Im Neuhauser Ortsteil Höfen (Nürnberger Land) wurde ein Wolf gesichtet. Am Sonntag (17. Januar 2021) wurde das Raubtier am helllichten Tage mitten im Dorf entdeckt. Ein Anwohner konnte das Tier filmen. Im Video sieht man, wie der Wolf munter durch den Ort läuft. Im Veldensteiner Forst lebt schon seit Jahren ein Wolfsrudel. Aktuell nähern sich die Tiere aber immer weiter an.

Die Bewohner reagieren erschrocken: "Die Angst ist da. Wenn man das Haus verlässt, ist da aktuell immer ein mulmiges Gefühl dabei", sagt Gemeinderat Stephan Ertl (CSU) inFranken.de. "Ich habe selbst Kinder. Wenn der Wolf dann Hunger hat, dann ist das ein Raubtier. Der unterscheidet dann nicht mehr, ob das Wild oder mein kleiner Sohn mit sechs Jahren ist. Das ist schon beängstigend." Zu Angriffen auf Menschen sei es zwar nicht gekommen, aber das Dorf habe Angst, dass etwas passieren könnte.

Gemeinderat aus Neuhaus-Höfen: Wolf reißt Reh neben Haustür

Auch in der unmittelbaren Nähe des Gemeinderats sei schon ein Wolf unterwegs gewesen. Im Januar sei nur 50 Meter vor seiner Haustüre ein Reh gerissen worden, sagt Ertl. "Gegenüber meines Hauses lag eine große Blutlache. Da hat man Angst, dass er dann direkt zu uns kommt. Schon öfter habe er Spuren direkt vor seinem Haus gefunden. "Man weiß halt auch nicht 100-prozentig, wie der Wolf reagiert."

Josef Springer, der Bürgermeister des Ortes, ist sich der Sorgen seiner Bürger bewusst: "Die Leute fühlen sich bedroht. Und um ehrlich zu sein: Wenn ich in Höfen wohnen würde, hätte ich schon auch ein ungutes Gefühl. Vor allem, wenn es um Kinder geht." Anfang Januar hat der Bürgermeister deshalb schon das Bayerische Landesamt für Umwelt kontaktiert. Er erhoffe sich vor allem Antworten, wie man sich und seine Tiere vor dem Wolf schützen kann. In einem Aushang informiert die Gemeinde bereits über die Sichtung und appelliert an die Bevölkerung, ihre Hunde unterwegs stets anzuleinen.

Diesen Rat gibt auch Gemeinderat Ertl: "Meinen Hund habe ich aktuell immer an der Leine, auch wenn ich nur kurz mit ihm draußen bin." Außerdem hat er seine Kinder gewarnt. "Man muss den Kindern erklären, dass es nicht normal ist, einen Wolf draußen zu sehen und dass sie aufpassen müssen." Auch lasse er sie nicht mehr ganz alleine draußen spielen. Mehr könne man jedoch aktuell nicht tun: "Wir müssen jetzt auf die Politiker warten." Nach der Wolfssichtung mitten in Höfen ist die Stimmung im Ort angespannt. "Viele haben Angst, weil der Wolf immer näher zu uns kommt." 

Wie gefährlich ist das Raubtier wirklich?

Auch Sebastian Bäumler, der Wolf-Experte des Pegnitzer Forstamts, kennt die Sorgen der Bevölkerung. "Solche Sichtungen sind immer ein Grund, warum Ängste aufkochen." Zumal seit Weihnachten nun zum dritten Mal ein Wolf im Bereich der Ortschaft beobachtet wurde.

Aber sind die Sorgen berechtigt? "Nein", sagt Bäumler. "Wenn sich ein Wolf so verhält wie dieser aus Höfen, dann nicht." Der Wolf sei wohl auf der Flucht gewesen, wie der Experte auf dem Video erkennt. "Der war ziemlich schnell unterwegs und hat sich nicht länger aufgehalten." In diesem Fall sei der Wolf also wirklich nur durchgelaufen und hätte keinen Kontakt gesucht. "Vom Verhalten her geht da aktuell gar keine Gefahr aus."

Es sei jedoch schon vorgekommen, dass Wölfe aktiv den Kontakt zu Menschen gesucht hätten: "Das kann passieren. Dann haben sie meistens irgendwo Futter bekommen, als sie klein waren", erklärt Bäumler. "Aber dann verhalten sich die Tiere auch ganz anders. Der Wolf in Höfen hat auf jeden Fall gar keine Anstalten gemacht, dass er sich Menschen nähern möchte."

Was tun, wenn man einem Wolf begegnet?

Auch, wenn Wölfe für die Menschen meist keine Gefahr darstellen würden, seien einige Schutzmaßnahmen aktuell sehr sinnvoll. "Im Moment herrscht Paarungszeit. Januar und Februar ist die Hauptzeit, da ist das Territorialverhalten der Wölfe am stärksten", so der Experte. Deshalb sei es derzeit geboten, seine Hunde immer möglichst bei sich oder an der Leine zu haben. Kinder seien weniger gefährdet. "Ich lasse mein Kind aber ja auch nicht mutterseelenalleine mitten im Wald spielen."

Wenn man doch mal einem Wolf begegnen sollte, sei, so Bäumler, eigentlich nicht viel nötig. "Normalerweise nimmt der Wolf kurz Notiz und sucht schnell das Weite." Wenn das einmal nicht der Fall sein sollte oder man sich unwohl fühlt, könne man sich bemerkbar machen. "Zum Beispiel, in dem man kurz in die Hände klatscht oder laut redet." Bäumler sei kein Fall bekannt, in dem ein Wolf dann nicht die Flucht ergriffen hätte.

Vonseiten des Staates gilt der Wolf als streng geschützt. Es sei nicht vorgesehen, ein Jagdrecht einzuführen, so Bäumler. Zwar gebe es Fälle, in denen sich auffällig verhaltende Wölfe zum Abschuss freigegeben wurden, insgesamt stehe dies jedoch nicht zur Diskussion.

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