzt kommt noch eine Übersterblichkeit durch Corona hinzu. Denn die Fallzahlen haben sich ja signifikant erhöht", betont der Nürnberger Friedhof-Chef. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gab es in der Stadt Nürnberg bislang 315 verstorbene Corona-Infizierte. Im Landkreis Nürnberger Land waren es bisher 120 Tote (Stand: 08.01.2021, 00.00 Uhr).

Friedhof-Chef hat für Corona-Leugner kein Verständnis

Für Menschen, die die Pandemie noch immer leugnen oder verharmlosen, hat Kratzer kein Verständnis. Erst kürzlich demonstrierten hunderte Menschen in Nürnberg gegen die Corona-Einschränkungen. Hierbei forderte ein Redner Polizisten auf, sich in Krankenhäusern, Friedhöfen und Bestattungsunternehmen selbst ein Bild zu machen. Dann würden sie feststellen, dass es keine epidemische Lage von nationaler Bedeutung gebe.

Kratzers Reaktion hierauf ist deutlich: "Das ist Quatsch. Die müssten auf die Intensivstationen und auf die Friedhöfe kommen. Dort sehen sie Berge von Leichen." Trotzdem betrachtet er die Situation nüchtern. "Solche Leute finden immer eine alternative Erklärung", bedauert er.

Auch am Klinikum Nürnberg treffen derartige Ansichten auf großes Unverständnis. "Unsere Mitarbeiter gehen an ihre Grenzen", berichtet das Krankenhaus.