Herr Döschner, an was haben Sie gedacht, als Sie das Plakat entworfen haben?
Steve Döschner: Sie werden vielleicht lachen, aber ich habe an einen schönen Frühlingstag mit Vogelgezwitscher gedacht. Können Sie sich einen Frühling ohne diese Geräuschkulisse vorstellen? Ich nicht. Und es liegt auf der Hand: Mit Vögeln wird es lebendiger. Denn ein Leerzeichen zwischen den ersten beiden Wörtern wegzulassen ist nicht der große Geniestreich, aber es sorgt für Aufmerksamkeit (lacht).

Sie sagen es: Wenn Sie mal den medialen Erfolg beschreiben können?
In den Sozialen Netzwerken wie Facebook wurde das Plakat sehr oft geteilt. Ex-Fußballprofi Hans Sarpei (über 500.000 Facebook-Fans Anm. d. Red.) hat das Bild zum Beispiel gepostet. Der Spiegel hat in der Kolumne "Hohlspiegel" ein Bild vom Plakat abgedruckt. Die Kolumne präsentiert sprachliche Fehler von Textern und Journalisten, die Leserinnen zum Schmunzeln oder Lachen bringen. Ja, was will man denn mehr? Es war ein Selbstläufer. Für uns war die Aktion ein Erfolg, weil wir damit die Aufmerksamkeit einiger Menschen für den Vogelschutz erreichen konnten.

Was hat die Kampagne in der Praxis gebracht?
Der Landesbund für Vogelschutz setzt sich seit Jahrzehnten für den Naturschutz ein. Da werden wir natürlich weiter machen. Wir engagieren uns für mehr Vielfalt in unserer Umwelt, denn die gibt den Menschen sehr viel zurück. Sonntagsausflüge ins Grüne sind nicht umsonst ein Dauerbrenner. Man darf sich natürlich keine Illusionen machen, dass alle, die das Bild geliked haben, nun sofort im Naturschutz aktiv werden. Wir haben gezeigt, dass wir auch ohne erhobenen Zeigefinger auftreten können. Und mit der Plakat-Aktion haben wir auch bewiesen, dass Naturschutz witzig sein kann und darf.

Wie kann man sich heute für den Vogelschutz einsetzen?
Jeder kann aktiv werden und seine Umwelt gestalten, Wer beispielsweise einen Garten hat, der kann viel für die Natur und letztlich für sich selbst tun. Hier kann man heimische Gehölze pflanzen, die blühen und Früchte tragen. Nahrung für Mensch und Tier. Hausbesitzer können mit extensiver Dachbegrünung arbeiten, und und und... da gibt es unzählige Möglichkeiten. Man kann auch bei uns Mitglied werden. Da gibt es viele Informationen aus erster Hand (lacht). Und klar, in der Gruppe kann man oft einfach mehr erreichen. Wer uns kennenlernen möchte: Wir treffen uns einmal im Monat, um ganz konkrete Maßnahmen zu besprechen. (Mehr Infos gibt es hier).

Ist Vogelschutz durch Ihre Plakataktion attraktiver geworden?
Das Image von verstaubten Naturschützern stimmt schon lange nicht mehr. Für die Natur setzen sich viele junge Leute ein. Ich kenne zum Beispiel zwei DJs, die sich abseits der Plattenteller als Ornithologen für Vögel einsetzen. Wir sind in Nürnberg generell eine sehr bunte und offene Truppe. Wenn das durch unser Plakat nun mehr Menschen wissen und uns unterstützen, dann sind wir mehr als zufrieden.