Nach mehreren Auseinandersetzungen in der Nacht von Freitag auf Samstag (05.06.2021) mussten Einsatzkräfte der Polizei den Kornmarkt in Nürnberg räumen. Laut Angaben der Polizei wurden bei dem "größeren Polizeieinsatz" mehrere Beamte leicht verletzt.

Die Polizei suchte dringend nach Zeugen der Vorfälle, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken am Montag (07.06.2021) in einer Pressemitteilung mitteilte. Jetzt konnten die Beamten einen Tatverdächtigen identifizieren. 

Update vom 16.06.2021, um 12.44 Uhr: Polizei konnte Tatverdächtige identifizieren Tatverdächtige 

Im Zuge des polizeilichen Einschreitens hatten sich schließlich auch mehrere Angriffe auf die eingesetzten Beamten ereignet. Zwischenzeitlich konnte ein 20-jähriger Mann als Tatverdächtiger eines solchen Übergriffs identifiziert werden.

Wiederholt hatten Einsatzkräfte der Polizei im Laufe der Nacht einschreiten müssen, weil es unter den Anwesenden auf dem Kornmarkt zu Auseinandersetzungen gekommen war. Um weitere Straftaten zu verhindern, räumten Polizeibeamte schließlich ab 04.30 Uhr den Platz. Hierbei musste die Polizei  insgesamt 13 Personen in Gewahrsam nehmen. In mehreren Fällen war es dabei zu gezielten Angriffen gegen Beamte gekommen. Teilweise war es den Angreifern sogar gelungen, bei ihren Übergriffen unerkannt zu bleiben.

In einem Fall hatten Polizeibeamte gegen 05.00 Uhr eingegriffen, als sie eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Männern bemerkt hatten. Während des Einschreitens der Einsatzkräfte hatte sich ein bis dahin unbeteiligter Mann den Einsatzkräften genähert und diese mit einem Gürtel attackiert. Aufgrund der dynamischen Situation war es den Polizisten zunächst nicht gelungen, den Angreifer zu stellen.

Im Nachgang zum Einsatz-Geschehen auf dem Kornmarkt richtete die Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte eine siebenköpfige Arbeitsgruppe ein, um unter anderem über die Auswertung der vorhandenen Videoaufnahmen der Bodycams unbekannte Beteiligte identifizieren zu können. Tatsächlich gelang es mithilfe derartiger Aufnahmen zwischenzeitlich, einen Tatverdächtigen für den beschriebenen Angriff mit dem Gürtel zu ermitteln.

Über einen biometrischen Abgleich beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) fiel der Verdacht auf einen 20-jährigen Mann. Einsatzkräfte des Unterstützungskommandos Mittelfranken (USK) konnten den so identifizierten Tatverdächtigen in den Morgenstunden des vergangenen Sonntags (13.06.2021) in der Nürnberger Innenstadt festnehmen. Er muss sich nun wegen des Tatvorwurfs der versuchten gefährlichen Körperverletzung und des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth stellte Haftantrag gegen den Festgenommenen und ließ ihn einem Ermittlungsrichter vorführen. Dieser wiederum erließ einen Haftbefehl gegen den 20-Jährigen. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Derweil werden die Ermittlungen bei der eingerichteten Arbeitsgruppe weitergeführt. Die Beamten arbeiten intensiv daran, auch weitere bislang unbekannte Personen zu identifizieren, die sich an den Ausschreitungen auf dem Kornmarkt beteiligt haben.

Darüber hinaus wird die mittelfränkische Polizei ihre verstärkte Präsenz in der Nürnberger Innenstadt auch an den kommenden Wochenenden aufrechterhalten, um konsequent gegen aggressive und gewaltbereite Personen einzuschreiten.

Update vom 07.06.2021, 16.15 Uhr: Polizei sucht dringend nach Zeugen

Nach mehrfachen Angriffen auf Polizeibeamte bei einem Polizeieinsatz in der Nacht von Freitag (04.06.2021) auf Samstag (05.06.2021) hat die Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte zur umfassenden Aufklärung der Geschehnisse eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Die Beamten bitten um Zeugenhinweise.

Gegen zahlreiche Personen wurden Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Landfriedensbruchs sowie wegen Widerstands gegen und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte eingeleitet. Zur schnellen und umfassenden Aufklärung der Geschehnisse hat die Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte nun eine 7-köpfige Arbeitsgruppe eingerichtet. Nach wie vor sind einige Täter - insbesondere Flaschenwerfer - unbekannt. Einen Ermittlungsansatz bieten hier unter anderem die Aufnahmen der Bodycams, die von den Beamten während des Einsatzes getragen wurden. Derzeit läuft die Auswertung des Bildmaterials, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilt.

Die Ermittler bitten in dem Zusammenhang auch um weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Zeugen, die sachdienliche Hinweise zu den Geschehnissen, insbesondere zu den teilweise noch unbekannten Flaschenwerfern, machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0911 2112 - 6115 zu melden. Die Beamten bitten zudem darum, eventuell vorhandene Handyaufnahmen der Polizeiinspektion für die weiteren Ermittlungen zur Verfügung zu stellen.

Die Nürnberger Polizei wird die Präsenz in der Innenstadt insbesondere an den kommenden Wochenenden verstärken und konsequent gegen aggressive und gewaltbereite Personen einschreiten.

Vorherige Berichterstattung: Polizeieinsatz am Kornmarkt in Nürnberg eskaliert

Nachdem nach der Schließung der Außengastronomie gegen 23 Uhr der Großteil der versammelten Menschen den Kornmarkt verlassen hatte, heizte sich die Stimmung unter den rund 80 Verbliebenen mutmaßlich alkoholbedingt immer weiter auf. Die Einsatzkräfte mussten mehrfach einschreiten und Auseinandersetzungen unterbinden. In dem Zusammenhang kam es auch zu einem Körperverletzungsdelikt, bei dem ein bislang unbekannter Mann auf eine Frau einschlug. Als Beamte dazwischen gingen und den Tatverdächtigen festnahmen, solidarisierten sich umstehende Passanten mit dem Mann und gingen teils auf die Einsatzkräfte los. Hierbei wurden auch Flaschen in Richtung der Polizisten geworfen. Ein Beamter wurde am Kopf getroffen und leicht verletzt. Durch die massive Solidarisierung der umstehenden Personen, gelang es dem bislang Unbekannten schließlich zu flüchten.

Aufgrund der aufgeheizten Stimmung und der fortwährenden Ruhestörungen entschied sich die Einsatzleitung gegen 04.30 Uhr die noch anwesenden rund 80 Personen auch mittels Lautsprecherdurchsagen zum Verlassen des Platzes aufzufordern. Den Anweisungen der Beamten kamen die Menschen jedoch überwiegend nicht nach. Nach Hinzuziehung weiterer Streifen auch umliegender Inspektionen musste der Platz deshalb geräumt werden, um weitere Straftaten zu verhindern.

Hierbei setzten die Beamten auch unmittelbaren Zwang ein. Bei der Räumung wurden die Einsatzkräfte aus der Menge heraus teils weiter mit Flaschen beworfen, weshalb gegen einzelne Personen der Einsatzstock sowie Pfefferspray zum Einsatz kam. Insgesamt wurden 13 Randalierer in Gewahrsam genommen.

Flaschenwürfe auf Polizei - mehr als ein Dutzend Festnahmen nach Randale-Nacht in Nürnberg

Bei dem Einsatz wurden insgesamt drei Beamte leicht verletzt. Ein Polizist erlitt durch einen Flaschenwurf eine Kopfplatzwunde, aus der in einem Krankenhaus Glassplitter entfernt werden mussten. Die Beamten leiteten gegen zahlreiche Personen Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Landfriedensbruchs sowie wegen Widerstands gegen und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte ein.

Im Rahmen des Einsatzes kamen auch Bodycams der Einsatzkräfte zum Einsatz. Die Auswertung der Aufzeichnungen steht noch aus.

Der Kornmarkt war in den Morgenstunden - auch durch Glasscherben - massiv verschmutzt. Er musste deshalb von Mitarbeitern der Stadt Nürnberg gereinigt werden, um Verletzungen bei Passanten zu verhindern.

Innenminister Herrmann verurteilt Randale in Nürnberg

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte zu den Vorfällen in der Nacht zum Samstag:  "Die Aggressivität und Intoleranz, die wir hier erlebt haben, machen mich fassungslos. Die rücksichtslose Gewaltbereitschaft gegen unsere Polizeibeamte ist für mich völlig inakzeptabel." Und weiter: "Ich kann nicht verstehen, dass sich andere mit solchen Chaoten massiv solidarisieren, diese sogar schützen und dabei unsere Polizisten angreifen und verletzen."

Schon am vergangenen Wochenende waren in mehreren Städten Deutschlands Feierlichkeiten ausgeufert, darunter Stuttgart, Regensburg, Hamburg, München. In Regensburg randalierten Feiernde teils, warfen Gegenstände auf Polizisten und ignorierten die Maskenpflicht.